Könnte die FIFA die USA rechtmäßig als Gastgeber der Weltmeisterschaft ausschließen?
Während die Vorbereitungen für die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in ganz Nordamerika weiterlaufen, sind Spekulationen darüber aufgekommen, ob politische Turbulenzen eines Tages die Rolle der Vereinigten Staaten als wichtigstes Gastgeberland des Turniers gefährden könnten.
Aus rechtlicher Sicht verfügt die FIFA durchaus über die Befugnis, einzugreifen. In der Praxis würde die Ausübung dieser Macht gegenüber den Vereinigten Staaten jedoch Umstände erfordern, die weit über alles hinausgehen, was sich derzeit abzeichnet.
Was die Regularien der FIFA erlauben
Wie SPORTbible berichtet, räumen die Regularien der FIFA zur Weltmeisterschaft dem Weltverband einen großen Ermessensspielraum ein, Spiele abzusagen, zu verlegen oder neu anzusetzen einschließlich theoretisch des gesamten Turniers, wenn er zu dem Schluss kommt, dass Sicherheit, Schutz oder die öffentliche Ordnung nicht gewährleistet werden können.
Diese Bestimmungen beruhen auf sogenannten Force-Majeure-Klauseln, einem Standardbestandteil großer internationaler Sportverträge. Sie sollen Ereignisse abdecken, die außerhalb der Kontrolle des Veranstalters liegen, etwa bewaffnete Konflikte, großflächige zivile Unruhen, Naturkatastrophen oder staatliche Maßnahmen, die eine Austragung unmöglich machen.
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Das Turnier 2026 wird gemeinsam von den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko ausgerichtet, wobei der Großteil der Spiele in US-amerikanischen Städten stattfinden soll. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die FIFA diese Vereinbarungen derzeit überprüft.
Politischer Druck ohne formale Konsequenzen
Seit Donald Trump im Januar 2025 in das Amt des US-Präsidenten zurückgekehrt ist, hat die politische Kritik zugenommen. In diesem Monat unterzeichneten 23 britische Abgeordnete einen parlamentarischen Antrag, in dem internationale Sportverbände aufgefordert wurden zu prüfen, ob die Vereinigten Staaten weiterhin Gastgeber großer Sportereignisse, einschließlich der Weltmeisterschaft, sein sollten.
Der Antrag spiegelte eine breitere Besorgnis unter einigen Politikern, Kommentatoren und Fans über die innen- und außenpolitische Ausrichtung der USA wider. Kritiker verwiesen auf eine Reihe jüngerer Kontroversen, doch keine davon hat bislang ein formelles Verfahren innerhalb der FIFA nach sich gezogen.
Derzeit bleibt die Debatte politischer Natur und nicht verfahrensrechtlich.
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Warum ein Entzug der Gastgeberrechte außergewöhnlich wäre
Jack Anderson, Professor für Sportrecht an der University of Melbourne, erklärte gegenüber SPORTbible, dass die vertraglichen Befugnisse der FIFA zwar auf dem Papier weitreichend seien, ihre Nutzung zum Entzug der Gastgeberrolle der Vereinigten Staaten jedoch äußerst unwahrscheinlich sei.
„Es ist unwahrscheinlich, dass die FIFA die Organisation, die Trump ihren ersten globalen Friedenspreis verliehen hat den USA die Gastgeberrechte entziehen würde“, sagte Anderson. „Dafür müsste es sehr wahrscheinlich zu einer extremen Abfolge von Ereignissen kommen.“
Er wies darauf hin, dass Kündigungsklauseln in der Regel eher mit Mängeln bei Infrastruktur, Finanzierung oder der Durchführung des Turniers verknüpft seien als mit politischen Auseinandersetzungen. Selbst wenn eine rechtliche Grundlage bestünde, müssten zudem weiterreichende Konsequenzen berücksichtigt werden.
Der Entzug der Gastgeberrolle für die größte Volkswirtschaft der Welt in der Endphase der Vorbereitungen würde die FIFA erheblichen diplomatischen Spannungen und kommerziellen Risiken aussetzen und macht eine solche Entscheidung in der Praxis äußerst unwahrscheinlich.
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Die Vorbereitungen gehen weiter
Derzeit schreiten die Planungen in den 16 Gastgeberstädten Nordamerikas weiter voran, wobei US-amerikanische Austragungsorte wie New York/New Jersey, Los Angeles, Dallas und Miami eine zentrale Rolle in den FIFA-Plänen für das auf 48 Teams erweiterte Turnier spielen.
SPORTbible berichtete, dass die FIFA um eine Stellungnahme gebeten wurde, bislang jedoch keine Antwort eingegangen ist. Derzeit gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass der Weltverband eine Änderung der Gastgeberstruktur des Turniers in Erwägung zieht.
Quellen: SPORTbible
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