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Tränengas, misstrauen und reisende fans

Französische Stadien bereiten sich erneut auf englische Auswärtsfans vor, doch unter den Reisenden herrscht wenig Zuversicht. Fast drei Jahre nach den chaotischen Szenen rund um das Champions League Finale 2022 in Paris sind die Sorgen um den Umgang mit Fangruppen nicht verschwunden.

Laut The Athletic sehen Fanorganisationen und Experten für Menschenmengen kaum Anzeichen dafür, dass die damaligen Lehren das heutige Vorgehen der Behörden nachhaltig verändert haben.

Eine Warnung aus Paris, die nachhallt

Eine unabhängige Untersuchung zum Champions League Finale 2022 im Stade de France kam zu dem Schluss, es sei bemerkenswert, dass niemand ums Leben gekommen sei. Laut dem Bericht, der von der UEFA in Auftrag gegeben und später von The Athletic aufgegriffen wurde, trugen organisatorische Versäumnisse maßgeblich zur Eskalation bei, wobei die Hauptverantwortung bei der UEFA lag.

Deutlich kritisiert wurde auch das polizeiliche Vorgehen. Die Prüfer beschrieben ein fehlerhaftes Einsatzmodell, das stark auf Tränengas und Pfefferspray setzte, Mittel, die laut Bericht bei einer Fußballveranstaltung keinen Platz haben sollten.

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Viele Unterstützergruppen sahen darin damals die Chance auf grundlegende Reformen. Spätere Spiele deuten jedoch darauf hin, dass sich wenig geändert hat.

Wiederkehrende Vorfälle bei Europapokalspielen

In den vergangenen zwölf Monaten berichteten englische Fans bei mehreren Spielen in Frankreich von ähnlichen Erfahrungen. Laut Berichten von The Athletic wurden Anhänger von Manchester United nach einem Europa League Spiel in Lyon mit Tränengas konfrontiert. Newcastle United Fans schilderten harte Polizeimaßnahmen nach einer Champions League Partie in Marseille, während Crystal Palace Anhänger vom Einsatz von Pfefferspray außerhalb des Stadions in Straßburg berichteten.

Ronan Evain, Geschäftsführer von Football Supporters Europe, sagte gegenüber The Athletic, der Ansatz der französischen Polizei sei veraltet. Seiner Ansicht nach verschärfe ein aggressives Auftreten die Situation eher, als sie zu beruhigen.

Auch der Crowd Psychologie Experte Professor Clifford Stott von der Keele University äußerte sich in ähnlicher Weise. Laut seinen Aussagen setze die Polizei zu stark auf Kontrolle statt auf Kommunikation.

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Wenn Sicherheitskonzepte zur Gefahr werden

Der Newcastle Fan Steve Mallam schilderte seine Erlebnisse nach dem Spiel in Marseille. Laut seinem Bericht, veröffentlicht von The Athletic, wurden Fans über längere Zeit in überfüllten Stadionbereichen festgehalten.

„Es gab nicht genug Platz, wir standen Schulter an Schulter und waren kurz davor, zerdrückt zu werden“, sagte Mallam. Zeitweise sei er durch den Druck der Menge von den Füßen gehoben worden. Ein einzelner Sturz hätte schwere Folgen haben können.

Newcastle United reichte später eine offizielle Beschwerde ein und sprach von unverhältnismäßiger Gewalt. Die Untersuchungen dauern weiterhin an.

Warum Behörden auf Härte setzen

Französische Behörden verweisen regelmäßig auf Gewaltprobleme im nationalen Fußball, um strenge Maßnahmen zu rechtfertigen. Laut Associated Press erklärte der damalige Innenminister Gérald Darmanin, dass in der Saison 2022 bis 2023 mehr als 100 Polizeibeamte bei fußballbezogenen Einsätzen verletzt worden seien.

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In der Folge wurden Reisebeschränkungen, begleitete Fantransporte und teilweise vollständige Auswärtsfanverbote häufiger. Bayern München bezeichnete vergleichbare Auflagen im vergangenen Jahr als inakzeptabel. Auch Freiburgs Trainer Julian Schuster kritisierte öffentlich die Bedingungen, unter denen Fans reisen mussten.

Vertrauen als fehlender Faktor

Der Bericht zum Finale in Paris zog Parallelen zur Hillsborough Katastrophe von 1989 und stellte fest, dass beide Ereignisse vermeidbar gewesen seien. Fans seien in gefährliche Situationen gedrängt worden, während Entscheidungen ohne ausreichende Abstimmung getroffen worden seien.

Professor Stott sagte später laut The Athletic, das Vorgehen der Polizei habe potenziell lebensgefährliche Risiken geschaffen. Er betonte zudem, dass viele Entscheidungen ohne transparente Kontrolle getroffen worden seien.

Während Liverpool erneut in Marseille antritt, reisen viele Anhänger mit Vorsicht statt Vorfreude. Laut The Athletic geht es längst nicht mehr um einzelne Zwischenfälle, sondern um ein System, das bislang kaum Bereitschaft zeigt, aus früheren Fehlern zu lernen.

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Quellen: The Athletic, Associated Press

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