Donald Trumps Name taucht in UEAs jüngstem Antrag vor einem US-Bundesgericht nicht auf.
Und dennoch ist einer der derzeit bedeutendsten Machtkämpfe im Weltfußball erneut ungewöhnlich nahe an das Umfeld des US-Präsidenten gerückt.
Der europäische Fußballverband versucht, an Beweismaterial von Thrive Capital und dessen Gründer Josh Kushner zu gelangen. UEFA prüft mögliche rechtliche Schritte in der Schweiz gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen des aufgegebenen Projekts FIFA Forward Enterprise.
Kushner ist der jüngere Bruder von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und einer langjährigen Figur in dessen politischem und diplomatischem Umfeld.
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Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Donald Trump oder Jared Kushner an der geplanten FIFA-Transaktion beteiligt waren. UEFA wirft auch Josh Kushner oder Thrive Capital kein Fehlverhalten vor. Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Doch die Beteiligung eines Unternehmens, dessen Gründer über seine Familie eng mit Trumps Umfeld verbunden ist, fügt einer Phase eine weitere ungewöhnliche Ebene hinzu, in der die Beziehungen zwischen Washington und FIFA ohnehin intensiv beobachtet werden.
UEFA will Kushners Unterlagen sehen
Die jüngste Entwicklung spielt sich vor einem Bundesgericht in Manhattan ab.
Nach einem Reuters-Bericht vom 11. September forderte UEFA das Gericht auf, Versuche amerikanischer FIFA-Tochtergesellschaften zurückzuweisen, sich in den Antrag auf Herausgabe von Beweismitteln durch Josh Kushner und Thrive Capital einzuschalten.
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UEFA nutzt ein amerikanisches Rechtsverfahren, um Dokumente und Aussagen zu erhalten, die möglicherweise in einem späteren Verfahren außerhalb der Vereinigten Staaten eingesetzt werden könnten.
Das angeforderte Material betrifft FIFA Forward Enterprise, kurz FFE, einen von Infantino vorangetriebenen Plan zur Gründung eines neuen kommerziellen Unternehmens. Dieses sollte bedeutende Rechte rund um FIFA-Wettbewerbe, darunter die Weltmeisterschaft, bündeln.
Thrive Capital sollte dabei offenbar zum führenden privaten Investor werden.
Nach dem vorgeschlagenen Modell hätten Investoren bis zu rund 4,2 Milliarden Dollar für eine Minderheitsbeteiligung an einem Unternehmen investieren können, das mit ungefähr 20 Milliarden Dollar bewertet wurde. FIFA argumentierte, dass dieses Modell die Entwicklungsgelder für seine 211 Mitgliedsverbände erheblich erhöhen könnte.
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Kritiker betrachteten den Plan jedoch völlig anders.
UEFA und andere Gegner hinterfragten die Bewertung, den Prozess hinter der Entwicklung des Projekts und die grundsätzliche Frage, ob private Investoren wirtschaftlich an kommerziellen Aktivitäten rund um das größte Fußballturnier der Welt beteiligt werden sollten.
Der Plan wurde schließlich aufgegeben.
Eine ungewöhnlich umfangreiche Liste interner Informationen könnte offengelegt werden
Besonders interessant ist, welche Dokumente UEFA sehen will.
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Laut Axios umfasst der Antrag unter anderem Kommunikation mit FIFA-Funktionären, Finanzprognosen, Bewertungsmaterialien, Vertragsentwürfe, mögliche Nebenvereinbarungen sowie Informationen über potenzielle Investoren und Partner.
UEFA hat ausdrücklich klargestellt, dass weder Kushner noch Thrive Capital derzeit als mögliche Beschuldigte betrachtet werden.
Stattdessen vermutet der europäische Verband, dass das Unternehmen über Informationen verfügen könnte, die zeigen, wie das Geschäft entwickelt wurde und ob Infantinos Umgang mit FIFA-Vermögenswerten Anlass für ein Verfahren in der Schweiz geben könnte.
Genau an diesem Punkt wird die Angelegenheit für den FIFA-Präsidenten besonders sensibel.
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UEFA untersucht mögliche Vorwürfe einer strafrechtlich relevanten Misswirtschaft im Zusammenhang mit dem gescheiterten Projekt. Kein Gericht hat Infantino in diesem Zusammenhang eines Vergehens schuldig gesprochen, und FIFA weist die Grundlage der UEFA-Vorwürfe entschieden zurück.
FIFA hat die juristische Offensive als Teil einer Kampagne gegen die Organisation und ihre Führung bezeichnet und versucht, UEFA daran zu hindern, das Material über amerikanische Gerichte zu erhalten.
Der Konflikt findet damit nicht mehr nur auf sportpolitischer Ebene statt.
Inzwischen sind Anwälte, Bundesgerichte und mögliche Vorladungen Teil des Machtkampfes.
Kushner räumt ein, den Fußball unterschätzt zu haben
Josh Kushner selbst hat inzwischen Stellung genommen.
Der Gründer von Thrive Capital verteidigte die wirtschaftliche Idee hinter dem Investment, räumte jedoch ein, dass sein Unternehmen die Intensität der politischen Auseinandersetzungen im Weltfußball unterschätzt habe.
„Hätten wir gewusst, wie sich das entwickeln würde, hätten wir uns nicht darauf eingelassen“, sagte Kushner in Aussagen, über die zuerst Axios berichtete.
