Six Nations: Frankreich steht trotz Favoritenrolle vor frühen Herausforderungen
Frankreich beginnt die Titelverteidigung im Six Nations mit den vertrauten Etiketten: amtierender Champion, Anwärter, Favorit. Der Heimvorteil und die Rückkehr von Antoine Dupont verstärken dieses Bild zusätzlich. Doch blickt man unter die Oberfläche, wirkt dieses Auftaktspiel gegen Irland weniger wie ein Pflichttermin und mehr wie eine frühe Standortbestimmung.
Wie BBC Sport NI berichtet, war die Vorbereitung der Franzosen geprägt von Ausfällen, mutigen Auswahlentscheidungen und einer stillen Neujustierung von Rollen insbesondere im Sturm. Das Talent ist weiterhin vorhanden. Die Gewissheit hingegen nicht.
Auswahlentscheidungen deuten auf einen Kurswechsel hin
Die Entscheidung von Fabien Galthié, Gregory Alldritt, Gaël Fickou und Damian Penaud nicht in den erweiterten Kader zu berufen, war das dominierende Thema der Diskussionen vor dem Turnier. Penaud hinterlässt nicht nur erzielte Versuche, sondern auch eine instinktive Gefahr, die Irland wiederholt vor große Probleme gestellt hat.
Theo Attissogbe übernimmt nun seinen Platz auf dem rechten Flügel, während Louis Bielle-Biarreys Abschlussstärke und rohe Geschwindigkeit dafür sorgen, dass Frankreich außen weiterhin Durchschlagskraft besitzt. Der Wechsel wirkt bewusst und geplant, nicht reaktiv eine klare Hinwendung zu Energie und Entwicklungspotenzial statt allein zu Erfahrung.
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Im Mittelfeld beschleunigt das Fehlen des 98-fachen Nationalspielers Fickou diesen Übergang zusätzlich. Laut BBC Sport NI genießen das Bordeaux-Duo Yoram Moefana und Nicolas Depoortere das Vertrauen, gemeinsam von Beginn an zu spielen eine Paarung, die eher auf Vertrautheit als auf Renommee basiert.
Neue Balance in der dritten Reihe ohne Alldritt
Der Verzicht auf Alldritt ist zweifellos die auffälligste Entscheidung. Er führte Frankreich während Duponts verletzungsbedingter Abwesenheit in der vergangenen Saison als Kapitän an und war auf der Nummer acht gesetzt. Diese Rolle fällt nun Anthony Jelonch zu, der erstmals seit der Weltmeisterschaft 2023 wieder ein Six-Nations-Spiel bestreiten wird.
Das verändert das Profil der dritten Reihe. Jelonch bringt Aggressivität und hohe Arbeitsrate mit, jedoch nicht dieselbe Kontrolle im Balltragspiel wie Alldritt ein Kompromiss, den Irland im Bereich der Breakdown-Phasen gezielt testen dürfte.
Die rechte Stütze als möglicher Schwachpunkt
Besonders deutlich sind die Sorgen in der ersten Reihe. Zweite-Reihe-Spieler Thibaud Flament steht nicht zur Verfügung, und der erzwungene Rücktritt von Uini Atonio hat Frankreich auf der Position der rechten Stütze personell geschwächt.
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Der französische Rugby-Analyst Paul Eddison sagte gegenüber BBC Sport NI:
„Frankreich hat ein Problem auf der Prop-Position, vor allem auf der rechten Seite … Das ist ein Bereich, den gegnerische Teams auszunutzen versuchen könnten.“
Dorian Aldegheri erhält den Vorzug, doch mit begrenzter Erfahrung als Starter im Six Nations dürfte für Frankreich zunächst die Stabilität im Gedränge mehr als offensive Ambitionen oberste Priorität haben. Irland wird dies trotz eigener Verletzungssorgen als seltene Gelegenheit sehen, konstant Druck auszuüben.
Dupont und Jalibert erneut im Fokus
Hinter dem Sturm richtet sich der Blick auf die Halbpositionen. Da Romain Ntamack fehlt, bildet Matthieu Jalibert die Verbinder-Achse mit Dupont, der nach einer Knieverletzung und einer Pause für olympische Verpflichtungen zurückkehrt.
Diese Kombination wurde bislang nur sporadisch eingesetzt und bleibt in Frankreich umstritten. Jaliberts offensive Instinkte sind unbestritten; die offene Frage ist, wie nahtlos sie sich mit Duponts dominierendem Einfluss verbinden lassen.
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Eddison ist überzeugt, dass das Potenzial die Risiken überwiegt:
„Er ist unfassbar talentiert … Wenn er in Form ist, ist er eine Augenweide, und das kann Frankreich zu einem noch gefährlicheren Team machen.“
Jugend sorgt von der Bank für neue Impulse
Auch die Ersatzbank unterstreicht den Eindruck des Wandels. Kalvin Gourgues, ein vielseitiger Back aus Toulouse, setzt seinen Aufstieg nach überstandenen gesundheitlichen Problemen fort, während Lenni Nouchi, ehemaliger U-20-Kapitän, in der Schlussphase Mobilität und Führungsstärke einbringt.
Depoorteres Einsatz in der Startformation rundet das Bild einer Mannschaft ab, die sich bereits in Richtung des nächsten Weltmeisterschaftszyklus bewegt selbst während sie versucht, ihren Titel zu verteidigen.
Frankreich mag weiterhin als Favorit gelten. Doch am Eröffnungsabend, gegen einen vertrauten Gegner, erscheinen die Abstände kleiner als noch vor einem Jahr.
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Quelle: BBC Sport NI
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