Tore bei einer FIFA-Weltmeisterschaft zu erzielen, ist die größte Auszeichnung, die ein Stürmer erreichen kann. Alle vier Jahre kämpfen die besten Angreifer der Welt nicht nur um den begehrtesten Titel im Fußball, sondern auch um den Goldenen Schuh, der an den erfolgreichsten Torschützen des Turniers vergeben wird. Im Laufe der Geschichte wurde diese Auszeichnung von einigen der größten Legenden des Sports gewonnen, die mit unvergesslichen Leistungen auf der größten Bühne des Fußballs glänzten. Von der ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1930 bis zum jüngsten Turnier in Katar – hier sind alle Gewinner des Goldenen Schuhs in chronologischer Reihenfolge.
1930 – Guillermo Stábile (Argentinien, 8 Tore)

Guillermo Stábile war der erste Spieler überhaupt, der den Goldenen Schuh bei einer Weltmeisterschaft gewann. Der argentinische Stürmer erzielte acht Tore in nur vier Spielen, obwohl er das Auftaktspiel seines Teams verpasste. Mit einem Hattrick und zwei Doppelpacks führte er Argentinien bis ins Finale der ersten Weltmeisterschaft, wo sich seine Mannschaft jedoch Gastgeber Uruguay mit 2:4 geschlagen geben musste. Trotz der Finalniederlage ging Stábile als erster großer Torjäger der WM-Geschichte in die Fußballgeschichte ein.
1934 – Oldřich Nejedlý (Tschechoslowakei, 5 Tore)

Oldřich Nejedlý war der überragende Offensivspieler der Tschechoslowakei bei der Weltmeisterschaft 1934 und wurde mit fünf Treffern Torschützenkönig. Viele Jahre lang wurden ihm allerdings nur vier Tore angerechnet, ehe eine offizielle Überprüfung ihm ein weiteres Tor zusprach. Seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor brachte die Tschechoslowakei bis ins Finale gegen Italien, das erst nach Verlängerung verloren ging. Dennoch zählt Nejedlý bis heute zu den größten Spielern der tschechoslowakischen Fußballgeschichte.
1938 – Leônidas (Brasilien, 7 Tore)

Leônidas, bekannt als der „Schwarze Diamant“, begeisterte die Fußballwelt mit seiner Technik und seinem Torinstinkt. Der brasilianische Angreifer erzielte sieben Tore, darunter einen Hattrick gegen Polen und einen Doppelpack im Spiel um Platz drei gegen Schweden. Eine Verletzung zwang ihn dazu, das Halbfinale gegen Italien zu verpassen, was bis heute Spekulationen darüber auslöst, wie das Turnier mit ihm verlaufen wäre. Dennoch gewann er den Goldenen Schuh und etablierte sich als eine der ersten großen Ikonen des brasilianischen Fußballs.
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1950 – Ademir (Brasilien, 9 Tore)

Nach zwölf Jahren ohne Weltmeisterschaft aufgrund des Zweiten Weltkriegs kehrte Brasilien eindrucksvoll auf die große Fußballbühne zurück. Ademir erzielte neun Tore und war der herausragende Offensivspieler einer Mannschaft, die mit attraktivem Fußball begeisterte. Seine großartigen Leistungen konnten jedoch die legendäre Niederlage gegen Uruguay im berühmten „Maracanazo“ nicht verhindern. Trotzdem bleibt sein Turnier eine der beeindruckendsten Einzelleistungen eines Spielers ohne Weltmeistertitel.
1954 – Sándor Kocsis (Ungarn, 11 Tore)

Sándor Kocsis spielte eines der torreichsten Turniere der WM-Geschichte und erzielte beeindruckende elf Tore in nur fünf Partien. Der ungarische Stürmer war der erste Spieler, dem bei einer Weltmeisterschaft zwei Hattricks gelangen, und erzielte im Schnitt mehr als zwei Tore pro Spiel. Ungarn galt als klarer Favorit auf den Titel, verlor jedoch das Finale überraschend gegen Westdeutschland beim legendären „Wunder von Bern“. Auch ohne Titel setzte Kocsis mit seiner Torquote neue Maßstäbe.
1958 – Just Fontaine (Frankreich, 13 Tore)

Just Fontaine lieferte die wohl außergewöhnlichste Torjägerleistung, die eine Weltmeisterschaft je gesehen hat. Der französische Stürmer erzielte unglaubliche 13 Tore in nur sechs Spielen – ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Er traf in jeder einzelnen Partie und erzielte im Spiel um Platz drei gegen Westdeutschland sogar vier Tore. Obwohl Frankreich das Finale verpasste, bleibt Fontaines Rekord eine der größten Einzelleistungen der Fußballgeschichte.
1962 – Mehrere Gewinner (Florian Albert, Valentin Ivanow, Garrincha, Leonel Sánchez, Dražan Jerković und Vavá – jeweils 4 Tore)

