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Dänemarks nationaltrainer Brian Riemer: „Wir haben nichts zu verlieren“, und verlieren am Ende doch alles

Ein zusammenbruch, über den niemand lachen kann

Es gab nie eine Realität, in der Dänemark in diesem Spiel „nichts zu verlieren“ hatte. Dänemark hatte alles zu verlieren, und genau das ist passiert.

Laut der Berichterstattung von TV 2 Sport verpasste Dänemark die Weltmeisterschaft nach einer chaotischen und emotional aufreibenden Niederlage gegen Tschechien, das sich nach einem 2,2 nach Elfmeterschießen durchsetzte. Besonders schmerzhaft war dabei der größere Zusammenhang. Dänemark hatte bereits zuvor Chancen auf die Qualifikation liegen lassen, und dieses letzte Scheitern machte aus einer enttäuschenden Kampagne eine ausgewachsene nationale Enttäuschung.

Die Stimmung nach dem Spiel spiegelte genau das wider. Spieler, Trainerstab, Experten und Funktionäre beschrieben das Ergebnis nicht als Pech oder als knappes Scheitern. Sie sprachen von Versagen, Reue und einer verpassten Verantwortung gegenüber dem Land. Für eine Mannschaft, die fest mit der Teilnahme am Turnier gerechnet hatte, war das Gefühl der Blamage fast genauso groß wie die sportliche Enttäuschung.

Riemers worte wirken im rückblick völlig daneben

Vor dem Spiel versuchte Brian Riemer, die Partie eher als Chance denn als Belastung darzustellen. Laut TV 2 Sport sagte er, Dänemark habe die Möglichkeit, den „Fehler vom November“ wiedergutzumachen, und fügte hinzu: „Für mich haben wir in dieser Hinsicht nichts zu verlieren. Es ist ein Finale, und in Finalen steht es fünfzig zu fünfzig.“

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Dieser Satz wirkt inzwischen schwer verfehlt. Dänemark ging nicht als Außenseiter ohne Druck in diese Partie. Es war eine Nation unter Spannung, mit der Qualifikation auf dem Spiel, mit hohen Erwartungen der Öffentlichkeit und mit praktisch keinem Raum mehr für Ausreden. Zu sagen, es gebe nichts zu verlieren, blendete das emotionale und sportliche Gewicht des Abends aus, und die Reaktionen danach zeigen, wie weit diese Aussage von der Wirklichkeit entfernt war.

Nach der Niederlage änderte sich Riemers Ton deutlich. Laut TV 2 Sport räumte er ein, dass das Team versagt habe, und sagte, die Verantwortung liege bei denjenigen innerhalb des Lagers. Außerdem verwies er erneut auf das frühere Spiel gegen Belarus als den Moment, in dem alles aus dem Ruder lief. Diese Einordnung passte besser zur Größe des Rückschlags, unterstrich aber zugleich, wie teuer diese letzte Niederlage wirklich war.

Die spieler entschuldigen sich, während die frustration überkocht

Die schärfste Reaktion kam von den Spielern selbst, die offenbar sofort verstanden, wie hart dieses Ergebnis in der Heimat ankommen würde. Laut TV 2 Sport nannte Christian Eriksen das Verpassen der WM „einen Skandal“ und sagte, die Mannschaft schulde den Dänen fast eine Entschuldigung, weil von ihr erwartet worden sei, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, und sie genau das nicht geschafft habe.

Pierre, Emile Højbjerg fand ähnlich deutliche Worte. Laut TV 2 Sport sagte der dänische Kapitän, die Mannschaft müsse sich nun „selbst im Spiegel anschauen“ und könne sich nur entschuldigen. Die Sprache war direkt, emotional und ungefiltert, und sie passte weit besser zur Größenordnung dieser Niederlage als jeder Versuch, das Geschehen weichzuzeichnen.

