Fußball

Trump, Iran und die Weltmeisterschaft: Wer entscheidet, wer 2026 spielt?

Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen im Vorfeld der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 tauchen erneut Fragen auf, ob internationale Konflikte auf das größte Fußballturnier der Welt übergreifen könnten und wie viel tatsächliche Autorität die Vereinigten Staaten als Gastgebernation besitzen.

Das Turnier, das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen werden soll, beginnt in etwas mehr als vier Monaten. Während die Vorbereitungen für das auf 48 Teams erweiterte Event weiterlaufen, haben jüngste politische Entscheidungen der USA die Diskussion über das Verhältnis zwischen globaler Politik und Sport neu entfacht.

Wer kontrolliert eigentlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft?

Trotz weitverbreiteter Spekulationen sagen Experten für Fußball-Governance, dass die USA keine Befugnis haben, ein qualifiziertes Land eigenständig von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft auszuschließen.

Nach den FIFA-eigenen Regeln und dem organisatorischen Rahmen hat der Weltverband die endgültige Entscheidungsgewalt über Fragen von Wettbewerb und Teilnahme, sobald ein Gastgebervertrag besteht. Dies ist in den FIFA-Statuten und in den Richtlinien zur Turnierorganisation festgelegt.

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Professor Simon Chadwick, Experte für Geopolitik und Sport sowie Leiter der Beratungsfirma GeoSport und früherer Berater verschiedener Organisationen bei FIFA-Großveranstaltungen, erklärte gegenüber SPORTbible, dass Gastgeberländer keine einseitige Entscheidungsbefugnis besitzen.

„Sobald sich ein Land verpflichtet, ein FIFA-Turnier auszurichten, gibt es einen Punkt, an dem die Gastgeberrolle zurücktritt und die FIFA die Kontrolle über das Turnier übernimmt. Letztlich ist es also eine FIFA-Entscheidung“, sagte Chadwick.

Warum der Iran im Fokus steht

Der Iran, der sich bereits für die Weltmeisterschaft 2026 qualifiziert hat, ist inmitten wachsender Spannungen mit Washington in den Mittelpunkt der Debatte gerückt.

Laut Reuters kündigte die Trump-Regierung an, die Bearbeitung von Einwanderungsvisa für Bürger aus 75 Ländern darunter auch dem Iran im Rahmen einer umfassenderen Änderung der Einwanderungspolitik auszusetzen.

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Berichte über das Visa-Moratorium wiesen jedoch darauf hin, dass Touristen- und Kurzzeitvisa die Art von Visa, die die meisten Fans und Teams benötigen würden in der Regel nicht betroffen sind. Time berichtete, dass die Trump-Regierung erklärte, die Maßnahme solle sicherstellen, dass Einwanderer nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen seien, und verwies dabei ausdrücklich auf Länder wie den Iran.

Gleichzeitig erlebt der Iran eine Phase weitverbreiteter Unruhen. Laut Amnesty International haben iranische Behörden mit rechtswidriger und tödlicher Gewalt auf Massenproteste reagiert und dabei unter anderem Schusswaffen gegen überwiegend friedliche Demonstrierende eingesetzt.

Auch Human Rights Watch dokumentierte eine gewaltsame Niederschlagung landesweiter Proteste durch Sicherheitskräfte, darunter Massenverhaftungen und der Einsatz tödlicher Gewalt.

Berichte von France 24 zufolge gab es im Zuge der Repressionen über 6.000 Todesopfer und zehntausende Festnahmen.

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Könnte politischer Druck zum Ausschluss führen?

Vor diesem Hintergrund erklärte Chadwick, es sei denkbar, dass Washington versuchen könnte, politischen Druck auszuüben, um den Iran vom Turnier auszuschließen betonte jedoch, dass ein solches Szenario rechtlich, diplomatisch und wirtschaftlich äußerst komplex wäre.

„Was wir stattdessen sehen könnten, ist, dass die USA den Ausschluss Irans von der Weltmeisterschaft fordern“, sagte er in Bezug auf die Berichterstattung zur Protestgewalt.

Gleichzeitig wies Chadwick Spekulationen zurück, die FIFA könne den USA die Gastgeberrolle entziehen, und bezeichnete dieses Szenario angesichts der Dimension des Turniers und der bereits bestehenden finanziellen Verpflichtungen als unrealistisch.

Er warnte außerdem, dass sich die Problematik schnell ausweiten könne, sobald politische Erwägungen ins Spiel kämen. Laut Reuters seien in den vergangenen Monaten auch andere Länder etwa Kolumbien diplomatischem Druck oder Drohungen seitens der USA ausgesetzt gewesen, was Fragen nach Präzedenzfällen und Konsequenz aufwerfe.

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Die Rolle der FIFA und wie es weitergeht

Die FIFA hat stets betont, dass sie Entscheidungen dieser Tragweite nicht isoliert trifft. Der Verband konsultiert bei der Risikobewertung großer Turniere Regierungen, Sicherheitsbehörden, Wirtschaftspartner und Rundfunkanstalten.

Laut Chadwick seien diese Konsultationen zentral für jede Entscheidung über Teilnahme oder Ausschluss eines Landes.

„Sie sind vor Ort, kümmern sich um Sicherheit, Sponsoren, Medien und Übertragungen. All das fließt in die Entscheidungsfindung ein“, sagte er.

Bislang hat die FIFA nicht angedeutet, dass der Iran, Kolumbien oder ein anderes qualifiziertes Land vom Turnier 2026 ausgeschlossen werden könnte.

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Quellen: Reuters, TIME, Amnesty International, Human Rights Watch, France 24

Oliver Obel

Ich bin ein leidenschaftlicher Sport-Content-Creator mit klarem Fokus auf Fußball. Für LenteDesportiva verfasse ich hochwertige Inhalte, die informieren, unterhalten und eine starke Verbindung zu Fußballfans auf der ganzen Welt schaffen. Meine Arbeit dreht sich um Spieler-Rankings, Transferanalysen und tiefgehende Reportagen, die den modernen Fußball beleuchten. Ich verbinde ein ausgeprägtes redaktionelles Gespür mit einem tiefen Verständnis für die Entwicklung des Spiels – immer mit dem Anspruch, Inhalte zu liefern, die sowohl Einsicht als auch Emotion vermitteln.