Fußball

Cristiano Ronaldos Traum vom Titelgewinn bei Al-Nassr schwindet

Wenn Cristiano Ronaldo am Montagabend zum Capital Derby auf den Platz geht, könnte sich Al-Nassrs Saison bereits schwerer anfühlen als die heiße Nachtluft in Riad. Eine Niederlage gegen Al-Hilal würde sie sieben Punkte zurückwerfen – in einer Liga, in der verlorenes Momentum selten zurückkehrt.

Das ist ein deutlicher Kontrast zu der Gewissheit, die Ronaldos Ankunft im Januar 2023 begleitete. Sein Wechsel nach Saudi-Arabien wurde als sportlicher Coup und Zeichen großer Ambitionen gefeiert – Trophäen schienen nur eine Frage der Zeit.

Individuell hat Ronaldo geliefert. Laut GOAL erzielte er 114 Tore in 128 Einsätzen für Al-Nassr. Doch auf kollektiver Ebene bleibt die Bilanz deutlich durchwachsener.

Als das Unvermeidliche verschwand

Zu Beginn der Saison deutete alles darauf hin, dass das Titelrennen schon im Winter entschieden sein könnte. Zehn Ligasiege in Folge, nur fünf Gegentore, ein komfortabler Vorsprung – Al-Nassr schien alles im Griff zu haben.

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Dieses Gefühl der Unaufhaltsamkeit zerbrach Ende Dezember. Ein 2:2 gegen Al-Ettifaq, gefolgt von zwei Niederlagen in Serie, verwandelten Selbstsicherheit in Verunsicherung. Die Resultate waren dabei weniger entscheidend als deren Zustandekommen: defensive Aussetzer, körperliche Ermüdung und das wachsende Gefühl, dass Gegner Schwachstellen entdeckt hatten.

Nach der Niederlage gegen Al-Ahli nahm Trainer Jorge Jesus kein Blatt vor den Mund. „Wir waren defensiv schwach“, gab er zu und räumte ein, dass sein Team in entscheidenden Bereichen unterlegen war.

Altbekannte Turbulenzen auf der Trainerbank

Die Instabilität beschränkt sich nicht nur auf das Spielfeld. Jesus ist bereits der vierte Cheftrainer, den Al-Nassr seit Ronaldos Verpflichtung angestellt hat.

Rudi Garcia musste nach einem späten Einbruch im Titelkampf 2022/23 gehen. Luis Castro erreichte Platz zwei und wurde im September 2024 von Stefano Pioli abgelöst. Doch auch Piolis Amtszeit endete nach weniger als einem Jahr – nach Rückschlägen in der Liga und dem Aus im Halbfinale der AFC Champions League, berichtete GOAL.

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Jesus kam mit viel Erfahrung, nachdem er Al-Hilal in der Vorsaison ungeschlagen zur Meisterschaft geführt hatte. Zunächst schien seine Verpflichtung ein Glücksgriff zu sein.

Offensivkraft ohne Harmonie

Im Herbst spielte Al-Nassr phasenweise wie aus dem Highlight-Video. Ronaldo als zentraler Stürmer, flankiert von Sadio Mané, João Félix und Kingsley Coman – ein Quartett, das Abwehrreihen eher überrennen als ausspielen sollte.

Félix brachte die Stimmung zu Saisonbeginn auf den Punkt: „Wir sind alle Spieler mit Qualität. Wenn wir zu viert zusammenspielen… läuft es einfach“, sagte er auf der offiziellen Website der Liga.

Doch dieses Gleichgewicht ist seitdem verloren gegangen. Manés Abwesenheit beim Afrika-Cup und verletzungsbedingte Ausfälle in der Abwehr haben das Team aus dem Gleichgewicht gebracht. Der Fußball ist vorsichtiger geworden, die Torchancen seltener – und der Spielraum für Fehler enger.

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Die Tabelle rückt zusammen, der Druck wächst

Al-Hilal hat die Gunst der Stunde genutzt. Das Team von Simone Inzaghi gewann zehn Ligaspiele in Folge, drehte einen Vier-Punkte-Rückstand in eine Führung gleichen Ausmaßes und stellte die Dominanz der Vorsaison wieder her.

Für Al-Nassr fühlt sich das Derby nun weniger wie ein klassisches Rivalenduell an – sondern eher wie ein Moment der Wahrheit.

Ronaldo versucht, trotz der sportlichen Talfahrt Ruhe auszustrahlen. „So ist Fußball“, sagte er nach der Niederlage gegen Al-Qadsiah gegenüber Arab News. „Es gibt gute und schlechte Phasen… man muss daran glauben, dass sich die Dinge ändern.“

Doch Glaube allein reicht nicht mehr aus. Was einst wie ein sicherer Triumphzug wirkte, ist zu einem Drahtseilakt geworden. Für Al-Nassr – und für Ronaldos Kapitel in Saudi-Arabien – bleibt kaum noch Raum für Fehler.

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Quellen: GOAL, Arab News

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Oliver Obel

Ich bin ein leidenschaftlicher Sport-Content-Creator mit klarem Fokus auf Fußball. Für LenteDesportiva verfasse ich hochwertige Inhalte, die informieren, unterhalten und eine starke Verbindung zu Fußballfans auf der ganzen Welt schaffen. Meine Arbeit dreht sich um Spieler-Rankings, Transferanalysen und tiefgehende Reportagen, die den modernen Fußball beleuchten. Ich verbinde ein ausgeprägtes redaktionelles Gespür mit einem tiefen Verständnis für die Entwicklung des Spiels – immer mit dem Anspruch, Inhalte zu liefern, die sowohl Einsicht als auch Emotion vermitteln.