Die All Blacks entlassen Robertson mitten im Weltmeisterschaftszyklus
Der neuseeländische Rugbyverband hat sich für einen seltenen Neustart mitten im Zyklus entschieden und die Amtszeit von Scott Robertson als Cheftrainer der All Blacks beendet, nachdem eine interne Überprüfung ergeben hatte, dass mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2027 ein Wechsel notwendig sei.
Dieser Schritt, ungewöhnlich in einem System, das traditionell Trainer über komplette Turnierzyklen hinweg unterstützt, hat im internationalen Rugby für erhebliches Aufsehen gesorgt.
Nicht ein einzelnes Ergebnis war ausschlaggebend, sondern eine umfassendere Bewertung von Leistung und Teamkultur führte zur Entscheidung der NZR.
Robertson, 51, stand zunehmend unter Druck – Berichte über angespannte Beziehungen zwischen Führungsspielern und dem Trainerstab mehrten sich. Diese Spannungen führten zu einer offiziellen Überprüfung, die letztlich zu seiner Entlassung führte – trotz eines laufenden Vertrags bis zur WM in Australien.
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Ergebnisse erzählten nur einen Teil der Geschichte
Robertson hatte das Amt nach der Weltmeisterschaft 2023 übernommen und trat damit die Nachfolge von Ian Foster in einer Übergangsphase an. Mehrere erfahrene Spieler beendeten ihre Karrieren oder wechselten ins Ausland, wodurch ein weniger erfahrener Kern übrig blieb, um das Team neu aufzubauen.
Auf dem Papier war die Bilanz solide: Laut BBC Sport gewannen die All Blacks in der Saison 2025 zehn ihrer dreizehn Testspiele. Doch die Ergebnisse allein waren nicht das Problem Niederlagen hatten ein besonderes Gewicht, sowohl hinsichtlich ihrer Art als auch ihrer historischen Bedeutung.
Auf eine Auswärtsniederlage gegen Argentinien folgte eine 43:10-Pleite gegen Südafrika im Rugby Championship in Wellington – die höchste Heimniederlage in der Geschichte Neuseelands. Englands 33:19-Sieg im November in Twickenham – erst der neunte Erfolg gegen die All Blacks in 120 Jahren – verstärkte die Sorge um nachlassende Leistungen.
Robertson akzeptiert die Entscheidung
In einer Erklärung des neuseeländischen Rugbyverbands zeigte sich Robertson „am Boden zerstört“ über die Entscheidung, akzeptierte aber, dass sein Rückzug „im besten Interesse“ des Teams sei.
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„Die All Blacks zu trainieren war die größte Ehre meines Lebens“, sagte er.
„Ich bin unglaublich stolz auf das, was dieses Team erreicht hat, und auf die Fortschritte, die wir gemacht haben. Wir haben eine talentierte Gruppe junger Spieler eingebunden, die Tiefe des Kaders gestärkt und ein stabiles Fundament für die kommenden Jahre gelegt.“
NZR blickt auf ein anspruchsvolles Jahr
NZR-Präsident David Kirk dankte Robertson für seine Leistungen und erklärte, dieser habe stets das Wohl der All Blacks in den Vordergrund gestellt und sich bereit erklärt, „das Schwierige, aber Richtige zu tun“, indem er zurücktrat.
Kirk betonte, dass die Mitte des WM-Zyklus der richtige Moment sei, um „den Fortschritt umfassend zu überprüfen“ – insbesondere mit Blick auf einen äußerst fordernden Spielplan im Jahr 2026.
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Dieser umfasst Heimspiele gegen Frankreich, Italien und Irland, eine erweiterte Tour durch Südafrika, Bledisloe-Cup-Begegnungen mit Australien sowie eine Europa-Tour zum Jahresende mit Partien gegen Schottland, Wales und England.
Erschütterung und Nachfolgeplanung
Laut einer Analyse von BBC-Rugby-Union-Korrespondent Chris Jones wird diese Entscheidung „Erschütterungen“ im Sport auslösen. Jones wies darauf hin, dass Robertson – trotz seines Erfolgs mit den Crusaders auf nationaler Ebene – Schwierigkeiten hatte, seine Vision auf Länderspielebene vollständig durchzusetzen und durch Instabilität im Trainerstab geschwächt wurde.
Er ergänzte, dass Jamie Joseph, Cheftrainer der Highlanders, der bereits im neuseeländischen System eingebunden ist und über internationale Erfahrung verfügt, weithin als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gilt.
Quellen: BBC Sport
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