Die Weltmeisterschaft 1962 brachte eines der ungewöhnlichsten Rennen um den Goldenen Schuh hervor, denn gleich sechs Spieler beendeten das Turnier mit jeweils vier Treffern. Der Ungar Florian Albert und der Sowjetspieler Valentin Ivanow erreichten diese Marke in weniger Spielen als die übrigen Gewinner, während Garrincha und Vavá Brasilien zum zweiten Weltmeistertitel in Folge führten. Leonel Sánchez begeisterte die heimischen Fans in Chile, und auch Dražan Jerković überzeugte für Jugoslawien. Bis heute ist dies die einzige Weltmeisterschaft, bei der sich sechs Spieler den Goldenen Schuh teilen mussten.
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1966 – Eusébio (Portugal, 9 Tore)

Eusébio bestätigte bei der Weltmeisterschaft in England seinen Ruf als einer der besten Fußballer seiner Zeit. Die portugiesische Legende erzielte neun Tore, darunter vier beim spektakulären Viertelfinalsieg gegen Nordkorea nach einem 0:3-Rückstand. Seine Schnelligkeit, Kraft und Abschlussstärke machten ihn zum gefährlichsten Angreifer des Turniers. Obwohl Portugal im Halbfinale an Gastgeber England scheiterte, gewann Eusébio verdient den Goldenen Schuh.
1970 – Gerd Müller (Westdeutschland, 10 Tore)

Gerd Müller bewies bei der Weltmeisterschaft in Mexiko erneut, warum er den Spitznamen „Der Bomber“ trug. Der deutsche Torjäger erzielte zehn Treffer, darunter zwei Hattricks gegen Bulgarien und Peru. Mit seinem außergewöhnlichen Torriecher führte er Westdeutschland bis ins legendäre Halbfinale gegen Italien. Müller beendete das Turnier als Torschützenkönig und festigte seinen Ruf als einer der größten Stürmer aller Zeiten.
1974 – Grzegorz Lato (Polen, 7 Tore)

Grzegorz Lato führte Polen zu einem der größten Erfolge der Landesgeschichte und wurde mit sieben Treffern Torschützenkönig der Weltmeisterschaft. Seine Tore waren entscheidend dafür, dass Polen den dritten Platz belegte – damals das beste WM-Ergebnis der Nation. Mit seiner Schnelligkeit und seinem präzisen Abschluss stellte er jede Abwehr vor enorme Probleme. Den krönenden Abschluss setzte er mit dem Siegtreffer gegen Brasilien im Spiel um Platz drei.
1978 – Mario Kempes (Argentinien, 6 Tore)

Mario Kempes hob sich besonders in der K.-o.-Phase der Heim-Weltmeisterschaft hervor. Nach einer eher ruhigen Gruppenphase erzielte er Doppelpacks gegen Polen, Peru und die Niederlande im Finale. Seine beiden Tore im Endspiel führten Argentinien zum ersten Weltmeistertitel der Geschichte. Kempes wurde nicht nur Torschützenkönig, sondern auch als herausragender Spieler des Turniers gefeiert.
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1982 – Paolo Rossi (Italien, 6 Tore)

Paolo Rossi schrieb bei der Weltmeisterschaft 1982 eine der größten Comeback-Geschichten des Fußballs. Nach seiner Rückkehr von einer Sperre fand der italienische Stürmer genau zum richtigen Zeitpunkt zu seiner Bestform und führte Italien zum WM-Titel. Sein legendärer Hattrick gegen Brasilien zählt bis heute zu den berühmtesten Leistungen der Turniergeschichte. Rossi gewann anschließend den Goldenen Schuh, den Goldenen Ball der WM und den Ballon d’Or.
1986 – Gary Lineker (England, 6 Tore)

Gary Lineker wurde der erste Engländer, der den Goldenen Schuh bei einer Weltmeisterschaft gewann. Besonders sein Hattrick gegen Polen machte ihn zum überragenden Offensivspieler Englands während des gesamten Turniers. Seine Tore führten die Three Lions bis ins Viertelfinale, wo sie gegen Diego Maradonas Argentinien ausschieden. Auch ohne Titel verließ Lineker Mexiko als bester Torschütze der Weltmeisterschaft.
1990 – Salvatore Schillaci (Italien, 6 Tore)

Salvatore Schillaci war die große Überraschung der Weltmeisterschaft 1990, nachdem er das Turnier zunächst als Ersatzspieler begonnen hatte. Der italienische Angreifer nutzte jede Chance und erzielte insgesamt sechs Tore. Mit seinem Einsatz und seinem Torinstinkt führte er Italien bis ins Halbfinale und anschließend zum dritten Platz. Schillaci wurde innerhalb weniger Wochen vom Unbekannten zum Nationalhelden.
1994 – Oleg Salenko und Hristo Stoitschkow (jeweils 6 Tore)

