Marc Cucurella trabte in der 70. Minute aufs Spielfeld, eine Routine-Einwechslung für Álvaro Carreras in einer Partie, die Real Madrid längst entschieden hatte. Was folgte, war alles andere als Routine.
Pfiffe erhoben sich von den Rängen, nicht aus einem einzelnen Block, sondern aus allen Richtungen gleichzeitig. Für einige verwirrende Momente sah es so aus, als würden sich Real Madrids eigene Anhänger gegen einen Spieler stellen, den sie im Sommer von Chelsea verpflichtet hatten. Dem war nicht so. Die Pfiffe kamen von den Leipzigern.
Die Sicherheitskräfte des Bernabéu hatten sich auf ein übliches Gästekontingent eingestellt, rund 2.000 deutsche Fans im Oberrang der Nordtribüne. Hunderte weitere hatten über den inoffiziellen Markt und andere Sekundärkanäle Karten erworben und sich unauffällig auf die Heimbereiche des gesamten Stadions verteilt. So verteilt schienen ihre Pfiffe aus jeder Ecke zu kommen.
Der EM-2024-Moment, den Deutschland nicht loslässt
Der Streitpunkt ist zwei Jahre alt. Im EM-Viertelfinale 2024 in Stuttgart traf Jamal Musiala am 5. Juli in der Verlängerung mit einem Schuss die Hand Cucurellas im Strafraum. Der englische Schiedsrichter Anthony Taylor ließ weiterlaufen, der VAR griff nicht ein, und Spanien zog weiter auf dem Weg zum Turniersieg.
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Deutschland fuhr nach Hause in der Überzeugung, bestohlen worden zu sein. Der eigene Schiedsrichterausschuss der UEFA kam bei der Nachbetrachtung des Turniers im September zu dem Schluss, dass ein Elfmeter hätte gegeben werden müssen, mit der Begründung, Cucurellas Arm sei nicht nah am Körper gewesen und habe ihn unnatürlich größer gemacht.
Madrids Publikum durchschaute es und konterte mit Applaus
Als Real Madrids Anhänger merkten, dass die Pfiffe nicht aus den eigenen Reihen kamen, drehten sie die Stimmung. Jeder weitere Ballkontakt Cucurellas wurde von den Heimrängen beklatscht, eine bewusste Antwort auf die Anfeindungen, die den spanischen Linksverteidiger über das Spielfeld begleitet hatten.
Das Ergebnis stand da längst fest. Bernardo Silva hatte Madrid in der 43. Minute in Führung gebracht, Arda Güler legte nach der Pause nach, und späte Tore von Kylian Mbappé und Yan Diomande machten den 4:1-Sieg am 3. Spieltag der Champions-League-Gruppenphase perfekt. Tidiam Gomis gelang der Ehrentreffer für Leipzig.
Real Madrid bleibt im Wettbewerb nach drei Gruppenspielen ungeschlagen.
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