Fahrer stellen die Startprozedur infrage
Der Große Preis der Niederlande geriet praktisch unmittelbar nach dem Start ins Chaos. Kurz zuvor war Regen über Zandvoort gezogen, wodurch große Teile der Strecke trocken genug für Slickreifen waren, während einzelne Abschnitte deutlich nasser blieben. Laut Motorsport.com kritisierten Pierre Gasly, Liam Lawson und weitere Fahrer die Entscheidung der FIA, die Formationsrunde hinter dem Safety-Car zu absolvieren und danach trotzdem einen normalen stehenden Start durchzuführen. Motorsport.com: Fahrer kritisieren die FIA-Startprozedur in Zandvoort
Im Mittelpunkt stand die Reifentemperatur. Hinter einem Safety-Car können die Fahrer deutlich weniger aggressiv fahren als während einer normalen Formationsrunde, wodurch sie weniger Wärme in die Slicks bringen konnten. Gasly erklärte, er hätte „eine normale Ausfahrt bevorzugt, damit wir etwas schneller hätten fahren können“. Lawson wurde noch deutlicher: „Einen stehenden Start zu machen und gleichzeitig eine Runde hinter dem Safety-Car zu fahren, ergibt keinen Sinn.“
Das wurde zum Problem, weil sich die Bedingungen innerhalb einer Runde extrem unterschieden. Große Teile der Strecke waren bereits abgetrocknet, während die letzte Kurve weiterhin außergewöhnlich nass war. Gabriel Bortoleto erklärte später, dieser Abschnitt habe sich praktisch wie eine Stelle für Regenreifen angefühlt, obwohl Slicks auf dem restlichen Kurs die richtige Wahl waren.
Deshalb entschied sich die FIA für das Safety-Car
Die Rennleitung traf die Entscheidung allerdings nicht ohne vorherige Prüfung. Motorsport.com berichtet, dass die FIA kurz vor dem Start sogar das Medical Car auf eine zusätzliche Erkundungsrunde schickte, was normalerweise nicht geschieht. Die Rückmeldung lautete, dass in den Kurven zwei und drei noch stehendes Wasser vorhanden war, wobei die überhöhte Hugenholtz-Kurve besondere Sorge bereitete.
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Auf Grundlage dieser Informationen hielt die FIA eine Formationsrunde hinter dem Safety-Car für die sicherere Variante. Die Lösung hatte zudem einen taktischen Vorteil für die Rennleitung: Sowohl ein stehender als auch ein rollender Start blieben möglich. Hätte sich das Wasser als zu gefährlich erwiesen, hätte das Rennen direkt hinter dem Safety-Car gestartet werden können.
RacingNews365 berichtet, dass der Regen rund 45 Minuten vor dem Start einsetzte und sich schließlich alle Fahrer für Slicks entschieden, weil sich die Bedingungen verbesserten. Die FIA musste also auf eine Strecke reagieren, deren Zustand sich innerhalb kurzer Zeit stark veränderte. RacingNews365: So entwickelte sich der chaotische Dutch GP
Verstappen nimmt den Fehler auf sich
Die Kritik der Fahrer bedeutet nicht, dass Verstappen die FIA für seinen Unfall verantwortlich machte. Der viermalige Weltmeister startete von Platz sieben und überstand zunächst eine enge Anfangsphase. In der schnellen überhöhten Schlusskurve kam sein Red Bull jedoch auf den feuchteren inneren Bereich, verlor das Heck und schlug heftig in die äußere Barriere ein.
Der offizielle Formel-1-Bericht bestätigte, dass Verstappen den heftigen Einschlag unverletzt überstand. Nach dem Rennen machte er äußere Umstände nicht verantwortlich, sondern räumte ein, die verfügbare Haftung falsch eingeschätzt zu haben. Gleichzeitig bezeichnete er sowohl die Geschwindigkeit seines Red Bull als auch das Ende des Wochenendes als enttäuschend. Formula 1: Verstappen reagiert auf seinen Zandvoort-Crash
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Der Unfall führte bereits nach der ersten Runde zur Roten Flagge und beendete Verstappens vorerst letzten Formel-1-Heim-Grand-Prix in Zandvoort. Nach dem Neustart gewann Lando Norris das Rennen vor Kimi Antonelli und George Russell. Formula 1: Offizieller Rennbericht aus Zandvoort
Verstappen war nicht der einzige Fahrer
Für die Diskussion über die FIA ist entscheidend, dass Verstappens Kontrollverlust kein Einzelfall blieb. Wenige Augenblicke später verlor auch Bortoleto in derselben Kurve die Kontrolle. Sein Audi drehte sich über die Strecke und entging nur knapp einer Kollision mit Teamkollege Nico Hülkenberg.
Lawson erklärte, er habe dort bewusst wesentlich mehr Sicherheitsreserve gelassen, weil er kaum Vertrauen in die Haftung hatte. Carlos Sainz vertrat wiederum die Ansicht, dass selbst ein rollender Start das Problem möglicherweise nicht verhindert hätte, weil die Fahrer die extrem nasse Kurve trotzdem einzeln hätten durchfahren müssen.
Damit steht die FIA vor einer komplexeren Frage als der einfachen Behauptung, sie habe Verstappens Unfall verursacht. Der Niederländer hat seinen Fehler selbst eingeräumt. Diskutiert wird vielmehr, ob eine Sicherheitsmaßnahme, die das Aufwärmen der Slickreifen erschwerte, tatsächlich die beste Lösung war, während ein einzelner Streckenabschnitt deutlich nasser blieb.
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