Erling Haalands Torflaute hat eine einfache Erklärung
Manchester Citys Champions-League-Reise zu Bodo/Glimt kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für ihren zuverlässigsten Torjäger. Gegner, Platzverhältnisse und Schauplatz sind ungewohnt doch die Aufmerksamkeit, die Erling Haaland zuteilwird, ist altbekannt.
Diesmal steht jedoch nicht seine Torquote, sondern seine Form im Mittelpunkt der Diskussion.
Erschöpfung vor Emotion
Citys Besuch in Nordnorwegen hat eine symbolische Bedeutung. Wie GOAL.com berichtete, könnte Haaland der erste norwegische Spieler werden, der in der Champions League gegen einen norwegischen Klub trifft ein historischer Moment in seiner Heimat. Doch die emotionale Komponente des Heimkehrens wird von einer klaren sportlichen Sorge überschattet.
Haaland hat in seinen letzten sieben Spielen nur ein einziges Tor erzielt einen Elfmeter gegen Brighton und war beim deutlichen Derbyverlust gegen Manchester United weitgehend unsichtbar. Seine Laufwege waren eingeschränkt, die Zuspiele spärlich, sein Einfluss minimal ein seltener Anblick bei einem Stürmer, der normalerweise durch pure Präsenz die Abwehrreihen überfordert.
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Eine Saison ohne Verschnaufpause
Der Kontext dieses Formtiefs ist entscheidend. Haaland hat in dieser Saison 30 der 32 Spiele von City bestritten und dabei mehr Einsatzminuten gesammelt als jeder andere Spieler im Kader von Pep Guardiola. Rotation sonst ein zentrales Mittel von Guardiola war schwer umzusetzen.
In der Champions-League-Tabelle geht es eng zu, der Spielraum für Fehler ist gering. Die knappe Qualifikation fürs Achtelfinale in der vergangenen Saison, gefolgt vom Aus vor den letzten 16, hat Guardiola vorsichtiger gemacht. Seinen Top-Torjäger zu schonen, ist ein Risiko, das er bislang nicht eingehen wollte.
Notwendigkeit statt Entscheidung
Auch Haalands hohe Belastung ist dem Umstand geschuldet. Durch Omar Marmoushs Einzug mit Ägypten ins Halbfinale des Afrika-Cups fehlte City eine natürliche Alternative im Sturmzentrum. Folglich musste Haaland in allen Wettbewerben von Beginn an ran auch in Pokalspielen, bei denen er sonst meist geschont wird.
Vor dem Manchester-Derby hatte Guardiola die Belastung eingeräumt. Er bezeichnete Haaland als „erschöpft“ und gab zu, dass seine eigene Kaderplanung dazu beigetragen habe, da Marmoush zu Saisonbeginn kaum Einsatzzeit erhielt.
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Wechselnder Boden, gleiche Anforderungen
City hat seine Reisepläne angepasst, um sich auf den Kunstrasen von Bodo/Glimt vorzubereiten, und ist früher angereist, um im Aspmyra Stadion zu trainieren. Eine solche Spielfläche begegnet dem Team nur selten, auch wenn Haaland auf ähnlichem Belag bereits erfolgreich war etwa mit zwei Toren gegen die Young Boys im Jahr 2023.
Ob ihm diese Erfahrung diesmal zugutekommt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Haalands gewohnte Durchschlagskraft die permanente Gefahr im Strafraum, die Vielzahl hochwertiger Chancen hat nach sechs Spielen in 17 Tagen spürbar nachgelassen.
Wertvolle Ressource managen
Guardiola hat darauf geachtet, die Situation nicht als Krise darzustellen. „Wir brauchen Erling wie alle anderen auch. Erling ist sehr wichtig für uns. Wir können froh sein, dass wir ihn in dieser Saison haben, angesichts dessen, was er geleistet hat“, sagte er.
Gerade wegen dieser Bedeutung könnte es notwendig sein, ihn zu schützen. Haalands beeindruckende Bilanz von 24 Toren in 23 Spielen zu Saisonbeginn rechtfertigte die hohe Einsatzzeit doch selbst der körperlich stärkste Stürmer hat Grenzen.
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Es ist nicht das erste Mal, dass Haaland eine torlose Phase durchlebt, und die Vergangenheit zeigt: Die Tore werden zurückkehren. Die Frage für City ist vielmehr, ob es nicht klüger wäre, ihn jetzt zu entlasten um so die Effizienz zurückzuerlangen, auf die das Team angewiesen ist.
Quelle: GOAL.com
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