Beth Dobbin hat im Jahr 2026 ihr Haus nur fünfmal verlassen. Im Sommer 2021 stand sie noch im olympischen 200-Meter-Halbfinale in Tokio.
Die inzwischen 32-jährige Sprinterin hat der BBC erzählt, wie Myalgische Enzephalomyelitis (ME) ihr Leben bestimmt.
„Es zerstört das Leben, ich kann es gar nicht in Worte fassen“, sagte sie.
„Ich habe meine Unabhängigkeit verloren, meine Gesundheit, die Fähigkeit zu arbeiten, die Fähigkeit, Sport zu treiben.“
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Die Krankheit kam im Winter 2021/22, als sich Dobbin nacheinander mit Covid und Pfeifferschem Drüsenfieber infizierte. Sie startete in der darauffolgenden Saison weiter. Sie lief bei den Weltmeisterschaften 2022 und den Europameisterschaften und holte mit der 4×400-Meter-Staffel Bronze bei den Commonwealth Games in Birmingham. Ihre körperliche Verfassung erholte sich nicht.
Ein schottischer Rekord, der eine Generation lang Bestand hatte
Im Juli 2019 war Dobbin 22,50 Sekunden über 200 Meter gelaufen und hatte Sandra Whittaker den schottischen Rekord abgenommen. Sie unterbot damit eine Bestmarke, die mehr als drei Jahrzehnte Bestand gehabt hatte. Der Rekord steht bis heute auf ihren Namen.
Im April 2026 beendete sie mit 31 Jahren ihre Karriere, in einer über Scottish Athletics veröffentlichten Abschiedsbotschaft, in der von einem „dreijährigen Kampf mit einem schwerwiegenden und lebensverändernden Gesundheitsproblem“ die Rede war. Den Namen der Erkrankung nannte sie damals nicht.
„Auf der einen Seite fühlt es sich an, als sei meine Karriere verkürzt worden, und es fühlt sich grausam an, nicht zu meinen eigenen Bedingungen aufhören zu können“, sagte sie in der Abschiedserklärung.
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Sie unterschied außerdem zwischen dem Umgang mit einer Verletzung und dem mit einer chronischen Krankheit. Bei einer Verletzung sei man von physiotherapeutischer Expertise umgeben, sagte sie; bei ihrer Krankheit sei es eine lange Suche nach Antworten und ein Behandeln nach dem Prinzip Versuch und Irrtum gewesen.
Eine Erkrankung, die jeden Vierten ans Haus oder ans Bett fesselt
ME ist eine chronische, schwankend verlaufende Erkrankung, gekennzeichnet durch schwere Erschöpfung nach Belastung, Schmerzen, gestörten Schlaf und kognitive Probleme. Es gibt keine Heilung.
Action for ME schätzt, dass rund 404.000 Menschen im Vereinigten Königreich mit ME oder ME/CFS leben und dass „jeder vierte Mensch mit ME so schwer betroffen ist, dass er ans Haus oder ans Bett gefesselt ist“. Dobbin gehört inzwischen zu diesem Viertel.
Selbst die kleinsten Erledigungen haben ihren Preis. Dobbin erzählte der BBC, sie habe eine Routine-Blutabnahme wahrgenommen und dabei gewusst, dass der Rückschlag bis ins Jahr 2027 reichen könne. Ein zu lang geratenes Gespräch, ein zu helles Licht oder ein zu lauter Ton kann genügen, um einen Crash auszulösen, der Tage, Wochen oder im schlimmsten Fall Monate anhält.
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Ihre Eltern Jim und Jean sowie ihre Schwester Faye sprachen mit der BBC ebenfalls über die Hilflosigkeit, sie von außen zu beobachten. Faye läuft den Yorkshire-Marathon, um Spenden für ME Research UK zu sammeln.
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