Internationale Judo Föderation lässt russische Athleten wieder zu
Russland kehrt mit Flagge und Hymne zurück
Laut AFP heißt es in dem Bericht von The Moscow Times über die Entscheidung, dass die Internationale Judo Föderation beschlossen hat, russische Athleten wieder unter nationaler Flagge, mit Hymne und offiziellen Insignien starten zu lassen. Der Verband bestätigte den Schritt auch in seinem eigenen Beitrag, „Sport: The Last Bridge for Reconciliation and Peace“, und erklärte, dass die Regelung ab dem Abu Dhabi Grand Slam 2025 gelten werde. Damit endet der Neutralstatus, unter dem russische Judoka seit den sportpolitischen Folgen des russischen Großangriffs auf die Ukraine antreten mussten.
In der von AFP wiedergegebenen Erklärung des Verbands heißt es, dass das Exekutivkomitee beschlossen habe, russischen Athleten wieder den Start unter ihrer nationalen Flagge zu erlauben, einschließlich Hymne und Abzeichen, beginnend mit dem Grand Slam in Abu Dhabi 2025. Der Schritt ist mehr als eine kleine Lockerung, sondern eine vollständige Rückkehr zur sichtbaren nationalen Repräsentation im Judo.
Moskau wertet die Entscheidung als symbolischen Erfolg
In Russland wurde die Entscheidung schnell begrüßt. Laut AFP, zitiert im Bericht von The Moscow Times, bezeichnete Sportminister Michail Degtjarjow Judo als eine der beliebtesten Sportarten des Landes und nannte es eine „Sportart des Präsidenten“, ein klarer Verweis auf Wladimir Putins langjährige öffentliche Nähe zu diesem Sport. Auch Sergej Solowejtschik, Präsident des Russischen Judo Verbands, sprach von einer „historischen“ Entscheidung und wertete sie als wichtigen Schritt zurück in den internationalen Wettbewerb.
Diese Reaktion zeigt, dass es in Moskau nicht nur um eine sportliche Formalie geht. Judo hat in Russland seit Jahren einen besonderen symbolischen Stellenwert, auch weil der Kreml den Sport immer wieder mit staatlichem Prestige verknüpft hat. Dass nun wieder Flagge und Hymne erlaubt sind, wird deshalb nicht bloß als Verbandsentscheidung verstanden, sondern auch als politisches Signal und als Zeichen internationaler Anerkennung.
Lesen Sie auch: Cristiano Ronaldo dämpft die Diskussion um 2030, bestätigte Berichte sprechen für einen Abschied 2026
Der Kurswechsel reicht über den Judo Sport hinaus
Die Internationale Judo Föderation erklärte, ihre Entscheidung stehe auch im Zusammenhang mit der Wiederzulassung belarussischer Athleten unter voller nationaler Repräsentation. In ihrer eigenen Erklärung argumentierte sie, russische Sportler sollten nun wieder „unter gleichen Bedingungen“ teilnehmen dürfen, und fügte hinzu, Russlands Rückkehr werde den Wettbewerb im Weltjudo stärken. Damit gehört Judo zu jenen Sportarten, in denen die Verbände inzwischen weiter gehen als das olympische System.
Dass sich die internationale Sportlandschaft dabei uneinheitlich entwickelt, zeigt der Vergleich mit dem IOC. In der Entscheidung des IOC zu den strengen Zulassungsvoraussetzungen für Paris 2024 hieß es, russische und belarussische Athleten dürften nur als individuelle neutrale Athleten und nur unter klaren Auflagen antreten. Gerade dieser Unterschied macht die Entscheidung im Judo so bemerkenswert, weil einige Verbände inzwischen bereit sind, nationale Symbole wieder zuzulassen, während das IOC deutlich vorsichtiger bleibt.
Abu Dhabi wird nun zum ersten Belastungstest
Der Verband verteidigte seinen Kurs mit dem Argument, dass Athleten nicht für die Entscheidungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden sollten. In dem oben verlinkten Beitrag der IJF heißt es sinngemäß, der Sport sei die letzte Brücke, die Menschen und Nationen in schwierigen Konfliktlagen noch verbinde, und Sportler trügen keine Verantwortung für staatliche Entscheidungen. Diese Haltung ist aus Debatten im Weltsport bekannt, bekommt hier aber sofort eine sehr konkrete Bedeutung, weil russische Judoka nun nicht länger ohne Flagge und Hymne antreten müssen.
Der erste sichtbare Test dieser neuen Linie wird der Grand Slam in Abu Dhabi sein, den die IJF selbst als Auftakt der Wiederzulassung genannt hat. Was dort geschieht, dürfte auch außerhalb des Judo aufmerksam verfolgt werden. Andere Verbände, Athleten und nationale Komitees werden genau beobachten, ob dieser Schritt eine Ausnahme bleibt oder ob er Teil einer breiteren Rückkehr Russlands in den internationalen Sport wird.
Lesen Sie auch: Englischer Verein droht Punktabzug nach Vorwurf der EFL
Quellen: AFP über den Bericht von The Moscow Times, der IJF Beitrag „Sport: The Last Bridge for Reconciliation and Peace“ sowie der IOC Beitrag „Strict eligibility conditions in place as IOC EB approves Individual Neutral Athletes for the Olympic Games Paris 2024“.
Lesen Sie auch: Italiens WM, Hoffnung lebt wegen Irans ungewisser Lage plötzlich wieder auf
