Der Elfmeter für Leicester rückt die 115 Anklagepunkte gegen Manchester City in den Fokus
Der Sechs-Punkte-Abzug gegen Leicester City ist zu mehr geworden als nur einer Strafe für einen einzelnen Klub. Er hat die Debatte darüber neu entfacht, wie der englische Fußball seine Finanzregeln durchsetzt, und zugleich den Fokus auf den weiterhin ungeklärten Fall um Manchester City verschärft.
Eine unabhängige Kommission entschied am Donnerstag, dass Leicester gegen die Ausgabenregeln der Premier League verstoßen hat, und verhängte eine Sanktion, die den Klub auf den 20. Platz der Championship zurückwarf. Leicester liegt nun nur aufgrund der Tordifferenz knapp über den Abstiegsrängen, während der Verein nach dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse in der vergangenen Saison um Stabilisierung bemüht ist.
In einer Stellungnahme erklärte der Klub, man sei von der Entscheidung „enttäuscht“ und werde sich Zeit nehmen, um die eigene Reaktion zu prüfen. Leicester argumentierte, dass die Kommission zwar das ursprünglich von der Premier League geforderte Strafmaß reduziert habe, das endgültige Ergebnis jedoch „weiterhin unverhältnismäßig“ sei und die während der Anhörung vorgebrachten mildernden Umstände nicht angemessen berücksichtigt habe.
Der City-Fall weiterhin ungeklärt
Die Entscheidung im Fall Leicester hat zwangsläufig auch die Aufmerksamkeit erneut auf Manchester City gelenkt, das von der Premier League bereits vor drei Jahren wegen 115 mutmaßlicher Verstöße gegen Finanzregeln aus dem Zeitraum von 2009 bis 2018 angeklagt wurde. Trotz der Schwere der Vorwürfe liegt bislang kein Urteil vor.
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Der Fußballfinanzexperte Kieran Maguire erklärte, die Dauer des Verfahrens spiegele den beispiellosen Umfang der Anschuldigungen wider. Gegenüber dem Mirror sagte er, jeder einzelne mutmaßliche Verstoß erfordere eine entsprechende Verteidigung, was zu enormen Mengen an Beweismaterial führe. Selbst vergleichsweise überschaubare Fälle wie jene von Everton und Nottingham Forest hätten während ihrer Anhörungen Zehntausende von Dokumenten hervorgebracht.
Schwere Vorwürfe und ein langsames Verfahren
Maguire wies darauf hin, dass die Vorwürfe gegen City deutlich gravierender seien als in jüngsten Fällen. Dazu gehörten Behauptungen, wonach Gelder aus dem Umfeld der Eigentümer als Sponsoringeinnahmen verschleiert worden seien – ein Vorwurf, der seiner Ansicht nach faktisch mit Betrug vergleichbar sei.
Angesichts der Schwere solcher Anschuldigungen müssten den Kommissionen überwältigende Beweise vorgelegt werden, bevor sie zu Schlussfolgerungen gelangen könnten, so Maguire. Zudem verwies er auf praktische Verzögerungen: Die Mitglieder der Kommissionen seien keine Vollzeitermittler und könnten sich aufgrund anderer beruflicher Verpflichtungen nur unregelmäßig treffen.
Welche Strafe ist wahrscheinlich?
Die Spekulationen über mögliche Sanktionen reichten weit, wobei einige sogar vorschlugen, City könne vollständig aus der Football League ausgeschlossen werden. Maguire wies solche Szenarien zurück und argumentierte, dass jüngere Präzedenzfälle eine klarere Orientierung böten.
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In Fällen, in denen festgestellt wurde, dass Klubs durch finanzielle Verfehlungen einen sportlichen Vorteil erlangt hatten, verhängten die Kommissionen Punkteabzüge statt struktureller Ausschlüsse. „Die Vorwürfe gegen Man City erstrecken sich über einen Zeitraum von neun Jahren“, sagte Maguire dem Mirror und deutete an, dass eine mögliche Strafe – falls die Schuld festgestellt werde – die jüngsten Sanktionen deutlich übersteigen und „40 bis 60 Punkte“ oder mehr betragen könnte.
Grenzen der Befugnisse der Premier League
Maguire hob zudem die strukturellen Grenzen innerhalb der englischen Fußball-Governance hervor. Zwar könne die Premier League sportliche Sanktionen verhängen, sie könne jedoch keine Entscheidungen innerhalb der English Football League diktieren.
Eine Bestrafung müsste daher in Form von Punkteabzügen erfolgen – selbst dann, wenn diese zu einem Abstieg führten. In einem solchen Fall wäre die EFL verpflichtet, City gemäß den geltenden Regeln in ihren Wettbewerb aufzunehmen.
Vorerst liefert der Fall Leicester ein greifbares Beispiel für die Durchsetzung der Finanzregeln, macht jedoch zugleich deutlich, wie viel Unsicherheit die komplexeste und am genauesten beobachtete Untersuchung im englischen Fußball weiterhin umgibt.
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Quellen: Mirror, Stellungnahmen von Leicester City.
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