Infantino sagt, er sei „schockiert und traurig“ über mutmaßliche rassistische Beleidigungen
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die mutmaßlich rassistischen Äußerungen gegen Real-Madrid-Stürmer Vinícius Júnior während der Champions-League-Begegnung mit Benfica scharf verurteilt. Er bezeichnete die Berichte als „schockierend“ und forderte die Fußballbehörden zu entschlossenem Handeln auf.
Die Kontroverse entstand beim 1:0-Sieg Madrids im Hinspiel der Play-off-Runde. Vinícius erzielte das entscheidende Tor, doch der Spielverlauf geriet schnell in den Hintergrund, nachdem Benficas Gianluca Prestianni beschuldigt worden war, rassistische Bemerkungen gegenüber dem Brasilianer gemacht zu haben.
In einer nach dem Spiel veröffentlichten Erklärung sagte Infantino, er sei über die gemeldeten Vorfälle in der Begegnung zwischen dem spanischen und dem portugiesischen Klub „schockiert und bestürzt“. Er betonte, dass Diskriminierung weder im Fußball noch in der Gesellschaft insgesamt einen Platz habe, und forderte die zuständigen Gremien auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der FIFA-Präsident verwies zudem auf das Vorgehen des Schiedsrichters François Letexier, der das dreistufige Anti-Rassismus-Protokoll der UEFA anwandte. Dieses Verfahren, das eine Armkreuz-Geste zur Anzeige einer vorübergehenden Unterbrechung vorsieht, soll diskriminierendes Verhalten in Stadien ahnden und kann letztlich zur Unterbrechung oder sogar zum Abbruch eines Spiels führen, falls die Vorfälle anhalten.
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Infantino lobte die Reaktion des Schiedsrichters und fügte hinzu: „Die FIFA und der Fußball zeigen volle Solidarität mit den Opfern von Rassismus und jeder Form von Diskriminierung.“ Er bekräftigte abschließend: „Nein zu Rassismus! Nein zu jeder Form von Diskriminierung!“
Unterstützung durch Mitspieler
Vinícius veröffentlichte später eine emotionale Botschaft in den sozialen Medien und schrieb: „Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich ihr Trikot in den Mund stecken, um zu zeigen, wie schwach sie sind.“
Der 25-Jährige hatte bereits zuvor darüber gesprochen, in Spanien Ziel rassistischer Beleidigungen geworden zu sein. Die jüngsten Vorwürfe führten umgehend zu Rückendeckung durch seinen Teamkollegen Kylian Mbappé. Der französische Nationalmannschaftskapitän erklärte, er habe die mutmaßlichen Äußerungen gehört, und forderte harte Sanktionen, sollte sich der Vorwurf bestätigen.
UEFA prüft den Fall
Die UEFA bestätigte, dass ein Ethik- und Disziplinarinspektor mit der Untersuchung des Falls beauftragt wurde. In einer kurzen Mitteilung erklärte der europäische Fußballverband, die offiziellen Spielberichte würden geprüft; etwaige Disziplinarmaßnahmen würden auf der Website veröffentlicht.
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Nach den Regularien der UEFA kann rassistisches Verhalten eine Sperre von mindestens zehn Spielen nach sich ziehen abhängig von Schweregrad und Ermittlungsergebnissen. Disziplinarverfahren werden jedoch selten innerhalb weniger Tage abgeschlossen, sodass es unwahrscheinlich ist, dass eine Entscheidung Auswirkungen auf das Rückspiel in der kommenden Woche in Madrid haben wird.
Prestianni wies die Vorwürfe zurück. In einem Beitrag in den sozialen Medien erklärte er: „Ich möchte klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt rassistische Beleidigungen gegen Vinícius Jr. gerichtet habe, der leider missverstanden hat, was er glaubte gehört zu haben. Ich bin niemals jemandem gegenüber rassistisch gewesen.“
Das Ergebnis der UEFA-Untersuchung wird darüber entscheiden, ob formelle Anklagen erhoben werden. Der Fall rückt erneut in den Fokus, wie der europäische Fußball seine Anti-Diskriminierungsrichtlinien durchsetzt ein Thema, dem sich die Verbände in den vergangenen Jahren verstärkt widmen wollen.
Quellen: Stellungnahme der FIFA; Stellungnahme der UEFA; Beiträge der Spieler in den sozialen Medien.
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