Sepp Blatter fordert Fans auf, Reisen in die USA zur Weltmeisterschaft 2026 zu vermeiden
Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hat sich den zunehmenden Stimmen angeschlossen, die infrage stellen, ob Fans zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in die USA reisen sollten. Er verweist auf politische und sicherheitsbezogene Bedenken im Zusammenhang mit dem Hauptaustragungsland des Turniers.
Das Turnier, das in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, ist zunehmend in Debatten über Einwanderungspolitik, innenpolitische Entwicklungen und internationale Spannungen verwickelt Themen, die laut Kritikern Auswirkungen auf ausländische Fans haben könnten.
Sorgen um Einwanderung und Sicherheit
Ein Großteil der Besorgnis konzentriert sich auf das innenpolitische Klima in den USA. In Berichten, auf die sich The Guardian beruft, wird auf die zunehmende Sichtbarkeit und Befugnis der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) hingewiesen. Dies schürt bei internationalen Besuchern Ängste vor verstärkten Kontrollen an den Grenzen und in den Austragungsorten.
Diese Bedenken haben bereits konkrete Folgen. Die offizielle LGBT+-Fangruppe Englands hat angekündigt, das Turnier zu boykottieren, da das derzeitige Umfeld ein unzumutbares Risiko für ihre Mitglieder darstelle. Ähnliche Sorgen wurden auch in anderen Teilen Europas laut und führten zu öffentlichen Diskussionen unter Fans und Fußballfunktionären.
Lesen Sie auch: Trump: „Der Super Bowl ist einfach zu weit weg“ – oder war er nicht eingeladen?
In den Niederlanden fand eine Petition zum Boykott tausende Unterstützer und veranlasste den niederländischen Fußballverband zu einer Stellungnahme. Auch Fußballverantwortliche und öffentliche Stimmen in Frankreich und Deutschland haben sich zu Wort gemeldet, was zeigt, wie weit verbreitet die Debatte ist.
Blatter unterstützt Boykottaufrufe
Blatter, der die FIFA von 1998 bis 2015 leitete, äußerte sich am Montag in den sozialen Medien zu der Diskussion. Der 89-Jährige schien den Rat zu unterstützen, komplett auf eine Reise in die USA zu verzichten.
Er schrieb:
„Für die Fans gibt es nur einen Rat: Haltet euch fern von den USA! Ich denke, Mark Pieth hat recht, dieses Turnier infrage zu stellen.“
Lesen Sie auch: Trump entfacht Debatte um NFL Kickoff und entfremdet Tradition vom Spiel
Blatter bezog sich dabei auf Mark Pieth, einen Schweizer Korruptionsbekämpfer und Juristen, der während Blatters Amtszeit mit der FIFA an Governance-Reformen gearbeitet hatte.
Pieths Warnung
In einem Interview mit der Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger, auf das sich The Guardian beruft, äußerte Pieth, dass jüngste Entwicklungen in den USA Fans zur Vorsicht mahnen sollten.
„Was wir im Inland beobachten – die Ausgrenzung politischer Gegner, Machtmissbrauch durch Einwanderungsbehörden usw. – lädt kaum dazu ein, als Fan dorthin zu reisen.
Für Fans gibt es nur einen Ratschlag: Meidet die USA! Im Fernsehen hat man ohnehin die bessere Sicht. Bei der Ankunft sollten Fans damit rechnen, dass sie bei unangemessenem Verhalten gegenüber den Behörden sofort abgeschoben werden. Wenn sie Glück haben…“
Lesen Sie auch: Cole Palmers Preis steigt, während Chelsea hinsichtlich seiner Zukunft hart bleibt
Seine Äußerungen spiegeln die wachsende Sorge wider, dass Maßnahmen zur Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen besonders ausländische Fans treffen könnten, die mit dem US-Rechts- und Polizeisystem nicht vertraut sind.
FIFA-Führung unter Beobachtung
Blatter trat 2015 im Zuge von Korruptionsskandalen von seinem Amt zurück und wurde durch Gianni Infantino ersetzt. Im Jahr 2023 wurden Blatter und der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini endgültig von Vorwürfen im Zusammenhang mit einer umstrittenen Zahlung aus dem Jahr 2011 freigesprochen.
Seither hat sich Platini als scharfer Kritiker Infantinos positioniert. Er sagte im vergangenen Monat, der FIFA-Präsident sei „mehr zu einem Autokraten geworden“ und „er mag die Reichen und Mächtigen“. Infantino pflegt enge Beziehungen zum früheren US-Präsidenten Donald Trump und verlieh ihm kürzlich den ersten Friedenspreis der FIFA eine Entscheidung, die laut The Guardian in Fußballkreisen für Unbehagen sorgte.
Infantino hat das Turnier 2026 wiederholt verteidigt und betont, es werde trotz globaler Spannungen eine vereinigende Kraft sein. In Anlehnung an die WM 2022 in Katar sagte er:
Lesen Sie auch: Trump gerät zwischen die Fronten als Paul und White in Miami aufeinandertreffen
„Zum ersten Mal in der Geschichte wurde übrigens kein Brite während der Weltmeisterschaft verhaftet. Stellt euch das vor! Das ist wirklich etwas ganz Besonderes.“
Ob diese Zusicherungen ausreichen, um die Sorgen zu zerstreuen, bleibt offen. Die Debatte über die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der WM 2026 reicht inzwischen weit über Fangruppen hinaus bis in die höchsten Ebenen des Weltfußballs.
Quellen: The Guardian, Tages-Anzeiger
Lesen Sie auch: Ein raffinierter Aufschlag bringt Alcaraz ins Viertelfinale der Australian Open
