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Die Daten hinter dem Titelrennen und dem Kampf um die Top 4 in der Premier League

Da die Premier-League-Saison mittlerweile über ihren Höhepunkt hinaus ist, beginnt die Tabelle mehr zu zeigen als nur kurzfristige Formschwankungen. Es zeichnen sich Muster ab, die helfen, nachhaltige Leistungen von Ergebnissen zu unterscheiden, die auf knappen Entscheidungen beruhen.

Eines der am häufigsten verwendeten Analyseinstrumente in diesem Zusammenhang ist das Expected-Goals-Modell (xG), das anhand von Faktoren wie Position und Spielsituation die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der Torchancen zu Toren werden. Zwar kann es nicht alle Aspekte des Spiels erfassen, doch liefert es einen wertvollen langfristigen Hinweis darauf, wie gut ein Team tatsächlich spielt.

Warum Expected Goals wichtig sind

Über mehrere Spielzeiten hinweg tendieren Mannschaften, die konstant qualitativ hochwertige Chancen kreieren und gleichzeitig wenig zulassen, dazu, am oberen Ende der Tabelle zu landen. Eine gute xG-Differenz garantiert keinen Erfolg, versetzt Teams aber in eine Lage, in der positive Ergebnisse wahrscheinlicher sind.

Betrachtet man die aktuelle Saison durch diese Linse, lassen sich mehrere auffällige Trends erkennen.

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Arsenal und das Titelrennen

Trotz Pep Guardiolas Bemühungen, das Thema kleinzureden, deuten die Daten auf ein Titelrennen hin, das im Wesentlichen von zwei Klubs bestimmt wird. Die zugrunde liegenden Statistiken sehen Arsenal knapp vor dem Rest der Liga und machen sie damit zum konstant stärksten Team der bisherigen Saison.

Das sollte den Fans Mut machen. In drei der letzten vier Premier-League-Saisons hat das Team mit der besten xG-Differenz am Ende auch den Titel geholt. Die einzige Ausnahme war die Saison 2023/24, in der Manchester City Meister wurde, obwohl Arsenal in den Kennzahlen leicht vorne lag.

In dieser Saison dominiert Arsenal die Spiele nicht mehr im selben Ausmaß wie vor zwei Jahren. Gleichzeitig hat City nicht durchgehend das gnadenlose Niveau erreicht, das Guardiolas beste Mannschaften einst auszeichnete. Diese Verringerung des Leistungsunterschieds erklärt mit, warum das Titelrennen so offen ist.

Der Kampf um die Champions-League-Plätze

Hinter den beiden Topteams ist der Kampf um die Qualifikation zur Champions League hart umkämpft. Während einige Plätze bereits fast vergeben scheinen, könnten ein oder zwei verbleibende Plätze zwischen Liverpool, Manchester United, Newcastle und Chelsea entschieden werden.

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Dass Manchester United weit oben im xG-Ranking steht, mag einige überraschen – besonders nach dem Abgang von Rúben Amorim, dessen Siegquote in der Premier League bei nur 32 % lag. Doch die Leistungsdaten zeigen, dass sich das Team in seinen letzten Monaten unter ihm stetig verbessert hat.

Interimstrainer Michael Carrick hat nun eine Mannschaft übernommen, deren jüngste Kennzahlen eher denen eines Top-Sechs-Klubs gleichen – auch wenn sich das bisher nicht immer sofort in den Ergebnissen widerspiegelt.

Teams, die die Daten über oder untertreffen

Bei den meisten Vereinen stimmt die Punkteausbeute grob mit ihren Leistungswerten überein. Einige Teams aber weichen deutlich vom allgemeinen Trend ab.

Aston Villa und Sunderland haben deutlich mehr Punkte geholt, als ihre xG-Differenz normalerweise erwarten ließe. Laut Opta liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Villa sich für die Champions League qualifiziert, bei 96 %, während Sunderland eine 99%ige Chance hat, dem Abstieg zu entgehen.

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Ihr Erfolg beruht auf Faktoren, die sich nur schwer über längere Zeiträume aufrechterhalten lassen: Villas außergewöhnliche Weitschusstore und die starken Leistungen von Sunderlands Torhüter Robin Roefs. Auch wenn beide Tabellenplätze nicht unverdient sind, legen historische Vergleiche nahe, dass ein solch hoher Wirkungsgrad über mehrere Saisons selten ist.

Fans könnten argumentieren, dass Villas Teams unter Unai Emery regelmäßig die xG-Erwartungen übertreffen, oder dass Sunderlands kollektive Widerstandsfähigkeit von Modellen unterschätzt wird. Doch im Vergleich mit einem Jahrzehnt Premier-League-Daten fallen beide Teams dadurch auf, dass sie auf ungewöhnlich effiziente Weise aus Leistung Punkte machen.

Wenn die Ergebnisse die Leistung einholen

Am anderen Ende des Spektrums zeigen die Wolverhampton Wanderers, wie Ergebnisse mit zeitlicher Verzögerung den tatsächlichen Leistungen folgen können. Obwohl sie lange wie ein Abstiegskandidat wirkten, waren ihre statistischen Kennzahlen besser als es ihre Punkteausbeute zu Beginn der Saison vermuten ließ. Die jüngsten Fortschritte haben ihre Ergebnisse näher an die tatsächlichen Leistungen herangebracht.

Tottenham und Leeds liefern ähnliche Beispiele. Die frühen Ergebnisse zeichneten ein verzerrtes Bild ihres Saisonverlaufs, aber mit der Zeit näherten sich ihre Tabellenplätze den zugrunde liegenden Werten bei Chancenverwertung und -verhinderung an.

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Zahlen mit Vorsicht lesen

Expected Goals sind keine Glaskugel. Sie können weder Selbstvertrauen noch taktische Disziplin oder psychologische Dynamiken, die eine Saison prägen, vollständig erfassen. Aber ihre Aussagekraft über längere Zeiträume hinweg ist gut belegt.

Ob Arsenal seine statistische Überlegenheit in einen Titel ummünzen kann – und ob die derzeit überperformenden Teams dieses Niveau halten können –, sind Fragen, die sich in den letzten Monaten der Saison klären werden.

Quelle: Opta

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Oliver Obel

Ich bin ein leidenschaftlicher Sport-Content-Creator mit klarem Fokus auf Fußball. Für LenteDesportiva verfasse ich hochwertige Inhalte, die informieren, unterhalten und eine starke Verbindung zu Fußballfans auf der ganzen Welt schaffen. Meine Arbeit dreht sich um Spieler-Rankings, Transferanalysen und tiefgehende Reportagen, die den modernen Fußball beleuchten. Ich verbinde ein ausgeprägtes redaktionelles Gespür mit einem tiefen Verständnis für die Entwicklung des Spiels – immer mit dem Anspruch, Inhalte zu liefern, die sowohl Einsicht als auch Emotion vermitteln.