Barack Obama hat Basketball über Jahrzehnte zu einem Teil seiner öffentlichen Identität gemacht. Nun hat der ehemalige US-Präsident diese Verbindung zum Sport auf ungewöhnliche Weise in die Politik übertragen und ein Basketballvideo genutzt, um sich in einen der Wahlkämpfe vor den US-Zwischenwahlen 2026 einzuschalten.
Obama unterstützt den Abgeordneten des Bundesstaates Iowa, Josh Turek, bei dessen Kandidatur für den US-Senat. Doch die Form der Unterstützung war alles andere als klassisch. Statt hinter einem Rednerpult zu stehen oder eine gewöhnliche Erklärung zu veröffentlichen, trafen sich Obama und Turek auf dem Basketballplatz und spielten eine abgewandelte Version von H-O-R-S-E, bei der die Buchstaben durch I-O-W-A ersetzt wurden.
Das sportliche Element war dabei weit mehr als ein Wahlkampfgag. Turek vertrat die Vereinigten Staaten bei vier Paralympischen Spielen im Rollstuhlbasketball und gewann mit Team USA 2016 und 2020 Gold. Nun ist er demokratischer Kandidat für den Senatssitz, den die Republikanerin Joni Ernst aufgibt, und trifft auf die republikanische Kongressabgeordnete Ashley Hinson, die von Donald Trump unterstützt wird.
Damit ist eine der ungewöhnlicheren Verbindungen zwischen Spitzensport und US-Politik im aktuellen Wahlzyklus entstanden.
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Obama kehrt auf den Basketballplatz zurück
Das Video nutzt Obamas langjährige Verbindung zum Basketball sehr bewusst.
Statt Turek lediglich öffentlich zu unterstützen, trat der ehemalige Präsident auf dem Platz gegen ihn an und sprach dabei über Iowa, Politik und dessen Kampagne. Laut einem Bericht der Associated Press scherzte Obama darüber, dass Turek ihn deutlich geschlagen habe, bevor er sich direkt an die Wähler in Iowa wandte.
„Jetzt liegt der Ball bei euch, Iowa“, sagte Obama.
Das Format war keineswegs zufällig gewählt. Tureks Identität als Athlet ist ein zentraler Teil seines öffentlichen Profils, während Basketball Obama durch beinahe seine gesamte politische Karriere begleitet hat. Während seiner Präsidentschaft wurde er für Pickup-Spiele mit Mitarbeitern und ehemaligen College-Spielern bekannt, und auch das neue Obama Presidential Center in Chicago verfügt über einen Basketballplatz auf professionellem Niveau.
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Nur wenige Tage bevor das Turek-Video öffentlich wurde, hatte Obama genau dort einige der größten Namen der WNBA empfangen.
Caitlin Clark, A’ja Wilson, Paige Bueckers und weitere WNBA-All-Stars trafen den ehemaligen Präsidenten vor dem All-Star Game der Liga in Chicago. Clark erklärte später, Obama habe mit ihr darüber gesprochen, wie man mit außergewöhnlich großer öffentlicher Aufmerksamkeit in jungen Jahren umgeht, und ihr geraten, den ganzen „Unsinn“ rundherum nicht die Freude am Basketball nehmen zu lassen.
Basketball ist damit 2026 wieder ungewöhnlich präsent rund um Obama.
Diesmal überschneidet sich der Sport allerdings unmittelbar mit einem Wahlkampf.
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Ein Paralympics-Sieger will in den Senat
Tureks sportlicher Hintergrund macht Obamas Unterstützung besonders bemerkenswert.
Der Demokrat aus Iowa nahm an vier Paralympischen Spielen im Rollstuhlbasketball teil und gehörte zu den US-Mannschaften, die 2016 in Rio und bei den verspätet ausgetragenen Paralympics von Tokio 2021 Gold gewannen.
Seine Biografie unterscheidet sich damit erheblich von jener der meisten Kandidaten für einen Sitz im US-Senat.
Turek selbst bezeichnete das Spiel gegen Obama als einen der denkwürdigsten Momente seines Lebens und stellte es in eine Reihe mit seinen Erfahrungen als amerikanischer Paralympics-Sportler.
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Seine Kampagne versucht erwartungsgemäß, diese Sportgeschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Das Basketballspiel mit Obama bot eine Möglichkeit, seine Karriere im Spitzensport mit einem der bekanntesten ehemaligen Präsidenten der Demokratischen Partei zu verbinden.
Obama besitzt zudem eine besondere politische Geschichte mit Iowa.
Sein Sieg bei den demokratischen Vorwahlen des Bundesstaates 2008 wurde zu einem entscheidenden frühen Durchbruch in jenem Präsidentschaftswahlkampf, der ihn schließlich ins Weiße Haus führte. Später gewann er Iowa sowohl bei der Präsidentschaftswahl 2008 als auch 2012.
