Ruben Amorim hat sich selbst die Schuld zu geben, nachdem schlechte Ergebnisse sein Engagement bei Manchester United beendet haben
Manchester United behauptet, dass die Entlassung von Ruben Amorim durch die sportlichen Ergebnisse begründet war. Doch Personen, die dem Entscheidungsprozess nahestehen, sagen, dass seine öffentliche Infragestellung der Klubführung das Ende beschleunigte – ein Ende, das sich bereits seit Wochen abgezeichnet hatte.
Der portugiesische Trainer wurde nach nur 14 Monaten im Amt entlassen, nachdem es laut einem Bericht von GOAL.com intern zunehmend Spannungen über Entscheidungsbefugnisse und Kommunikation gegeben hatte.
Spannungen in der Führungsebene treten zutage
Amorims letzte Pressekonferenz nach dem Unentschieden gegen Leeds brachte diese Spannungen ans Licht. Auf die Frage, ob er noch das Vertrauen des Vorstands spüre, zog er eine klare Grenze zwischen seiner Vorstellung des Jobs und der Struktur, die er bei Manchester United vorfand.
„Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein, nicht nur Trainer von Manchester United“, sagte Amorim – und machte damit deutlich, dass er sich Einfluss über das Training und die Spieltage hinaus erwartet hatte.
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Er unterstrich diesen Punkt wenig später nochmals: „In jeder Abteilung – die Scouting-Abteilung, der Sportdirektor muss seinen Job machen, ich mache meinen für 18 Monate und dann geht es weiter.“
Intern wurden diese Äußerungen als direkte Kritik am sportlichen Modell von United und der Rolle von Sportdirektor Jason Wilcox gewertet.
Die Reaktion innerhalb des Vereins ließ nicht lange auf sich warten.
Der kurze Weg zur Entlassung
Am Montagmorgen war Amorim bereits freigestellt worden. Klubnahe Quellen erklärten gegenüber GOAL.com, dass es kein offizielles Ultimatum gegeben habe, man jedoch eine zunehmend unüberbrückbare Kluft zwischen dem Trainer und der Klubführung erkannt habe.
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Taktische Differenzen spiegelten diese Spannungen wider. Amorims beinahe dogmatische Festhaltung am 3-4-2-1-System frustrierte die Vereinsführung, die sich mehr Flexibilität wünschte – insbesondere, als die Ergebnisse ausblieben. Ähnliche öffentliche Zerwürfnisse bei Chelsea und Nottingham Forest in den letzten Jahren zeigen, wie selten Trainer überleben, nachdem sie die Strukturen ihrer Klubs offen kritisiert haben.
Ergebnisse bieten wenig Verteidigung
Die Verantwortlichen bei United argumentieren, dass allein die Zahlen die Entscheidung unausweichlich machten. Amorim gewann 24 seiner 63 Spiele – eine Siegquote von 38,7 %, die niedrigste des Klubs seit den frühen 1970er-Jahren.
Diese Bilanz kam trotz umfangreicher Unterstützung zustande: United investierte im vergangenen Sommer 216 Millionen Pfund, um den Kader nach Amorims Vorstellungen umzugestalten. Zudem bot der Verzicht auf europäische Wettbewerbe zusätzliche Vorbereitungszeit und verringerte die physische Belastung. Doch keiner dieser Vorteile führte zu nachhaltiger Verbesserung.
Die Leistungen in der Liga blieben unbeständig, das frühe Aus in den Pokalwettbewerben setzte zusätzliche Fragezeichen, und die Mannschaft fand nie zu konstanter Form.
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Spannungen in der Kabine
Die Sorgen beschränkten sich nicht auf Taktik oder Ergebnisse. Amorims öffentliche Aussagen sorgten zunehmend für Unruhe unter den Spielern – insbesondere, nachdem er das Team als „vielleicht die schlechteste Mannschaft in der Geschichte von Manchester United“ bezeichnete und gezielte Kommentare über Marcus Rashford machte.
Christian Eriksen räumte später die Wirkung dieser Vorgehensweise ein: „Ich glaube nicht, dass das den Spielern geholfen hat“, sagte er. „Einige Dinge sollte man intern sagen – es ist nicht besonders klug, sie öffentlich zu machen.“
Mehrere Spieler fühlten sich dadurch bloßgestellt statt geschützt, wie aus dem Mannschaftsumfeld zu hören war.
Was das signalisiert
Monatelang wurde Amorim von der Klubführung gegen wachsende Kritik abgeschirmt. Doch nachdem das Vertrauensverhältnis öffentlich zerbrach, wurde seine Position zunehmend unhaltbar.
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United mag die Entscheidung mit den sportlichen Leistungen begründen – intern jedoch wird der Vorfall als Warnsignal gesehen. Autorität, Kommunikation und Vertrauen stehen nun gleichberechtigt mit den Ergebnissen auf der Liste der nicht verhandelbaren Faktoren im Klub.
Der Abgang Amorims, so sagen Personen, die dem Prozess nahestehen, drehte sich letztlich nicht nur um das, was auf dem Platz geschah – sondern um die Frage, wer bei Manchester United das letzte Wort hat.
Quellen: GOAL.com
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