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Spanische Fußballorganisation massiv unter Druck: Fifa eröffnet Verfahren nach anti muslimischen Gesängen

Ein Testspiel, das schnell aus dem Ruder lief

Nach Angaben von BBC Sport und Tom Rostance hat Fifa gegen den spanischen Fußballverband RFEF ein Disziplinarverfahren eröffnet. Auslöser sind Gesänge während des Freundschaftsspiels zwischen Spanien und Ägypten im RCDE Stadium in Barcelona. Sportlich blieb die Partie mit einem 0,0 blass, doch schon während des Spiels verlagerte sich die Aufmerksamkeit von dem Geschehen auf dem Platz auf das, was von den Rängen zu hören war.

Im Stadion wurde eine Warnung auf den Bildschirmen eingeblendet, mit der die Zuschauer aufgefordert wurden, keine fremdenfeindlichen Äußerungen oder Gesänge anzustimmen. Wie in dem Bericht von BBC Sport beschrieben wird, reagierten Teile des Publikums mit Pfiffen, als diese Nachricht zu Beginn der zweiten Halbzeit noch einmal gezeigt wurde. Spätestens da war klar, dass der Abend nicht als gewöhnliches Länderspiel in Erinnerung bleiben würde.

Klare Reaktionen aus dem spanischen Lager

Der spanische Verband verurteilte die anti muslimischen Gesänge im Anschluss deutlich. Nationaltrainer Luis de la Fuente sprach laut dem Bericht von BBC Sport von einem „unerträglichen“ Vorfall und sagte, gewaltbereite Menschen nutzten den Fußball, um sich Raum zu verschaffen.

Diese Reaktion ließ wenig Interpretationsspielraum. Trotzdem ist eine öffentliche Verurteilung etwas anderes als ein offizielles Verfahren durch Fifa. Mit der Einleitung des Disziplinarverfahrens ist der Fall nun auf internationaler Ebene angekommen, und damit stellt sich nicht nur die Frage, was genau im Stadion passiert ist, sondern auch, wie die Verantwortlichen darauf reagiert haben.

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Auch aus Ägypten kam deutliche Kritik

Der ägyptische Fußballverband bezeichnete die Gesänge als abstoßenden rassistischen Vorfall. Wie BBC Sport weiter berichtet, betonte der Verband zugleich, dass das Verhalten einer kleinen Gruppe von Zuschauern die engen Beziehungen zwischen den beiden Verbänden nicht beschädigen werde.

Damit war der Ton auf beiden Seiten ähnlich, klare Verurteilung des Vorfalls, aber zugleich der Versuch, die sportlichen und institutionellen Beziehungen nicht dauerhaft zu belasten. Gerade das zeigt, wie sensibel der Fall ist. Es geht nicht nur um Fehlverhalten auf den Rängen, sondern auch um die Frage, wie Nationalverbände mit solchen Momenten öffentlich umgehen.

Der Fall liegt inzwischen auch bei der Polizei

Neben Fifa befassen sich inzwischen auch die spanischen Behörden mit dem Vorfall. Laut der Berichterstattung von BBC Sport wurde in Spanien bereits vergangene Woche eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet.

Das verschärft die Lage für den Verband zusätzlich. Aus einem unschönen Zwischenfall bei einem Freundschaftsspiel ist damit ein Vorgang geworden, der sportrechtliche und rechtliche Folgen haben kann. Solche Fälle verschwinden in der Regel nicht nach ein paar Tagen aus den Schlagzeilen, vor allem dann nicht, wenn Diskriminierung und öffentliche Sicherheit zugleich eine Rolle spielen.

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Für Spanien ist das mehr als nur ein schlechter Abend

Dass das Spiel 0,0 endete und Spanien danach die Spitzenposition in der Weltrangliste verlor, geriet schnell in den Hintergrund. Der eigentliche Nachhall dieses Abends hat nichts mit Taktik, Chancen oder Formkurven zu tun, sondern mit dem Bild, das von diesem Länderspiel geblieben ist.

Für Spanien ist das besonders unangenehm, weil das Land zu den Gastgebern der WM 2030 gehört. Gerade in so einer Phase wird genau darauf geschaut, wie mit diskriminierendem Verhalten in Stadien umgegangen wird. Der Fall von Barcelona dürfte deshalb nicht nur intern aufgearbeitet werden, sondern auch darüber hinaus Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der Druck auf Verband und Veranstalter wächst

Jetzt richtet sich der Blick darauf, wie Fifa den Fall bewertet und ob der spanische Verband mit Konsequenzen rechnen muss. Ebenso wichtig ist aber, welche Lehren aus dem Abend gezogen werden. Die Vorkommnisse in Barcelona haben gezeigt, dass Warnhinweise allein nicht reichen, wenn die Stimmung im Stadion bereits gekippt ist.

Damit steht weniger das Ergebnis des Spiels im Mittelpunkt als die Frage, wie konsequent der Fußball auf solche Vorfälle reagiert. Genau daran wird sich messen lassen, ob dieser Abend nur verurteilt oder tatsächlich zum Anlass für spürbare Konsequenzen genommen wird.

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Quellen: BBC Sport, Tom Rostance

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