Bis jetzt hat noch kein englischer Trainer die Premier League gewonnen? Liam Rosenior vor seiner Bewährungsprobe bei Chelsea
Die Ernennung von Liam Rosenior bei Chelsea bedeutet mehr als nur einen persönlichen Durchbruch. Sie rückt einen englischen Trainer ins Zentrum einer Frage, die die Premier League seit ihrer Gründung begleitet: Warum hat die globalste Fußballliga der Welt noch nie einen englischen Meistertrainer hervorgebracht?
Für Rosenior, 41 Jahre alt, markiert dieser Schritt einen rasanten Aufstieg nach Stationen bei Hull City und dem RC Strasbourg. Für das englische Trainertum im Allgemeinen ist es ein weiterer Test dafür, ob es in Wirklichkeit nicht am Können, sondern an den fehlenden Chancen gelegen hat.
Eine langjährige Anomalie
Seit der Gründung der Premier League im Jahr 1992 hat kein englischer Trainer den Titel gewonnen. Howard Wilkinson ist bis heute der letzte Engländer, der eine Mannschaft zur Meisterschaft geführt hat 1991/92 mit Leeds United, noch unter dem alten First-Division-System.
Laut BBC Sport haben seither zwölf Trainer den Premier-League-Titel gewonnen angeführt vom Schotten Sir Alex Ferguson, der mit Manchester United 13 Mal triumphierte, sowie vom Spanier Pep Guardiola, der mit Manchester City bereits sechs Titel errungen hat. Kein einziger davon war Engländer.
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Diese Abwesenheit steht im Kontrast zu anderen großen europäischen Ligen, in denen einheimische Trainer regelmäßig Titel gewinnen etwa in Italien, Spanien, Deutschland oder Frankreich.
Wie ausländische Trainer die Liga übernahmen
Die Anfangsjahre der Premier League fielen mit der Dominanz von Fergusons Manchester United zusammen und setzten Maßstäbe, die nur schwer zu erreichen waren. Der Schotte Kenny Dalglish konnte diesen Lauf 1994/95 mit den Blackburn Rovers kurzzeitig unterbrechen, doch schon bald wurde die Liga zum Anziehungspunkt für internationale Spitzentrainer.
Der Einstieg von Arsène Wenger bei Arsenal im Jahr 1996 war ein Wendepunkt. Seine drei Meistertitel darunter die ungeschlagene Saison 2003/04 veränderten Trainingsmethoden, Spielerverpflichtungen und das taktische Denken im englischen Fußball grundlegend.
Chelsea trieb diesen Wandel weiter voran. Die Verpflichtung von José Mourinho im Jahr 2004 zeigte die Bereitschaft der Top-Klubs, bewährte internationale Siegertypen zu bevorzugen und ebnete den Weg für Trainer wie Carlo Ancelotti, Antonio Conte oder Jürgen Klopp.
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Der frühere Stürmer von Aston Villa und Manchester United, Dion Dublin, sagte der BBC, viele ausländische Trainer seien mit einem bereits etablierten Erfolgsprofil gekommen. „Viele der Trainer aus dem Ausland hatten bereits in Europa Erfolge gefeiert und Titel gewonnen“, so Dublin.
Chancen zählen genauso wie Ergebnisse
Englische Trainer hingegen erhielten selten das Vertrauen, bereits titelreife Kader zu übernehmen. Laut einer Analyse von BBC Sport haben Spitzenklubs in der Premier-League-Ära fast ausschließlich auf ausländische Trainer gesetzt.
Tony Pulis, der Stoke City in besonders wettbewerbsintensiven Jahren trainierte, erklärte der BBC, der Zugang sei entscheidend gewesen. „Ich frage mich, wie viele englische Trainer in den letzten 25 Jahren tatsächlich bei den Topklubs gearbeitet haben“, sagte er. „Deshalb hat auch keiner von ihnen den Titel gewonnen.“
Rosenior's Weg zu Chelsea zeigt eine sich wandelnde Landschaft. Seine Ernennung wurde durch die Multi-Club-Besitzstruktur des Vereins ermöglicht ein Weg, der vor zehn Jahren kaum denkbar gewesen wäre. Das wirft die Frage auf, ob solche alternativen Karrierepfade künftig notwendig sind, damit englische Trainer vorankommen.
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Wer könnte die Durststrecke beenden?
Unter den derzeitigen englischen Trainern hat Rosenior bei Chelsea die besten Voraussetzungen dank der Ressourcen und der langfristigen Ambitionen des Vereins. Auch Eddie Howe wird oft genannt, nachdem er Newcastle United zum ersten nationalen Titel seit 70 Jahren geführt hat.
Frank Lampard wiederum arbeitet derzeit daran, seinen Ruf als Trainer wieder aufzubauen beim aktuellen Spitzenreiter der Championship, Coventry City, nach früheren Stationen bei Chelsea und Everton.
Der frühere Verteidiger von Manchester United und der englischen Nationalmannschaft, Phil Jones, sagte der BBC, Howe steche hervor. „Für mich ist Eddie Howe die klare Nummer eins“, erklärte er mit Blick auf dessen Arbeit bei Bournemouth und Newcastle.
Wolverhampton-Trainer Gary O’Neil glaubt, dass die Durststrecke eines Tages endet aber es werde schwer. „Ich denke, es wird passieren“, sagte er der BBC. „Aber es ist natürlich eine äußerst schwierige Aufgabe.“
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Für Rosenior ist die Herausforderung unmittelbar. Ein Erfolg bei Chelsea würde nicht nur seine eigene Karriere neu definieren er würde ein Premier-League-Kapitel neu schreiben, das seit über 30 Jahren unverändert geblieben ist.
Quelle: BBC Sport
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