Der Goldene Schuh 1994 wurde zwischen zwei Spielern geteilt, deren Turniere kaum unterschiedlicher hätten verlaufen können. Oleg Salenko erzielte alle sechs Tore in nur drei Spielen, darunter einen bis heute einmaligen Fünferpack gegen Kamerun. Hristo Stoitschkow führte Bulgarien dagegen mit mehreren entscheidenden Treffern sensationell bis ins Halbfinale. Beide beendeten das Turnier punktgleich an der Spitze der Torjägerliste und teilten sich die Auszeichnung.
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1998 – Davor Šuker (Kroatien, 6 Tore)

Davor Šuker war der Schlüsselspieler für Kroatiens sensationellen Erfolg bei der ersten Weltmeisterschaft des jungen Staates. Der elegante Stürmer erzielte sechs Tore, darunter den Siegtreffer im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande. Seine Klasse vor dem Tor machte Kroatien zu einer der großen Überraschungen des Turniers. Sein Goldener Schuh zählt bis heute zu den größten Erfolgen des kroatischen Fußballs.
2002 – Ronaldo (Brasilien, 8 Tore)

Nach zwei schweren Knieverletzungen feierte Ronaldo bei der Weltmeisterschaft 2002 eines der größten Comebacks der Sportgeschichte. Der brasilianische Superstar erzielte acht Tore, darunter beide Treffer beim Finalsieg gegen Deutschland, und führte Brasilien zum fünften WM-Titel. Gemeinsam mit Rivaldo und Ronaldinho bildete er eines der gefährlichsten Offensivtrios aller Zeiten. Seine überragenden Leistungen brachten ihn endgültig zurück an die Spitze des Weltfußballs.
2006 – Miroslav Klose (Deutschland, 5 Tore)

Miroslav Klose gewann den Goldenen Schuh bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006 und bestätigte seinen Ruf als WM-Spezialist. Der deutsche Stürmer erzielte fünf Tore und überzeugte mit perfektem Stellungsspiel sowie eiskalter Chancenverwertung. Seine Treffer trugen maßgeblich dazu bei, dass Deutschland das Halbfinale erreichte und am Ende Dritter wurde. Einige Jahre später krönte sich Klose zudem zum erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte.
2010 – Thomas Müller (Deutschland, 5 Tore)

Thomas Müller schaffte bei der Weltmeisterschaft in Südafrika endgültig den internationalen Durchbruch. Der deutsche Offensivspieler erzielte wie David Villa, Wesley Sneijder und Diego Forlán fünf Tore, gewann den Goldenen Schuh jedoch dank seiner drei Vorlagen. Mit seiner Spielintelligenz, Vielseitigkeit und seinem hervorragenden Timing war er einer der wichtigsten Spieler der deutschen Mannschaft. Zusätzlich wurde Müller als bester Nachwuchsspieler des Turniers ausgezeichnet.
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2014 – James Rodríguez (Kolumbien, 6 Tore)

James Rodríguez war einer der großen Stars der Weltmeisterschaft 2014, obwohl Kolumbien bereits im Viertelfinale ausschied. Der offensive Mittelfeldspieler erzielte sechs Tore in nur fünf Spielen und traf in jeder einzelnen Partie. Sein spektakulärer Volley gegen Uruguay wurde später mit dem FIFA-Puskás-Preis ausgezeichnet. Dank seines überragenden Turniers gewann James den Goldenen Schuh und wechselte anschließend zu Real Madrid.
2018 – Harry Kane (England, 6 Tore)

Harry Kane beendete Englands lange Durststrecke und wurde als erster Engländer seit Gary Lineker Torschützenkönig einer Weltmeisterschaft. Der Tottenham-Stürmer erzielte sechs Treffer, darunter einen Hattrick gegen Panama und einen wichtigen Doppelpack gegen Tunesien. Als Kapitän führte er England erstmals seit 1990 wieder ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Seine Konstanz und Abschlussstärke unterstrichen seinen Status als einer der besten Stürmer der Welt.
2022 – Kylian Mbappé (Frankreich, 8 Tore)

Kylian Mbappé zeigte bei der Weltmeisterschaft in Katar eine der beeindruckendsten Einzelleistungen der modernen Fußballgeschichte. Der französische Superstar erzielte acht Tore, darunter einen spektakulären Hattrick im Finale gegen Argentinien, und wurde damit erst der zweite Spieler überhaupt mit drei Treffern in einem WM-Endspiel. Obwohl Frankreich das Finale im Elfmeterschießen verlor, gewann Mbappé verdient den Goldenen Schuh. Mit gerade einmal 23 Jahren bestätigte er endgültig seinen Platz unter den größten Fußballern seiner Generation.



