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Vogelkot und Winterjacken: Top Badmintonspieler ziehen sich von den India Open zurück

Deutliche Worte nach Auftaktsieg

Ein eigentlich routinemäßiges Interview nach dem Spiel hat bei den India Open in Neu Delhi eine größere Kontroverse ausgelöst. Nach ihrem Sieg in der ersten Runde des Super 750 Turniers sprach die dänische Badmintonspielerin Mia Blichfeldt offen über die Bedingungen rund um das Turnier.

Laut Press Trust of India, der größten Nachrichtenagentur des Landes, wurde Blichfeldt auf den Wechsel von der K D Jadhav Indoor Hall in das Indira Gandhi Indoor Stadium angesprochen, das später in diesem Jahr die Weltmeisterschaften ausrichten soll. Ihre Antwort sorgte für Aufmerksamkeit.

„Ich hatte eigentlich gehofft, dass es besser sein würde als in der anderen Halle. Ich finde, es ist immer noch sehr schmutzig und wirklich ungesunde Bedingungen für alle Spieler“, sagte Blichfeldt laut Press Trust of India.

Ihre Aussagen wurden rasch von zahlreichen indischen Medien aufgegriffen. Laut The Indian Express, India Today, NDTV Sports und Hindustan Times stellten mehrere große Zeitungen insbesondere die Bedenken hinsichtlich Sauberkeit und Gesundheit in den Vordergrund.

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Trainingshallen im Fokus der Kritik

Blichfeldt präzisierte ihre Kritik später und verwies vor allem auf die Trainingsbedingungen, nicht auf die eigentliche Wettkampfhalle. Laut TV 2 Sport beschrieb sie die Situation im nahegelegenen K D Jadhav Stadium als kalt und klamm, dort bereiten sich die Spieler auf ihre Matches vor.

„Alle Spieler wärmen sich mit zwei Lagen Hosen sowie Winterjacken, Handschuhen und Mützen auf“, sagte sie laut TV 2 Sport. Für Athleten, die kurz darauf schnelle und explosive Bewegungen ausführen müssen, seien dies keine idealen Voraussetzungen.

Zudem äußerte sie hygienische Bedenken. Nach Angaben von TV 2 Sport berichtete Blichfeldt von Vögeln, die in der Halle umherflogen und Kot auf den Spielfeldern hinterließen. Sie bezeichnete diese Umstände als ungesund und für den Spitzensport ungewöhnlich.

Gleichzeitig betonte sie, dass die lokalen Organisatoren offenbar bemüht seien, die Situation zu verbessern. Dennoch forderte sie den Badminton-Weltverband BWF auf, genauer hinzuschauen, um Verletzungen und Erkrankungen der Spieler zu vermeiden.

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Verbandsvertreter weisen Kritik zurück

Die öffentliche Aufmerksamkeit rief auch die indischen Verbandsverantwortlichen auf den Plan. Laut Press Trust of India erklärte Sanjay Mishra, Generalsekretär des Badmintonverbandes von Indien, die Aussagen Blichfeldts seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Er betonte, dass sich ihre Kritik auf die Trainingshalle bezogen habe, nicht auf die Wettkampfarena, die seiner Darstellung nach sauber und gut gepflegt sei. Mishra ergänzte, Blichfeldt habe ihre persönliche Perspektive geschildert, auch im Zusammenhang mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Staub und Umweltfaktoren. Andere Spieler hätten sich hingegen zufrieden über die Bedingungen geäußert.

Temperaturregeln und wachsende Sorgen um Spielerschutz

Diese Darstellung wird jedoch infrage gestellt. Laut TV 2 Sport berichten mehrere Quellen, dass auch die Wettkampfhalle selbst kalt und feucht gewesen sei. Der Sender meldete Temperaturen von teils nur sechs Grad Celsius, deutlich unter den Vorgaben des BWF. Nach dem Regelwerk sollen Hallentemperaturen zwischen 18 und 30 Grad liegen.

Nach Angaben von TV 2 Sport haben sich auch weitere Spieler und Trainer kritisch geäußert. Die Debatte reiht sich damit in eine länger bestehende Diskussion über die Bedingungen bei internationalen Turnieren in Indien und die Verantwortung der Dachverbände ein, Mindeststandards konsequent durchzusetzen.

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Experte sieht seit Jahren ungelöste Probleme

Die aktuellen Vorwürfe sind nach Ansicht von Joachim Fischer, ehemaliger Spitzenspieler und heutiger Badminton-Experte, keineswegs neu. Laut TV 2 Sport bestätigen sie vielmehr Probleme, die den Sport seit Jahren begleiten.

Im Gespräch mit TV 2 Sport verwies Fischer auf Bilder aus dem Super 300 Turnier Syed Modi in Indien, die auf sozialen Medien kursierten. Der dänische Doppelspieler Frederik Søgaard, derzeit Nummer 23 der Weltrangliste gemeinsam mit Rasmus Kjær, hatte Fotos veröffentlicht, auf denen Spielfelder mit Vogelkot zu sehen waren. Vögel flogen demnach unter dem Hallendach umher.

Søgaard erklärte gegenüber TV 2 Sport, der Kot stamme vermutlich von Tauben in der Halle. Betroffen sei eine Aufwärmfläche in derselben Halle, in der auch Spiele ausgetragen wurden.

Während einige Spieler zunächst scherzhaft reagierten, sieht Fischer darin ein ernstes gesundheitliches Problem. Laut TV 2 Sport habe er Athleten geraten, Hygienemaßnahmen in Indien ähnlich ernst zu nehmen wie während der Hochphase der Corona-Pandemie.

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„Ich habe die Spieler daran erinnert, vorsichtig zu sein und sich so gut wie möglich zu schützen, denn es gibt dort Bakterien, an die ihre Körper nicht gewöhnt sind“, sagte Fischer laut TV 2 Sport.

Er betonte zudem, dass er selbst während seiner Karriere in Asien mehrfach erkrankt sei, die gezeigten Zustände ihn jedoch dennoch überrascht hätten.

„Überraschend ist, dass solche Bedingungen immer noch akzeptiert werden. Es muss nicht alles perfekt sein, aber zumindest sauber und ordentlich, damit die Spieler nicht krank werden“, sagte er.

Nach Angaben von TV 2 Sport wurden ähnliche Probleme bereits Anfang des Jahres bei den India Open gemeldet. Der dänische Spieler Mikkel Mikkelsen erkrankte dort schwer und berichtete später von Vögeln unter dem Hallendach, Kot auf dem Boden und sogar einem Hund, der durch die Aufwärmhalle lief.

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Für Fischer liegt die Verantwortung letztlich beim Weltverband.

Laut TV 2 Sport erklärte er, kulturelle Unterschiede seien zu respektieren. Dennoch müsse der Badminton-Weltverband BWF seiner Rolle gerecht werden und verbindlichere Anforderungen an die Austragung von World Tour Turnieren stellen.

„Ich kann nicht verstehen, wie der BWF solche Bedingungen für die besten Spieler der Welt akzeptieren kann. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem sich etwas ändern muss“, sagte Fischer.

Quellen: TV 2 Sport, Press Trust of India, The Indian Express, India Today