FIFA schlägt gegen die UEFA zurück
Der politische Kampf an der Spitze des Weltfußballs ist in eine neue und zunehmend feindselige Phase eingetreten. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin führt den Widerstand gegen Gianni Infantino an, während die FIFA dem europäischen Dachverband vorwirft, ihre Führung mit einer koordinierten Kampagne beschädigen zu wollen.
Im Zentrum des Streits steht das inzwischen aufgegebene Projekt FIFA Forward Enterprise. Es sah vor, die kommerziellen und operativen Turniergeschäfte der FIFA in einer neuen Tochtergesellschaft zu bündeln und private Investoren an dem Unternehmen zu beteiligen. Die UEFA trug entscheidend dazu bei, den Vorschlag zu stoppen, beendete ihren Widerstand jedoch nicht, als Infantino den Plan Anfang August zurückzog.
Die FIFA hat nun in ungewöhnlich scharfer Form reagiert. Laut Associated Press beschuldigt der Weltverband die UEFA, durch Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten eine „Schmutzkampagne“ zu betreiben, um Dokumente im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorenprojekt zu erhalten.
Die Anwälte der FIFA argumentieren, dass die UEFA ihre kommerzielle Vormachtstellung in Europa schützen und zusätzliche Investitionen in kleinere Fußballnationen verhindern wolle. Die UEFA bewertet die Angelegenheit vollkommen anders und sieht in dem Vorschlag den gefährlichen Versuch, Teile der Weltmeisterschaft und die wirtschaftliche Zukunft der FIFA in die Hände externer Investoren zu legen.
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Čeferin zieht den Vergleich zur Super League
Čeferin hat deutlich gemacht, dass er Infantinos Vorschlag für eine noch größere Gefahr hält als das Projekt einer europäischen Super League, das 2021 gestoppt wurde. Der Vergleich ist besonders bedeutend, weil der erfolgreiche Kampf gegen die abtrünnige Liga zu den prägendsten Momenten seiner Amtszeit als UEFA-Präsident gehört.
In einem von Reuters zitierten Interview bezeichnete Čeferin das FIFA-Projekt als „noch schlimmer als den Plan für die Super League“. Während bei der Super League eine Gruppe mächtiger Vereine einen eigenen Wettbewerb schaffen wollte, ging Infantinos Vorschlag seiner Ansicht nach noch weiter.
„Der Fußball würde buchstäblich verkauft“, warnte Čeferin.
Mit dieser Aussage stellt sich der UEFA-Präsident an die Spitze eines Widerstands, der längst nicht mehr auf Europa beschränkt ist. Neben der UEFA lehnten auch der Asiatische Fußballverband und die Concacaf das Projekt ab. Mehrere nationale Verbände verlangen zudem eine umfassende Untersuchung darüber, wie der Plan entwickelt wurde und wer von ihm profitiert hätte.
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Es ging um Milliarden
Die FIFA präsentierte ihr Projekt als Möglichkeit, den finanziellen Abstand zwischen reichen Fußballnationen und kleineren Verbänden zu verringern. FIFA Forward Enterprise sollte die kommerziellen Rechte aus Übertragungen, Sponsoring, Lizenzen, Ticketverkäufen und Turnierorganisation in einer gemeinsamen Gesellschaft bündeln.
Nach der ursprünglichen Ankündigung der FIFA sollte die neue Tochtergesellschaft bis zu 4,2 Milliarden Dollar von Minderheitsinvestoren einwerben. Grundlage war eine anfängliche Bewertung von ungefähr 20 Milliarden Dollar. Die FIFA betonte, sie werde die Kontrolle über das Unternehmen und sämtliche sportlichen Entscheidungen behalten.
Mit dem Geld sollten die Entwicklungsausgaben deutlich erhöht werden. Jeder der 211 FIFA-Mitgliedsverbände hätte Zugang zu zusätzlichen 20 Millionen Dollar für besondere Projekte erhalten können. Gleichzeitig sollte die reguläre Unterstützung für den Zeitraum von 2027 bis 2030 von acht auf 20 Millionen Dollar pro Verband steigen.
Infantino argumentiert deshalb, dass seine Gegner ärmeren Ländern Mittel für Stadien, Trainingszentren, Jugendfußball und Frauenwettbewerbe vorenthielten. Er stellt den Konflikt als Auseinandersetzung zwischen dem wohlhabenden europäischen Fußball und dem Rest der Welt dar.
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Čeferin weist diese Darstellung zurück. Er betonte, dass sich nicht nur mächtige Verbände wie England und Deutschland gegen das Projekt stellten. Auch kleinere Nationen wie San Marino, Zypern und Liechtenstein lehnten den Vorschlag ab, obwohl die versprochenen Summen einen erheblichen Teil ihrer jährlichen Etats ausgemacht hätten. Ihre Botschaft lautete laut Čeferin: „Wir stehen nicht zum Verkauf.“
Infantino könnte einen Gegenkandidaten bekommen
Der Streit beschränkt sich längst nicht mehr auf das aufgegebene Investorenprojekt. Der Blick richtet sich auf die FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027, bei der Infantino zuvor gute Chancen auf eine weitere Amtszeit ohne ernsthaften Gegenkandidaten hatte.
Čeferin hält dieses Szenario inzwischen für unwahrscheinlich. Infantino müsse entweder erkennen, dass er die politische Unterstützung der breiteren Fußballgemeinschaft verloren habe, oder bei der Wahl gegen einen Herausforderer antreten. Noch wurde kein Gegenkandidat offiziell benannt, doch Concacaf-Präsident Victor Montagliani gilt als mögliche Persönlichkeit, die Unterstützung aus mehreren Kontinentalverbänden sammeln könnte.
Čeferin hat eine eigene Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft ausgeschlossen. Er erklärte, dass seine Position als Kritiker stärker sei, wenn sich sein Widerstand nicht als persönlicher Versuch darstellen lasse, Infantino selbst abzulösen. „Meine Glaubwürdigkeit ist viel, viel, viel höher, wenn ich nicht an dem Posten interessiert bin“, sagte er.
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Diese Entscheidung ermöglicht es Čeferin, als Organisator der Opposition aufzutreten, ohne ihr Kandidat zu sein. Die UEFA kontrolliert beim FIFA-Kongress 55 Stimmen, doch für eine Ablösung Infantinos wäre eine breitere Koalition unter den 211 Mitgliedsverbänden notwendig. Die Unterstützung der Concacaf und des asiatischen Verbands könnte daher
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