Ein ungewöhnlicher Glücksbringer: Rodrygos Comeback bei Real Madrid
Bis Dezember hatte Real Madrid einen Punkt erreicht, an dem Rotation kein Luxus mehr war. Verletzungen und ein überladener Spielplan zwangen Xabi Alonso zu Anpassungen und eine dieser Änderungen rückte Rodrygo nach Monaten am Rand plötzlich wieder in den Fokus.
Ein deutlicher Kurswechsel im Vergleich zum Sommer, als es so aussah, als würde der brasilianische Angreifer den Verein verlassen.
Eine Zukunft, die anderswo lag
Während des gesamten Transferfensters tauchte Rodrygos Name immer wieder in Spekulationen auf. GOAL.com berichtete, dass Arsenal und Liverpool seine Situation beobachteten, während Marca und AS meldeten, dass auch Manchester City prüfte, ob im Offensivbereich Platz für ihn geschaffen werden könnte für den Fall, dass Madrid ihn freigibt.
Laut Marca war für Rodrygo nicht der Name des möglichen Vereins entscheidend, sondern die Aussicht auf regelmäßige Einsatzzeiten. Trotz seiner Erfolgsbilanz in K.o.-Spielen der Champions League war er in ein Rotationsmuster gerutscht, das kaum Kontinuität bot.
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Real Madrid entschied sich letztlich gegen einen Verkauf. Das Transferfenster schloss mit Rodrygo weiterhin im Bernabéu aber ohne Klarheit über seine Rolle.
Momente ohne festen Platz
Seit seiner Ankunft von Santos im Jahr 2019 hat Rodrygo wichtige Tore erzielt, ohne sich je dauerhaft einen Stammplatz sichern zu können. Selbst in Spielzeiten mit konstant guten Leistungen schwankte sein Einsatz von Woche zu Woche.
Diese Unsicherheit verstärkte sich gegen Ende der vergangenen Saison. Nach dem März nahm seine Spielzeit deutlich ab inklusive einer Partie auf der Bank beim titelentscheidenden Clásico gegen Barcelona. Laut El País kam diese Entscheidung für Teile der Mannschaft überraschend. Carlo Ancelotti erklärte sie später als „technische Entscheidung“ und betonte, Rodrygo sei weiterhin „ein besonderer Spieler“.
Kurz darauf folgte Ancelottis Abschied. Der Trainerwechsel führte zunächst nicht zu einer veränderten Rolle für Rodrygo.
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Ein System mit wenig Spielraum
Unter Xabi Alonso sind die Rollen klar definiert. Wie Relevo in seiner taktischen Analyse erläutert hat, sollen Flügelspieler entweder das Spielfeld breit machen oder gezielt in die Mitte ziehen. Rodrygo, der selbst einmal sagte, er spiele lieber in zentraler Position etwa als hängende Spitze oder Zehner erfüllt keine dieser Anforderungen auf natürliche Weise.
Zu Beginn der Saison setzte Alonso eher auf Spieler, die klar umrissene Anweisungen präzise umsetzen konnten. Kylian Mbappé hingegen erhielt weitgehende Freiheiten im Angriff. Rodrygo, der zwischen verschiedenen Spielertypen lag, fand sich in der Anfangsphase meist auf der Bank wieder.
Es war weniger eine Frage des Vertrauens als des passenden Profils.
Wenn die Umstände eingreifen
Der Wendepunkt kam, als Mbappé vor dem Champions-League-Spiel gegen Manchester City ausfiel. Alonso stellte um, Rodrygo stand in der Startelf und obwohl Real verlor, war er der auffälligste Offensivspieler seiner Mannschaft.
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Nach seinem Treffer suchte er sofort seinen Trainer. „Ich bin zu Xabi gelaufen, um den Zusammenhalt der Mannschaft zu zeigen“, sagte Rodrygo danach. „Mir war klar, dass dieser Moment wichtig war.“
Die Dynamik setzte sich fort. Ein spätes Siegtor gegen Alavés folgte, danach ein starker Auftritt vor der Winterpause. Gegen Real Betis lieferte er zwei Assists in einem Spiel, das laut AS als bisher überzeugendste Vorstellung unter Alonso galt.
In vier Startelfeinsätzen war Rodrygo direkt an sechs entscheidenden Aktionen beteiligt: zwei Tore, drei Vorlagen und ein herausgeholter Elfmeter.
Die offene Frage
All das löst jedoch nicht das strukturelle Dilemma bei Real Madrid. Die Offensive ist weiterhin überbesetzt, und das Gleichgewicht wird fragil, wenn zu viele Angreifer ähnliche Räume beanspruchen.
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Alonso äußerte sich zuletzt offen zur Unsicherheit: „Das ist meine Entscheidung … Ich schließe nichts aus.“ Da Rodrygos Vertrag in seine letzte Phase eintritt und junge Spieler um Einsatzzeit drängen, bleibt seine Position ungewiss.
Fürs Erste hat sich Rodrygo wieder in die Diskussion gebracht nicht als gesetzter Stammspieler, sondern als Lösung, wenn taktische Strukturen der Not weichen müssen. Ob dieses Comeback seine langfristige Zukunft in Madrid sichert oder nur einen Abschied hinauszögert, bleibt offen.
Quellen: GOAL.com, Marca, AS, El País, Relevo
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