Florian Lipowitz startet mit einer ungewöhnlichen Ausgangslage in die letzte Woche der Tour de France.
Der Deutsche ist Fünfter der Gesamtwertung und liegt lediglich 25 Sekunden hinter Paul Seixas sowie 50 Sekunden hinter dem drittplatzierten Isaac del Toro. Ein starkes Einzelzeitfahren könnte ihn damit zurück in den direkten Kampf um das Podium bringen.
Gleichzeitig hat sein Team Red Bull-Bora-hansgrohe entschieden, seine Kräfte vor allem auf Remco Evenepoel zu konzentrieren. Der Belgier liegt auf Rang zwei, fünf Minuten hinter Tadej Pogačar und 1:48 Minuten vor Lipowitz.
Damit geht es für Lipowitz am Dienstag nicht nur um seine eigene Platzierung. Seine Leistung wird auch darüber entscheiden, wie eindeutig die Hierarchie innerhalb des Teams vor den drei entscheidenden Bergetappen ausfällt.
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Lipowitz kann seine Chance nicht ignorieren
Die Mannschaft hat ihre Priorität bereits öffentlich festgelegt.
Laut Cyclingnews in einem Bericht über die neue Rollenverteilung bei Red Bull erklärte Lipowitz, das Hauptziel sei nun, Evenepoel in Paris auf das Podium zu bringen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Deutsche im Zeitfahren zurückstecken wird. Im Kampf gegen die Uhr ist jeder Fahrer auf sich allein gestellt. Lipowitz kann deshalb ohne taktische Einschränkungen versuchen, Seixas und del Toro Zeit abzunehmen.
Sollte er deutlich näher an Platz drei heranrücken, könnte die Mannschaft vor den Alpen allerdings vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Ein Fahrer, der selbst um das Podium kämpft, lässt sich nicht ohne Weiteres vollständig in die Helferrolle drängen.
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Der Kurs verlangt mehr als reine Kraft
Die 16. Etappe führt über 26,1 Kilometer von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains. Nach Angaben der offiziellen Tour-de-France-Streckenseite weist der Kurs rund 500 Höhenmeter auf.
Die ersten 9,7 Kilometer führen hinauf zur Côte de Larringes, die im Durchschnitt 4,3 Prozent steil ist. Danach folgen eine schnelle Abfahrt und ein flacherer, technisch anspruchsvoller Schlussteil entlang des Genfersees.
Diese Mischung ist für Lipowitz nicht ideal, aber auch kein Nachteil. Der Deutsche ist kein reiner Zeitfahrspezialist wie Evenepoel oder Filippo Ganna, kann seine Kletterstärke auf dem ersten Drittel jedoch nutzen. Entscheidend wird sein, wie viel Kraft er für die aerodynamisch wichtige Schlussphase bewahrt.
Lipowitz startet um 17.07 Uhr, zwei Minuten vor Seixas. Evenepoel beginnt sein Rennen um 17.13 Uhr, Pogačar folgt als Letzter um 17.15 Uhr.
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Nur 50 Sekunden trennen ihn vom Podium
Pogačar führt die Tour mit fünf Minuten Vorsprung vor Evenepoel an. Dahinter ist die Situation deutlich enger.
Del Toro liegt bei 5:58 Minuten Rückstand, Seixas bei 6:23, Lipowitz bei 6:48 und Juan Ayuso bei 7:28. Zwischen dem dritten und sechsten Platz liegen damit lediglich 90 Sekunden.
Für Lipowitz ist der Kampf um Gelb praktisch vorbei. Der Kampf um Platz drei ist dagegen vollkommen offen.
Der Deutsche wurde bereits 2025 Dritter der Tour und gewann damals die Nachwuchswertung. Ein weiteres Podium wäre daher keine Sensation. Dennoch befindet er sich diesmal in einer schwierigeren Lage, weil er nicht der geschützte Kapitän seiner Mannschaft ist.
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Pogacar kann kontrollieren
Pogačar muss auf dieser Etappe nicht gewinnen. Der Slowene kann seinen Vorsprung verwalten und größere Risiken auf der Abfahrt vermeiden.
Evenepoel braucht dagegen einen offensiven Tag. Der Belgier gilt wegen seiner aerodynamischen Stärke als leichter Favorit auf den Etappensieg und kann seinen zweiten Platz weiter absichern.
Für Lipowitz liegt die Wahrheit dazwischen. Er muss nicht Evenepoel schlagen, sondern del Toro und Seixas unter Druck setzen.
Gelingt ihm das, bleibt sein eigenes Podiumsziel am Leben. Verliert er deutlich, wird seine Rolle für den Rest der Tour endgültig feststehen: Helfer für Evenepoel.
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Prognose
Evenepoel und Pogačar sind die wahrscheinlichsten Kandidaten auf den Etappensieg. Dahinter könnte Lipowitz jedoch zu den Gewinnern des Tages gehören.
Der lange, nicht zu steile Anstieg kommt ihm entgegen. Seine größere Herausforderung wartet auf den flachen Schlusskilometern, auf denen eine stabile aerodynamische Position entscheidend sein wird.
Ein Rückstand von weniger als 30 Sekunden auf Evenepoel wäre für Lipowitz ein starkes Ergebnis. Noch wichtiger ist jedoch der Vergleich mit del Toro und Seixas.
Am Dienstag fährt der Deutsche nicht um Gelb. Er fährt darum, ob er weiterhin seine eigene Tour bestreiten darf.



