Fußball

Warum England die Weltmeisterschaft 2026 wahrscheinlich nicht boykottieren wird

Während die Debatte darüber zunimmt, ob politische Entwicklungen in den Vereinigten Staaten Auswirkungen auf die Teilnahme an der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 haben sollten, könnten England und andere bereits qualifizierte Nationen feststellen, dass ihre Handlungsspielräume weniger durch Prinzipien als vielmehr durch das Vertragsrecht begrenzt sind.

Das Turnier, das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen werden soll, ist nach der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Zu den von Fans und Fußballverbänden geäußerten Bedenken zählen unter anderem Maßnahmen zur Durchsetzung der Einwanderungspolitik, Reisebeschränkungen sowie allgemeinere außenpolitische Positionen der USA.

Obwohl diese Themen die öffentliche Diskussion angeheizt haben, hat bislang kein nationaler Verband formelle Schritte unternommen, um sich aus dem Wettbewerb zurückzuziehen. Auch die FIFA hat keine Hinweise darauf gegeben, dass der Ausschluss von Mannschaften in Erwägung gezogen wird.

Die rechtlichen Verpflichtungen hinter der Qualifikation

Ein Grund für diese Zurückhaltung könnte im rechtlichen Rahmen liegen, der große internationale Turniere umgibt. Nach Ansicht von Professor Simon Chadwick, einem Sportökonomie-Analysten, der die FIFA und führende Klubs beraten hat, ist die Qualifikation nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern zugleich der Eintritt in rechtlich bindende Verpflichtungen.

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Im Gespräch mit SPORTbible erklärte Chadwick, dass nationale Verbände in der Regel vertragliche Vereinbarungen mit der FIFA und den Turnierorganisatoren eingehen, sobald die Qualifikation gesichert ist.

„Ich weiß nicht, ob der Vertrag bereits unterzeichnet wurde, aber implizit … gibt es einen Vertrag“, sagte er. „Und das ist wiederum etwas, dessen sich viele Menschen vielleicht nicht bewusst sind. Man spielt nicht einfach ein paar Spiele, qualifiziert sich und zieht dann weiter.“

Solche Vereinbarungen, so Chadwick, könnten die Verbände Sanktionen aussetzen, falls sie sich einseitig zurückziehen.

„Es wird eine vertragliche Vereinbarung zwischen der FIFA, dem Turnier und einem nationalen Verband wie dem englischen Fußballverband geben“, erklärte er. „Wenn man sich also einseitig dazu entscheidet, den bestehenden Vertrag zu brechen, kann es potenziell zu Sanktionen kommen.“

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Deutschlands Haltung und die Grenzen kollektiven Handelns

Das Thema rückte in dieser Woche verstärkt ins öffentliche Interesse, nachdem der Deutsche Fußball-Bund interne Gespräche darüber geführt hatte, ob ein Boykott angebracht wäre. Der DFB bestätigte später jedoch, dass die Nationalmannschaft am Turnier teilnehmen werde.

Chadwick, der auch als Kommentator für GeoSport schreibt, sagte, dieser Vorgang verdeutliche, warum ein koordinierter Boykott weiterhin unwahrscheinlich sei. Mehrere Länder hinter einer gemeinsamen politischen Position zu vereinen, sei angesichts unterschiedlicher nationaler Interessen und rechtlicher Zwänge äußerst schwierig.

Und die Spieler?

Auch die Frage, ob einzelne Spieler aus persönlichen Gründen auf eine Teilnahme verzichten könnten, wurde diskutiert. Chadwick deutete an, dass ein solches Szenario eher Verhandlungen als unmittelbare Strafen nach sich ziehen würde, das vertragliche Risiko jedoch bestehen bliebe.

„Ich denke, es würde einen Prozess der Diskussion und des Dialogs [zwischen dem Spieler und] dem englischen Fußballverband geben, [bevor] beide gemeinsam einen Weg finden würden, diese Situation auf möglichst angemessene Weise zu handhaben“, sagte er.

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Er fügte hinzu: „Aber ja, faktisch gesehen gilt: Wenn man als Spieler sagt: ‚Gut, ich steige heute nicht ins Flugzeug, weil ich mit dem, was in den Vereinigten Staaten passiert, nicht einverstanden bin‘, verstößt man technisch gesehen gegen einen Vertrag.“

Derzeit keine Boykottpläne

Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass England, sein Fußballverband oder seine Spieler einen Boykott in Erwägung ziehen. Da das Eröffnungsspiel weniger als fünf Monate entfernt ist, hält die Diskussion zwar an, doch das Spannungsverhältnis zwischen politischen Bedenken und vertraglichen Verpflichtungen scheint klar zugunsten einer Teilnahme auszufallen.

SPORTbible hat die FIFA und den englischen Fußballverband um eine Stellungnahme gebeten.

Quellen: SPORTbible, GeoSport

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Oliver Obel

Ich bin ein leidenschaftlicher Sport-Content-Creator mit klarem Fokus auf Fußball. Für LenteDesportiva verfasse ich hochwertige Inhalte, die informieren, unterhalten und eine starke Verbindung zu Fußballfans auf der ganzen Welt schaffen. Meine Arbeit dreht sich um Spieler-Rankings, Transferanalysen und tiefgehende Reportagen, die den modernen Fußball beleuchten. Ich verbinde ein ausgeprägtes redaktionelles Gespür mit einem tiefen Verständnis für die Entwicklung des Spiels – immer mit dem Anspruch, Inhalte zu liefern, die sowohl Einsicht als auch Emotion vermitteln.