Schlimmer als die Super League
Aleksander Ceferin hat seine bisher schärfste Abrechnung mit Gianni Infantino geliefert. Das gescheiterte Projekt FIFA Forward Enterprise sei sogar gefährlicher gewesen als die europäische Super League, die 2021 nach massiven Protesten zusammenbrach.
Der Plan sah vor, eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft mit kommerziellen Rechten an FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu verkaufen. Dazu sollten auch Einnahmen rund um die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie die Klub-WM gehören.
„Ich bin absolut sicher, dass der Plan tot ist“, sagte Ceferin in einem Interview, aus dem The Guardian zitierte. Bei der Super League hätten große Klubs eine eigene Liga gründen wollen. Hier wäre der Fußball nach seinen Worten jedoch „buchstäblich verkauft“ worden.
Laut AP sollte der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung bis zu 4,2 Milliarden Dollar einbringen. Zahlungen von ungefähr 20 Millionen Dollar an jeden der 211 FIFA-Mitgliedsverbände waren vorgesehen, während die neue Struktur bis 2038 Einfluss auf wichtige Vermarktungsrechte erhalten hätte.
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Der DFB unterstützte Europas Widerstand
Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände lehnten das Projekt einstimmig ab und drohten mit einem Boykott aller FIFA-Wettbewerbe. Damit stand auch der DFB hinter der gemeinsamen europäischen Linie, die Infantino schließlich zum Rückzug zwang.
Die Drohung hätte auch die deutsche Nationalmannschaft betroffen und schloss Weltmeisterschaften sowie weitere FIFA-Turniere ein. Sie blieb nach dem Rückzug zunächst bestehen, weil Europa dauerhafte Zusicherungen gegen einen neuen Investorenplan verlangte.
FIFA nahm den Vorschlag am 1. August zurück. In ihrer offiziellen Erklärung verlangte die UEFA danach verbindliche Garantien gegen private Beteiligungen und eine grundlegende Untersuchung der internen Abläufe.
Ceferin sagte zudem, dass er seit Beginn des Konflikts keinen Kontakt zu Infantino hatte. Aus seiner Sicht kann der FIFA-Präsident entweder erkennen, dass ihm die Unterstützung weiter Teile des Fußballs fehlt, oder bei der Wahl im März 2027 gegen einen ernsthaften Rivalen antreten.
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Ceferin will den Posten nicht selbst
Obwohl er den Widerstand anführt, schloss Ceferin eine eigene Kandidatur aus. Seine Glaubwürdigkeit sei deutlich größer, wenn nicht der Eindruck entstehe, dass er Infantino lediglich verdrängen wolle, um dessen Amt selbst zu übernehmen.
Als möglicher Herausforderer wird Victor Montagliani gehandelt. Der Kanadier führt den Kontinentalverband Concacaf, der sich ebenso wie Europa und der asiatische Verband AFC gegen Infantinos Projekt gestellt hat.
Laut L’Équipe weiß Ceferin noch nicht, wer antreten könnte. Er ist jedoch überzeugt, dass Infantino einen Gegenkandidaten erhalten wird, falls er seine seit 2016 andauernde Präsidentschaft verlängern will.
Die Bewerbungsfrist endet am 18. November. Bis dahin müssen die Gegner des FIFA-Chefs entscheiden, ob sie sich tatsächlich hinter einem gemeinsamen Namen versammeln können.
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