Geschlechterdebatte spitzt sich zu: Snowboard und Nordische Kombination vor möglichem Aus im Olympia Programm 2030
Reformdruck und olympische Tradition im Spannungsfeld
Das Internationale Olympische Komitee bestätigte im September 2025, dass PGS und die Nordische Kombination nach Standards überprüft werden, die 2023 eingeführt wurden, um die Spiele „balanced, youth-focused and cost-efficient“ zu gestalten.
Die Standards, und damit das IOC, verweisen zudem auf einen wissenschaftlichen Konsens zur Relative Energy Deficiency in Sport, REDs. Dieser bestätigt, dass eine unzureichende Energiezufuhr im Verhältnis zur Trainingsbelastung sowohl die Gesundheit als auch die Leistungsfähigkeit von männlichen und weiblichen Athleten erheblich beeinträchtigen kann. Seit 2018 hat sich die Forschung deutlich erweitert, darunter stärkere Belege zu Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, zu Risiken bei männlichen Sportlern sowie zu den Folgen einer zu geringen Kohlenhydratverfügbarkeit.
Das Positionspapier stellt ein aktualisiertes physiologisches Modell sowie ein neues klinisches Instrument, das IOC REDs CAT2, vor. Dieses soll eine frühzeitigere Erkennung, Risikobewertung und Behandlung ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf Prävention, interdisziplinärer Betreuung und stärker standardisierter Forschung, da es keinen eindeutig definierten Energieschwellenwert gibt, der REDs klar festlegt.
Laut The Associated Press läuft die Überprüfung der betroffenen Sportarten bereits. Programmüberprüfungen gehören zwar routinemäßig zur olympischen Planung, spiegeln jedoch häufig tiefere wirtschaftliche und politische Einflüsse wider. Fernsehzuschauerzahlen, globale Verbreitung und organisatorischer Aufwand spielen eine immer größere Rolle bei der Entscheidung, welche Disziplinen im Programm verbleiben.
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Snowboard Parallel Riesenslalom unter besonderer Beobachtung
PGS ist seit 1998 Teil der Olympischen Winterspiele. In diesem Wettbewerb treten jeweils zwei Athleten parallel auf identischen Kursen gegeneinander an, wobei die schnellere Zeit über das Weiterkommen entscheidet.
Laut The Associated Press steht die Disziplin insbesondere hinsichtlich ihrer Fernsehtauglichkeit in den Vereinigten Staaten in der Kritik. NBC hält dort bedeutende Übertragungsrechte und ist ein zentraler Finanzierungspartner der Spiele. Amerikanische Athleten konnten im PGS bislang nur begrenzte Medaillenerfolge erzielen, was das Zuschauerinteresse in einem wichtigen Medienmarkt beeinflussen kann.
Dies wirft eine grundsätzliche Frage zur Ausrichtung der Olympischen Bewegung auf. Wenn das Überleben einer Sportart weniger von sportlicher Qualität als von Einschaltquoten in einem einzelnen Schlüsselmarkt abhängt, droht eine Verschiebung der ursprünglichen Werte. Medaillenverteilung und US Fernsehratings dürfen nicht zum inoffiziellen Maßstab für den Fortbestand olympischer Disziplinen werden.
Joseph Wilson berichtete aus Livigno, dass der amerikanische Trainer Justin Reiter einen Ausschluss als „a huge mistake on the part of the IOC“ bezeichnete. Reiter betonte, der Wettbewerb zeichne sich durch eine starke Beteiligung von Frauen und Männern aus und entspreche Nachhaltigkeitszielen, da er wenig Schnee und vergleichsweise einfache Infrastruktur erfordere.
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„It has a fantastic participation between both men and women,“ sagte Reiter gegenüber Reportern und verwies zudem auf Aspekte wie Gleichberechtigung und Klimaverantwortung.
Die olympische Geschichte der Disziplin umfasst mehrere prägende Momente. 2018 gewann Ester Ledecka sowohl im Alpinen Skisport als auch im Snowboard PGS Gold bei denselben Spielen. Auch Athleten wie Chris Klug und Vic Wild sorgten in früheren Jahren für Aufmerksamkeit. Gleichzeitig gab es organisatorische Herausforderungen, etwa starke Regenfälle bei den Spielen 2010 in Vancouver, die den Wettbewerb erheblich beeinträchtigten.
Nordische Kombination und anhaltende Geschlechterdebatte
Die Nordische Kombination ist seit 1924 Teil des olympischen Winterprogramms und verbindet Skispringen mit Skilanglauf. Die Disziplin wird traditionell von einer begrenzten Anzahl von Nationen dominiert, was erneut Diskussionen über internationale Breite und mediale Attraktivität ausgelöst hat.
Laut ESPN verwies das IOC bei seiner Entscheidung, keinen Frauenwettbewerb für 2026 aufzunehmen, auf begrenzte Zuschauerzahlen im Männerbereich sowie auf eine fehlende „diversity of countries“ unter den teilnehmenden Nationen. Diese Entscheidung stieß auf Kritik, insbesondere nachdem das IOC Milano Cortina 2026 als „set to become the most gender balanced Olympic Winter Games in history“ bezeichnet hatte.
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Eine Weltmeisterschaft für Frauen wurde 2021 eingeführt, doch eine olympische Premiere steht weiterhin aus.
Fernsehwirtschaft, globale Reichweite und strategische Abwägungen
Während das IOC die Überprüfung mit Ausgewogenheit und Nachhaltigkeit begründet, bleibt die wirtschaftliche Dimension entscheidend. NBC trägt mit seinen Medienrechten in den Vereinigten Staaten erheblich zur Finanzierung der Spiele bei, weshalb das Zuschauerinteresse in diesem Markt besondere Bedeutung hat.
Zugleich legt das IOC verstärkt Wert auf weltweite Beteiligung. Sportarten mit geringer geografischer Verbreitung oder wiederkehrender Medaillendominanz durch wenige Länder geraten daher stärker in den Fokus.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Basketball etwa wird bei den Sommerspielen seit Jahren vom US Herrenteam dominiert, profitiert jedoch von einer breiten globalen Basis und hohen internationalen Einschaltquoten. Die Nordische Kombination verfügt im Vergleich über eine deutlich engere Wettbewerbsstruktur, bei der Podestplätze häufig auf einige europäische Nationen konzentriert sind. In einer Phase, in der das IOC globale Reichweite und wirtschaftliche Tragfähigkeit stärker gewichtet, könnte dieser Unterschied entscheidend sein.
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Mögliche Veränderungen im Programm 2030
Eine endgültige Entscheidung über das Sportprogramm der Winterspiele 2030 wird bis Juni 2026 erwartet. Laut der französischen Zeitung Le Dauphiné erklärte der Präsident des Organisationskomitees der Französischen Alpen, Edgar Grospiron, dass Disziplinen wie Skibergsteigen, Geschwindigkeitsskifahren, Telemark, Varianten im Skilanglauf oder Cyclocross sowie Ice Cross als mögliche Ergänzungen geprüft werden könnten.
Für einige Verbände ist die Überprüfung ein formaler Prozess. Für andere könnte sie darüber entscheiden, ob ihre Athleten auch nach 2026 noch auf der olympischen Bühne vertreten sein werden.
Das IOC wurde um eine Stellungnahme gebeten.
Quellen: The Associated Press, ESPN, IOC, Le Dauphiné
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