„Ich weiß ein bisschen darüber, wie man Iowa gewinnt“, sagte Obama in dem Video.
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Trump steht auf der anderen Seite
Ein weiteres Element macht die sportliche Unterstützung besonders interessant.
Tureks republikanische Gegnerin Ashley Hinson wird von Donald Trump unterstützt.
Damit stehen zwei ehemalige beziehungsweise amtierende Präsidenten mit sehr unterschiedlichen Beziehungen zum amerikanischen Sport hinter gegnerischen Kandidaten im selben Senatswahlkampf.
Der Vergleich sollte nicht übertrieben werden. Weder Trump noch Obama stehen in Iowa selbst zur Wahl, und eine Unterstützung durch prominente Politiker entscheidet keinen Wahlkampf automatisch.
Ihre Beteiligung gibt dem Rennen dennoch eine nationale Dimension, die durch Tureks sportliche Vergangenheit noch verstärkt wird.
Auf der einen Seite steht eine republikanische Kongressabgeordnete mit Trumps Unterstützung. Auf der anderen Seite befindet sich ein ehemaliger Paralympics-Sieger, den Obama über genau jene Sportart bewirbt, die stärker mit dem früheren demokratischen Präsidenten verbunden ist als vermutlich jede andere.
Es dürfte in der Geschichte amerikanischer Senatswahlen nur wenige Kampagnen gegeben haben, die durch ein Basketballspiel zwischen einem ehemaligen Präsidenten und einem zweifachen Paralympics-Goldmedaillengewinner präsentiert wurden.
Obama wird vor den Zwischenwahlen aktiver
Der Auftritt mit Turek zeigt auch, welche Rolle Obama im Wahljahr 2026 spielen könnte.
Der ehemalige Präsident tritt vor den Wahlen im November zunehmend für demokratische Kandidaten auf. Vor seiner Unterstützung für Turek hatte er bereits im Mai gemeinsam mit dem demokratischen Senatskandidaten James Talarico aus Texas öffentlich Position bezogen.
Obamas Beteiligung besitzt weiterhin politisches Gewicht, weil er in der Vergangenheit vergleichsweise selektiv damit umgegangen ist, wann und wo er persönlich in einzelne Wahlkämpfe eingreift.
Das Turek-Video ist jedoch noch aus einem anderen Grund bemerkenswert.
Es zeigt, wie Sport politischen Kandidaten einen völlig anderen Zugang zu Wählern verschaffen kann, insbesondere wenn der Kandidat selbst tatsächlich eine Karriere im Spitzensport vorweisen kann und nicht einfach für Wahlkampffotos neben bekannten Athleten posiert.
Basketball ist kein nebensächliches Element von Tureks Geschichte.
Der Sport führte ihn zu vier Paralympics-Teilnahmen, zwei Goldmedaillen und einem öffentlichen Profil, lange bevor er sich um ein nationales politisches Amt bewarb.
Obamas Entscheidung, genau diese Vergangenheit zum Mittelpunkt seiner Unterstützung zu machen, sorgt deshalb dafür, dass das Video mehr ist als ein gewöhnlicher Auftritt eines prominenten Parteifreundes.
Basketball wird erneut zu Obamas politischer Bühne
Obama hat nie verborgen, wie viel ihm Basketball bedeutet.
Im Jahr 2026 wird der Sport jedoch zunehmend auch Bestandteil seiner öffentlichen Rolle nach der Präsidentschaft.
Er hat den Basketballplatz seines Presidential Centers für WNBA-Spielerinnen geöffnet, Gespräche mit einigen der größten Namen des Frauensports geführt und das Spiel nun selbst genutzt, um einen Kandidaten für den US-Senat zu unterstützen.
Tureks Kampagne bietet dafür eine besonders natürliche Gelegenheit, weil Basketball nicht künstlich hinzugefügt wurde, um einen politischen Werbespot lockerer wirken zu lassen.
Der Mann, den Obama unterstützt, gehört selbst zu den wenigen amerikanischen Politikern, die auf vier Paralympics-Teilnahmen und zwei Basketball-Goldmedaillen verweisen können.
Auf der anderen politischen Seite steht eine Kandidatin mit der Unterstützung Donald Trumps.
Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich direkte Verbindung zwischen amerikanischer Politik und Spitzensport: Obama auf dem Basketballplatz, ein Paralympics-Sieger im Rennen um einen Senatssitz und Trump auf der Seite der gegnerischen Kampagne.
Selten war die Beschreibung eines politischen Duells auf dem Spielfeld so wörtlich zu verstehen.



