FußballSportSports Politics

Wohlstandsunterschiede in der Premier League

Der englische Fußball hat immer noch das Geld, das weltweite Publikum und viele der größten Vereine der Welt. Aber diese Woche in der Champions League gab es auch noch etwas anderes: einen Realitätscheck.

Nach Jahren der Dominanz und der großen Erfolge in Europa sind mehrere Mannschaften der Premier League in den entscheidenden Momenten unterlegen gewesen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass finanzielle Stärke nicht mehr ausreicht, um gegen die stärksten Teams Europas erfolgreich zu sein.

Ein brutaler Realitätscheck in Europa

Das Ausscheiden von Manchester City brachte die Stimmung auf den Punkt. Wie Oliver Kay von The Athletic berichtet, schied die Mannschaft von Pep Guardiola zum dritten Mal in Folge gegen Real Madrid aus, diesmal mit einer 1:5-Niederlage in der Addition.

Am selben Abend musste Chelsea eine noch schwerere Niederlage einstecken: 8,2 in zwei Spielen gegen Paris Saint-Germain. Das Ausmaß dieser Niederlage machte deutlich, wie weit man davon entfernt ist, mit den Besten Europas mithalten zu können.

Lesen Sie auch: Hat Guardiola seine letzte große Chance in der Champions League verpasst?

Ein seltener Lichtblick war Arsenal, das problemlos in die nächste Runde einzog. Aber anderswo bleiben die Aussichten ungewiss. Liverpool liegt hinter Galatasaray zurück, Newcastle muss nach Barcelona reisen, und Tottenham versucht, sich von der schweren Hinspielniederlage gegen Atletico Madrid zu erholen.

Warum dies nicht nur für Fußballfans wichtig ist

Für Leser, die mit dem europäischen Fußball weniger vertraut sind, ist die Champions League der prestigeträchtigste Vereinswettbewerb des Sports. In ihr treffen die besten Mannschaften aus verschiedenen Ländern aufeinander. Sie ist der deutlichste Gradmesser dafür, welche Ligen und Vereine wirklich am stärksten sind.

Die englische Premier League gilt weithin als die reichste und wettbewerbsfähigste nationale Liga der Welt. Ihre Vereine geben durchweg mehr für Transfers und Gehälter aus als ihre Rivalen in Spanien, Deutschland oder Italien.

Aus diesem Grund sind diese Niederlagen so bemerkenswert. Wenn die reichste Liga gegen ihre Konkurrenten kämpft, wirft das Fragen darüber auf, wie Erfolg im Fußball eigentlich entsteht.

Lesen Sie auch: Analyse: Trump verwandelt die Fußballweltmeisterschaft in ein neues Patt mit dem Iran

Vertraute Ausreden, tiefere Sorgen

Dafür gibt es einige Erklärungen. Laut "The Athletic" werden die Überfüllung der Spielpläne und das Fehlen einer Winterpause seit langem als Nachteile für englische Vereine angesehen.

Liverpools Manager Arne Slot sagte: "Es ist nicht hilfreich für englische Vereine, keine Winterpause zu haben".

Doch dieses Argument ist nicht neu. Ähnliche Bedenken wurden in den frühen 2000er Jahren geäußert, als englische Mannschaften oft gegen taktisch raffiniertere Gegner aus Spanien und Italien unterlagen.

Mit anderen Worten: Das Problem kann über die Terminplanung hinausgehen.

Lesen Sie auch: Ronaldo verzögert seine Rückkehr nach Saudi-Arabien und bleibt mit seiner Familie in Madrid, weil er sich verletzt hat

Teams im Umbruch, nicht in Bestform

Ein genauerer Blick auf die beteiligten Vereine zeigt ein gemeinsames Thema: Instabilität.

Manchester City befindet sich nach Jahren der Dominanz im Wiederaufbau. Liverpool befindet sich ebenfalls im Umbruch und hat einen neuen Trainer. Chelsea investiert weiterhin viel, aber es fehlt der Zusammenhalt, während Newcastle und Tottenham mit der Ausgeglichenheit und Beständigkeit ihres Kaders zu kämpfen haben.

Wie Oliver Kay in The Athletic berichtet, hat sich die starke Defensivleistung im eigenen Land nicht auf Europa übertragen: City und Chelsea kassierten in ihren K.o.-Spielen zusammen 13 Gegentore.

Eine Veränderung der Spielweise

Ein weiterer Faktor könnte der Stil sein. Die Premier League ist in dieser Saison körperbetonter geworden, mit einer stärkeren Betonung von Spielzügen und direktem Spiel.

Lesen Sie auch: Drei VAR-Entscheidungen, die Arsenal im Titelkampf zugutegekommen sind

Mannschaften wie Paris Saint-Germain, Real Madrid und Bayern München setzen dagegen weiterhin auf technische Qualität, flüssige Angriffsbewegungen und taktische Kontrolle.

Dieser Kontrast hat sich auf dem Spielfeld gezeigt. Spieler wie Vinicius Junior und Khvicha Kvaratskhelia haben wiederholt Schwächen in der englischen Defensive aufgedeckt.

Arsenal setzt sich ab, aber es bleiben Fragen offen

Arsenal scheint die Ausnahme zu sein. Guardiola bezeichnete sie vor einem nationalen Pokalfinale sogar als "die beste Mannschaft in Europa".

Ein einzelner starker Kandidat ändert jedoch nichts am Gesamtbild.

Lesen Sie auch: Max Dowman gegen Wayne Rooney mit 16: Das Gehaltsgefälle ist erschreckend

Selbst wenn mehr englische Vereine das Viertelfinale erreichen, bleibt das Gefühl, dass sie nicht mehr den Maßstab setzen. Stattdessen laufen sie ihm hinterher.

Ein Warnzeichen für die Dominanz der Premier League

Das Fazit ist nicht, dass die Premier League schwach ist, das ist sie ganz sicher nicht. Ihre Finanzkraft und Tiefe sind nach wie vor unübertroffen.

Doch Erfolg in Europa erfordert mehr als nur Ressourcen. Er erfordert Stabilität, taktische Klarheit und Spieler, die im richtigen Moment ihre beste Leistung bringen.

Laut The Athletic sind derzeit zu viele englische Klubs in diesen Bereichen unterlegen.

Das ist zwar kein Zeichen für einen langfristigen Niedergang, aber es erinnert daran, dass die Dominanz im Fußball zyklisch ist und nie garantiert werden kann.


Quellen: The Athletic