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Max Verstappen könnte 2027 60 Millionen Pfund fürs Nichtfahren erhalten: Was, wenn er 2028 nicht zurückkehrt?

Die Idee an sich ist bemerkenswert, doch das eigentliche Gewicht der Geschichte liegt in der Unsicherheit dahinter. Ein bezahltes Sabbatjahr mag wie ein kluger Kompromiss wirken, wenn Verstappen Abstand von der Formel 1 gewinnen will, ohne sofort anderswo zu unterschreiben. Gleichzeitig könnte ihm genau diese Pause die Zeit und Freiheit geben, festzustellen, dass er überhaupt nicht mehr zurückkehren möchte.

Eine Auszeit für 60 Millionen Pfund könnte Red Bulls teuerstes Risiko werden

The Telegraph, auf den sich Archers Bericht bezieht, schreibt, dass Red Bull Verstappen 2027 eine Auszeit ermöglichen und ihm dabei weiterhin sein angeblich 60 Millionen Pfund schweres Jahresgehalt zahlen könnte. Aus Sicht von Red Bull wäre das ein drastischer Versuch, eine klarere und schmerzhaftere Trennung zu vermeiden. Falls das Team glaubt, dass Verstappen ernsthaft über einen Rückzug nachdenkt, könnte es sicherer erscheinen, ihn vertraglich in Reichweite zu halten, statt ihn dauerhaft zu verlieren oder zu einem direkten Rivalen ziehen zu lassen.

Doch diese Strategie funktioniert nur dann, wenn die Pause tatsächlich wieder zu Red Bull zurückführt. Andernfalls würde das Team letztlich nicht für Stabilität, sondern für Unsicherheit bezahlen. Ein Jahr außerhalb der Formel 1 könnte die Verbindung auf dem Papier aufrechterhalten, gleichzeitig aber die tatsächliche Bindung zwischen Fahrer und Team schwächen, besonders dann, wenn sich Verstappen außerhalb der Serie wohler fühlt als in ihr.

Die größere Gefahr ist nicht 2027, sondern auch 2028 zu verlieren

Genau das verleiht der Geschichte ihre eigentliche Schärfe. Eine verpasste Saison wäre bereits bedeutend, sie ließe sich jedoch verkraften, wenn Red Bull darauf vertrauen könnte, dass Verstappen erholt und voll entschlossen zurückkehrt. Die tiefere Sorge ist, dass aus einer Pause schleichend ein Abschied wird, vor allem dann, wenn die Ursachen seiner Frustration während der Auszeit nicht verschwinden.

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Archers Bericht beschreibt Verstappens Unzufriedenheit als eng verbunden mit den Regeln ab 2026, insbesondere mit der größeren Rolle der Batterieleistung in der neuen Motorenformel. Falls diese Abneigung nicht nur vorübergehend ist, könnte ein Sabbatjahr mehr tun, als nur etwas Luft zu verschaffen. Es könnte Verstappen vielmehr bestätigen, dass ihm andere Rennserien oder sogar ein anderer Karriereweg mehr zusagen als ein weiteres Kapitel in einer Formel 1, die ihm keinen echten Spaß mehr macht.

Die Ausstiegsklausel macht Red Bulls Lage noch anfälliger

Der Bericht erwähnt zudem, dass Verstappen zwischen August und Oktober ein Zeitfenster für einen Ausstieg haben könnte, falls er in der Fahrerwertung zur Sommerpause nur Dritter oder schlechter ist. Das ist deshalb wichtig, weil Red Bulls Form zu Beginn der Saison 2026 dieses Szenario realistischer erscheinen lässt, als man es früher erwartet hätte. In diesem Zusammenhang schaden schwache Resultate nicht nur dem sportlichen Momentum, sie erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit eines echten vertraglichen Bruchs.

Selbst wenn es Red Bull gelingt, die Situation eher in Richtung Sabbatjahr als in Richtung sofortigen Abschieds zu lenken, bleibt das Grundproblem bestehen. Das Team müsste Verstappen weiterhin davon überzeugen, dass seine langfristige Richtung Vertrauen verdient. Ein bezahltes Jahr Pause löst dieses Problem nicht von allein. Es verschiebt lediglich den Moment, in dem Red Bull beweisen muss, dass es ihm noch immer das Gesamtpaket bieten kann, das er will.

Rennen in anderen Serien könnten eine Rückkehr weniger notwendig erscheinen lassen

Archer verweist außerdem auf die Möglichkeit, dass Verstappen andere Rennkategorien fahren könnte, sollte er sich aus der Formel 1 zurückziehen. Der Bericht erinnert daran, dass Red Bull ihm bereits den Start beim Nürburgring 24 Stunden Rennen erlaubt hat, und deutet an, dass weitere Einsätze, darunter Langstreckenrennen und GT Wettbewerbe, während einer Pause von der Königsklasse Teil des Bildes werden könnten.

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Das ist wichtig, weil eine Auszeit viel schwerer rückgängig zu machen ist, wenn der Fahrer nicht einfach nur pausiert, sondern aktiv Gefallen an etwas anderem findet. Sollte Verstappen 2027 Rennen bestreiten, die sich für ihn erfüllender oder natürlicher anfühlen, könnte Red Bull feststellen, dass die Pause, die eine spätere Wiedervereinigung sichern sollte, ihm in Wahrheit den Weg in eine Zukunft außerhalb der Formel 1 ebnet. In diesem Fall würde das Team nicht nur eine vorübergehende Unterbrechung verwalten, sondern zusehen, wie sein Einfluss Schritt für Schritt schwindet.

Warum Red Bull trotzdem keine Rückkehr garantieren könnte

Selbst im optimistischsten Szenario müsste Red Bull im Jahr 2027 noch immer eine überzeugende Geschichte erzählen. Das Team müsste zeigen, dass es unter den neuen Regeln wieder konkurrenzfähig sein kann, dass seine langfristige Perspektive attraktiv bleibt und dass eine Rückkehr im Jahr 2028 Verstappen etwas bieten würde, das eine Rückkehr wirklich wert ist. Ohne das wäre das Geld nur ein Nebenaspekt.

Deshalb ist die Frage in der Überschrift wichtiger als die Summe selbst. 60 Millionen Pfund sind enorm, doch entscheidender ist, ob Red Bull dieses Geld für eine Brücke zurück zu Verstappen zahlen würde oder für die erste Phase eines endgültigen Abschieds. Gelingt es dem Team nicht, Vertrauen, Leistung und ein klares sportliches Ziel wiederherzustellen, könnte ein bezahltes Sabbatjahr am Ende weniger wie ein cleverer Schachzug zur Bindung des Fahrers wirken und mehr wie ein sehr teurer Weg, das Unvermeidliche nur hinauszuzögern.

Quellen: Kyle Archer, The Telegraph

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