Er argumentierte, dass das Geld im internationalen Fußball traditionell in relativ wenigen Ländern konzentriert sei und FFE dazu gedacht gewesen sei, erheblich größere Investitionen für weniger entwickelte Fußballnationen zu ermöglichen.
Kushner betonte zudem, dass die FIFA-Mitgliedsverbände letztlich über den Vorschlag hätten abstimmen sollen.
UEFA widerspricht Teilen dieser Darstellung des Verfahrens. Gleichzeitig nahm die Kritik an dem Projekt so schnell zu, dass Infantino den Plan kurz nach Bekanntwerden der Details aufgab.
Für Kushner wurde aus einer potenziell milliardenschweren Investitionsmöglichkeit damit eine unerwünschte Rolle in einem der schärfsten Governance-Konflikte des Weltfußballs.
Die Verbindung zu Trumps erweitertem familiären Umfeld macht den Fall zusätzlich auffällig.
Eine weitere Verbindung zwischen Trumps Umfeld und Infantino
Der Rechtsstreit steht nicht isoliert.
Infantinos Verhältnis zu Trump ist im vergangenen Jahr mehrfach Teil von Kontroversen rund um FIFA geworden.
Trump erklärte öffentlich, dass er sich während der Weltmeisterschaft bei Infantino eingeschaltet habe, nachdem US-Stürmer Folarin Balogun eine Rote Karte erhalten hatte. Der Vorgang führte später zu Vorwürfen, politische Einflussnahme könnte eine Rolle im FIFA-Disziplinarsystem gespielt haben.
FairSquare verwies später unter anderem auf diesen Fall, den FIFA-Friedenspreis für Trump und weitere Kontakte zwischen Infantino und dem US-Präsidenten in Beschwerden wegen möglicher Verstöße gegen politische Neutralitätsregeln. FIFA weist zurück, dass Infantino die Organisation unzulässig politischen Interessen untergeordnet habe.
Nun taucht eine andere Verbindung zum Umfeld Trumps in einer weiteren bedeutenden Kontroverse rund um Infantino auf.
Noch einmal ist die Abgrenzung wichtig: Josh Kushners familiäre Verbindung zu Trump ist kein Beweis dafür, dass der Präsident am FIFA-Forward-Enterprise-Projekt beteiligt war.
Es gibt derzeit keine Belege dafür, dass Donald Trump das Geschäft mitentwickelt, dessen Bewertung beeinflusst oder eine Rolle bei den Gesprächen zwischen Thrive und FIFA gespielt hat.
Aber ein von Infantino gefördertes Projekt wurde mit einer Investmentfirma verhandelt, die vom Bruder von Trumps Schwiegersohn geführt wird.
In einer gewöhnlichen Unternehmensübernahme wäre diese Verbindung möglicherweise nur eine Randnotiz.
Im derzeitigen Umfeld rund um die FIFA-Führung erhält sie deutlich mehr Aufmerksamkeit.
FIFAs Konflikt mit Europa eskaliert
Der Streit kommt zudem zu einem heiklen Zeitpunkt für Infantino.
UEFA hat seinen Widerstand gegen den FIFA-Präsidenten verschärft, während mehrere große europäische Fußballverbände ihre Unterstützung für seine Führung zurückgezogen oder neu bewertet haben.
Der französische Fußballverband erklärte zuletzt, Infantinos Wiederwahl nicht länger zu unterstützen. Präsident Philippe Diallo warf ihm vor, dem Ansehen und der Einheit des Fußballs ernsthaft zu schaden.
Infantino will dennoch eine weitere Amtszeit anstreben.
Damit findet der Streit über FFE gleichzeitig mit einem zunehmend offenen Konflikt um die Kontrolle und Führung des Weltfußballs statt.
Die Verfahren vor amerikanischen Gerichten könnten deshalb weit über ein gescheitertes Investmentprojekt hinaus Bedeutung bekommen.
Sollte UEFA erfolgreich auf interne Thrive-Dokumente zugreifen können, könnten europäische Funktionäre erstmals private Details darüber erhalten, wie FIFA sein WM-Geschäft bewertete, welche Personen an den Gesprächen beteiligt waren, welche Zusagen Investoren erhielten und wie sich die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen entwickelten.
Die Unterlagen könnten letztlich keinerlei rechtswidriges Verhalten zeigen.
Sie könnten aber auch für weitere rechtliche Schritte relevant werden.
Eine stille Trump-Verbindung mitten im größten Machtkampf des Fußballs
Trump selbst ist kein Ziel der juristischen Schritte von UEFA.
Jared Kushner ebenfalls nicht.
Und selbst Josh Kushner wird von UEFA derzeit keines Verbrechens beschuldigt.
Genau das macht den Fall als Trump-Geschichte so ungewöhnlich.
Es geht nicht um einen weiteren öffentlichen Auftritt mit Infantino, eine weitere WM-Zeremonie oder eine neue Aussage des US-Präsidenten zum Fußball.
Stattdessen findet sich die Verbindung in den Unterlagen eines aufgegebenen milliardenschweren FIFA-Projekts, das Europa und den Weltverband in einen offenen Machtkampf geführt hat.
UEFA will nun wissen, was Kushners Unternehmen über den Deal weiß.
Und während sich der Konflikt um Infantino durch amerikanische Bundesgerichte bewegt, ist das erweiterte Umfeld Donald Trumps erneut ungewöhnlich nahe an einer der wichtigsten Geschichten des Weltfußballs.



