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WM 2026: Amnesty warnt Fans

Menschenrechtliche Bedenken in den Gastgeberländern

Laut Colin Millar von The Athletic erklärt Amnesty International, dass die Vereinigten Staaten sich in einem „human rights emergency“ befinden, und verweist zugleich auch auf Risiken in Mexiko und Kanada. Der Bericht stellt das Turnier nicht als ungetrübtes Fußballfest dar, sondern als internationales Großereignis, das vor dem Hintergrund verschärfter Sicherheitsmaßnahmen, wachsendem Druck auf den öffentlichen Raum und zunehmender Sorgen um bürgerliche Freiheiten in allen drei Gastgeberländern stattfindet.

In Mexiko, so Amnesty, könne der Einsatz von 100.000 Sicherheitskräften, darunter auch Militär, die Risiken für Menschen erhöhen, die an Demonstrationen teilnehmen. In Kanada verwies die Organisation auf die Schließung eines Winterwärmezentrums in Toronto, nachdem der Standort für die Nutzung durch die FIFA reserviert worden war. Amnesty führt diesen Fall als Beispiel dafür an, dass die Turnierplanung auch für besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen abseits der Stadien Folgen haben kann.

Die Vereinigten Staaten stehen am stärksten in der Kritik

Laut der Berichterstattung von The Athletic über die Erkenntnisse von Amnesty richtet sich die schärfste Kritik gegen die Vereinigten Staaten, die 78 der 104 Spiele des Turniers ausrichten sollen. Amnesty konzentriert sich dabei auf Einwanderungskontrollen, Haftpraktiken und Vereinbarungen, die eine engere Zusammenarbeit zwischen ICE und lokalen Strafverfolgungsbehörden in Gastgeberstädten wie Dallas, Houston und Miami ermöglichen könnten. Dadurch, so die Sorge, könnten Profiling, Überwachung und der Umgang mit Migrantinnen, Migranten und reisenden Fans weiter verschärft werden.

Der Bericht verweist zudem auf weitere Hürden, die sich auf die Einreise zum Turnier auswirken könnten. Laut The Athletic könnten Fans aus mehreren teilnehmenden oder infrage kommenden Ländern verpflichtet sein, Visa-Kautionen von bis zu 15.000 Dollar zu hinterlegen, um in die Vereinigten Staaten einreisen zu dürfen. Amnesty erklärt außerdem, dass einige Fans zusätzlich von Reiseverboten, intensiver Kontrolle und der Überprüfung ihrer Social-Media-Konten betroffen sein könnten. Zusammengenommen deutet das darauf hin, dass der Zugang zur WM nicht nur von Tickets und Reiseplanung abhängen könnte, sondern auch von Nationalität, Aufenthaltsstatus und staatlicher Kontrolle.

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Offizielle Stellen weisen die Warnung zurück

Als Reaktion auf den Bericht erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums gegenüber The Athletic: “Every effort is being made to ensure that these events are safe and successful, and that global fans, families, and athletes have a seamless experience during every part of their visit.” Der Sprecher sagte außerdem, die Vorbereitungen auf die WM liefen bereits seit mehr als einem Jahr und Sicherheit bleibe die oberste Priorität der White House Task Force, die das Turnier begleitet.

Amnesty hält jedoch dagegen, dass offizielle Zusicherungen die grundlegenden menschenrechtlichen Bedenken nicht ausräumen. Steve Cockburn von Amnesty International bezeichnete die derzeitige Lage in den Vereinigten Staaten als „a deeply troubling time“ und argumentierte, dass das durch die aktuelle Politik geschaffene Klima auch Fans betreffen könne, die Spiele besuchen und an Feierlichkeiten rund um die WM teilnehmen wollen. Dieser Gegensatz, zwischen staatlichen Sicherheitsversprechen und menschenrechtlicher Kritik, entwickelt sich schon vor dem Anpfiff zu einem zentralen Spannungsfeld rund um das Turnier.

Warum die Versprechen der FIFA stärker unter Druck geraten

Laut Amnesty International geht es nicht nur darum, wie Regierungen die WM absichern wollen, sondern auch darum, wie weit die FIFA bereit ist, Gastgeberbehörden zum Schutz der vom Turnier betroffenen Menschen zu drängen. Dem Bericht zufolge haben bislang nur vier der 16 Gastgeberstädte Menschenrechtspläne veröffentlicht, und keiner dieser Pläne enthält Schutzmaßnahmen gegen missbräuchliche Einwanderungsdurchsetzung. Amnesty wertet das als ernsthafte Schwachstelle in der Vorbereitung des Turniers.

Damit steht die FIFA vor einem größeren Glaubwürdigkeitstest, je näher das Eröffnungsspiel am 11. Juni rückt. Laut Colin Millars Artikel in The Athletic vertritt Amnesty die Auffassung, dass eine WM mit Rekordeinnahmen nicht auf Kosten von Fans, Beschäftigten, Journalistinnen und Journalisten sowie lokalen Gemeinschaften ausgetragen werden dürfe. Die zentrale Warnung lautet, dass das Turnier nicht nur wegen des Fußballs in Erinnerung bleiben könnte, sondern auch wegen der Frage, ob die FIFA und die Gastgeberregierungen ihre öffentlichen Versprechen mit konkreten Schutzmaßnahmen vor Ort untermauert haben.

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Quellen: Colin Millar, The Athletic, Amnesty International, US-Außenministerium

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