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Gold, Politik und Gegenwind: Olympische Hockey-Helden wegen Trump-Besuch im Weißen Haus gespalten

Was als Feier eines historischen Olympiasiegs begann, entwickelte sich rasch zu einer politischen Debatte.

Laut The Denver Post und The Hockey News lud Präsident Donald Trump die frisch gekrönten Olympiasieger nach ihrem Goldmedaillengewinn bei den Winterspielen Milano Cortina 2026 nach Washington ein. In seiner Ansprache scherzte Trump darüber, auch das US-amerikanische Frauen-Hockeyteam einladen zu müssen, und sagte: "I do believe I probably would be impeached" falls er sie nicht ebenfalls einladen würde. Der Kommentar sorgte bei anwesenden Spielern der Herrenmannschaft für Gelächter, wurde online jedoch von Kritikern als "misogynistic disgusting a** joke" bezeichnet.

Die Reaktionen verschärften sich weiter, nachdem berichtet wurde, dass FBI-Direktor Kash Patel kurz nach dem Overtime-Tor von Jack Hughes, das den 2,1-Sieg gegen Kanada im Goldmedaillenspiel besiegelte, in der Umkleidekabine mit der Mannschaft gefeiert hatte.

Die Anwesenheit eines hochrangigen Bundesbeamten in der Kabine überraschte einige Beobachter und befeuerte die Diskussionen in den sozialen Medien, insbesondere vor dem Hintergrund der ohnehin aufgeheizten politischen Stimmung rund um den anschließenden Besuch im Weißen Haus. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Patel eine offizielle Rolle bei der Veranstaltung hatte, außer seine Glückwünsche zu überbringen, doch sein Auftreten verstärkte die Debatte über die Vermischung von Politik und Sport.

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Historischer Sieg trifft auf politische Kritik

Die Vereinigten Staaten gewannen ihre erste olympische Goldmedaille im Herren-Hockey seit 1980 und insgesamt erst die dritte nach den Erfolgen von 1960 und 1980. Brock Nelson hat eine persönliche Verbindung zu beiden früheren Siegerteams. Sein Onkel Dave Christian gehörte zur „Miracle on Ice“-Mannschaft von 1980, während sein Großvater Bill Christian und sein Großonkel Roger Christian Teil des Teams von 1960 waren.

Vor dem Spiel der Colorado Avalanche gegen den Utah Mammoth beschrieb Nelson im Gespräch mit The Denver Post das Erlebnis als unvergesslich.

"Unbelievable, hard to describe everything, the excitement and the emotions," sagte Nelson. "Just a great time. So many good stories. … It’s something I’ll remember forever. A great group of guys. To be a part of history is fun."

Er berichtete außerdem, dass er nach dem Sieg mit seinem Großvater per FaceTime gesprochen habe. "I FaceTimed him. He was emotional. It was a quick one. He was just at our winter house with some of my family. It was just super fun to see him, see his emotion and share that."

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Dennoch wurde die sportliche Euphorie rasch von der Diskussion über den Besuch im Weißen Haus überschattet.

Enger nhl-Spielplan erzwingt schwierige Entscheidungen

Mehrere Spieler erklärten, dass der Zeitpunkt der Einladung mit ihren Verpflichtungen in der NHL kollidierte.

Stürmer Kyle Connor kehrte nach Winnipeg zurück, um sich auf das Spiel der Jets gegen die Vancouver Canucks vorzubereiten. Er sagte: "It's a quick turnaround. I haven't been playing so I wanted to get a practice under me and be ready."

Auch Dallas-Stars-Torhüter Jake Oettinger entschied sich, Training und Familie zu priorisieren. Er sagte: "Getting invited to the White House is a tremendous honor. I’ve basically been living in Italy for a month. I wasn’t playing much.

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"I wanted to get back and get my game ready to go. I also have a 3-month-old baby at home that I’ve been traveling the world with, so that’s what went into that.

"I think those guys had a great time there [at the White House], but that’s why I didn’t go."

Familie und öffentliche Reaktionen im Fokus

Nelson erklärte gegenüber The Denver Post, dass familiäre Reiseplanungen und der dichte Spielkalender ausschlaggebend für seine Entscheidung waren.

"I think both of the men’s and women’s teams should be extremely prideful and proud of what they accomplished, winning gold. It’s a huge honor. And I think for the guys being invited to the White House, I heard the women’s team was invited to the White House as well, it’s everyone’s right to kind of choose if they wanted to go or not.

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"For me, it just didn’t work out schedule-wise. My family coming back, the schedule of our games , five in seven days. There’s a lot to be made about it, but no one actually knows the real truths with everything. Everyone is entitled to their own decisions. I would love to check out the White House. I think it’s an incredible honor. Everyone that’s an American, if you have that opportunity, it’s an incredible one. So kind of bummed that I missed it, but for me it just didn’t work out. I wanted to help my family get home and that was it."

Auf die Kritik der vergangenen Tage angesprochen, sagte Nelson: "Crazy, lots of noise and a whole lot of different things being said."

Auch Jake Guentzel von den Tampa Bay Lightning verwies auf Termin- und Erholungsgründe nach der Olympiapause. Er sagte: "It was just kind of a timing thing for me and my family. I was definitely not denying the request to go.

"It would obviously be a dream come true to go. I was fortunate to go in 2017 when Trump was in office.

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"Two weeks of Olympic break, just thought it would be a good idea to come home, rest and recover, and try to spend some time with my family before we get going."

Verteidiger Jackson LaCombe sagte gegenüber The Hockey News: "I love our country, and you know, I love whoever’s in office, so it was such an honor, but I just wanted to be back here for the game, and it was a tight window, so I couldn’t really make it work."

Entscheidung des Frauenteams rückt stärker in den Mittelpunkt

Während die Teilnahme bei den Männern gemischt ausfiel, lehnte das US-amerikanische Frauen-Hockeyteam die Einladung ab. Laut The Denver Post begründeten die Spielerinnen dies mit "timing and previously scheduled academic and professional commitments."

Die Diskussion reichte über Washington hinaus. Rapper Flavor Flav bot öffentlich an, eine Feier in Las Vegas für das Frauenteam und andere US-Medaillengewinnerinnen auszurichten, und rief dazu auf: "Support women's sports!"

Was eigentlich den Höhepunkt eines seltenen olympischen Triumphs markieren sollte, entwickelte sich so zu einem Brennpunkt, in dem Sport, Politik und persönliche Entscheidungen aufeinandertrafen und der zeigte, wie schnell nationale Erfolgsmomente unter intensiver öffentlicher Beobachtung stehen können.

Sources: The Denver Post, The Hockey News