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Auch persönlich war der Abend für mehrere Spieler ein Drama. Rasmus Højlund sagte, er habe eines seiner besten Länderspiele für Dänemark gemacht, ging aber trotzdem mit einem verschossenen Elfmeter und ohne Qualifikation vom Platz. Kasper Høgh, der im Spiel selbst getroffen hatte, gab später zu, dass er sich nicht in der Lage sah, im Elfmeterschießen anzutreten, weil ihm das Selbstvertrauen fehlte. Diese Details machten die Niederlage menschlicher, zeigten aber auch eine Mannschaft, die im wichtigsten Moment mental zerbrechlich wirkte.

Rückendeckung bleibt, doch der druck ist nur noch größer geworden

Trotz des Ergebnisses hat Riemer öffentlich weiter Rückhalt, sowohl vom dänischen Fußballverband als auch aus Teilen der Kabine. Laut TV 2 Sport sagte Peter Møller, er bereue die Vertragsverlängerung von Riemer bis 2028 nicht und betonte, dass der Trainer im Amt bleiben werde. Auch Højlund sagte, er hoffe, dass Riemer weitermache, während Eriksen erklärte, die Spieler bestimmten nicht über den Trainer und müssten unter demjenigen arbeiten, der eingesetzt werde.

Trotzdem ist die Kritik damit nicht verstummt. TV 2 Sport berichtete auch über deutlichen Gegenwind von Experten und Kommentatoren, von denen einige das Scheitern als eines der dunkelsten Kapitel der dänischen Fußballgeschichte bezeichneten. Mediano, Chefredakteur Peter Brüchmann, argumentierte, es sei ein klarer Fehler gewesen, Riemers Vertrag schon vor gesicherter Qualifikation zu verlängern, während David Nielsen sagte, das Nationalteam sei zu bequem geworden und es fehle an ausreichend hohen Anforderungen.

Diese gespaltene Reaktion zeigt ziemlich genau, wo Dänemark jetzt steht. Riemer mag im Moment sicher sein, doch das Vertrauen in das Projekt hat sichtbar gelitten. Die öffentliche Wut richtet sich nicht nur gegen eine Niederlage gegen Tschechien. Sie richtet sich gegen mehrere verpasste Chancen, gegen eine unklare Entwicklung und gegen das Gefühl, dass die Mannschaft eher abgedriftet ist, als sich weiterzuentwickeln.

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Der schaden reicht weit über eine nacht in Prag hinaus

Das Verpassen der Weltmeisterschaft ist nicht einfach nur ein schlechtes Ergebnis, es ist ein prägendes Scheitern für diese Generation. Laut TV 2 Sport hatte Dänemark im Verlauf der Qualifikation mehrere Chancen, das Ticket schon früher zu lösen, und ließ jede einzelne verstreichen. Als das Playoff im Elfmeterschießen entschieden wurde, ging es deshalb längst nicht mehr nur darum, eine dramatische Nacht zu überstehen. Es ging darum, ein Problem zu bereinigen, das sich über mehrere Spiele aufgebaut hatte, und genau das gelang Dänemark nicht.

Die finanziellen Folgen mögen begrenzt sein. DBU, Direktor Erik Brøgger Rasmussen, sagte laut Ritzau im Liveblog von TV 2 Sport, der Verband habe ohnehin nicht mit einer Qualifikation budgetiert. Der sportliche und emotionale Schaden ist aber sehr viel schwerer wegzudiskutieren. Dänemark wird im Sommer nicht beim Turnier in den USA, in Kanada und in Mexiko dabei sein, und für erfahrene Spieler wie Christian Eriksen bedeutet das sehr wahrscheinlich auch das endgültige Ende der Hoffnung auf eine letzte Weltmeisterschaft.

Genau deshalb wirkt die Aussage, man habe „nichts zu verlieren“, jetzt so hohl. Dänemark verlor einen Platz auf der größten Bühne des Fußballs, verlor Glaubwürdigkeit nach wiederholtem Scheitern und verlor die Chance, den Fans den Sommer zu geben, den sie erwartet hatten. Niemand lacht darüber, denn es gab nie etwas Lächerliches an dem, was auf dem Spiel stand.

Quellen: TV 2 Sport, Liveblog von Christopher Roth und Mads Artmann Haugaard, Ritzau, TV 2 Sport, Interviews und Berichterstattung nach dem Spiel.

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