Gianni Infantino hat Berichten zufolge versucht, seine enge Beziehung zu Donald Trump zu nutzen, nachdem das politische Nachspiel des aufgegebenen FIFA-Geschäftsmodells seine Zukunft an der Spitze des Weltverbands gefährdet hat. Die in den sozialen Medien verbreitete Behauptung stellt die ursprüngliche Berichterstattung allerdings offenbar auf den Kopf: Infantino soll Unterstützung in Washington gesucht haben, nicht Trump aktiv alles dafür getan haben, ihn im Amt zu halten.
Trump ist zudem der amtierende 47. Präsident der Vereinigten Staaten und nicht, wie in der ursprünglichen Darstellung behauptet, ein ehemaliger Präsident. Das geht aus dem offiziellen Profil des Weißen Hauses hervor.
Laut einem von Al Jazeera veröffentlichten Reuters-Bericht versuchte Infantino wiederholt und ohne Erfolg, Trump zu erreichen, nachdem das Projekt zusammengebrochen war. Der FIFA-Präsident soll sich wegen der negativen Berichterstattung „isoliert“ gefühlt und Unterstützung aus der Trump-Regierung gesucht haben. Die FIFA äußerte sich zunächst nicht zu den Angaben.
Das US-Außenministerium widersprach außerdem der Behauptung, ein Gespräch mit Außenminister Marco Rubio stehe unmittelbar bevor. Laut einem Bericht der Associated Press erklärte der zuständige Staatssekretär Dylan Johnson: „Es gibt keine Pläne für @SecRubio, mit Infantino zu sprechen, und heute Morgen ist kein Anruf vorgesehen.“ Es gibt daher bislang keine bestätigten Hinweise darauf, dass Trump oder seine Regierung eine organisierte Kampagne zum Erhalt von Infantinos Präsidentschaft begonnen haben.
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Die 15-Milliarden-Dollar-Zahl bezog sich auf FIFA-Einnahmen
Auch die Beschreibung des Vorhabens als gescheiterter „15-Milliarden-Dollar-Privatisierungsplan“ ist ungenau. Laut der offiziellen Einnahmenprognose der FIFA bezeichneten die 15 Milliarden Dollar den Betrag, den die gesamten Einnahmen des Verbands im Finanzzyklus von 2023 bis 2026 übersteigen sollten. Es handelte sich weder um den Verkaufspreis noch um die Bewertung der neuen Gesellschaft.
Das geplante Unternehmen FIFA Forward Enterprise sollte vielmehr zunächst mit 20 Milliarden Dollar bewertet werden. Laut der offiziellen Darstellung des Geschäftsmodells durch die FIFA wollte der Verband durch den Verkauf nicht kontrollierender Minderheitsanteile an langfristige private Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar einnehmen.
In der neuen Gesellschaft sollten unter anderem Übertragungsrechte, Sponsoring, Ticketing und Lizenzgeschäfte gebündelt werden. Auch Teile der operativen Durchführung von FIFA-Turnieren wären unter diesem Dach angesiedelt worden. Die FIFA argumentierte, mit den zusätzlichen Einnahmen langfristig mehr Geld in die weltweite Fußballentwicklung investieren zu können.
Kritiker bezeichneten das Modell dennoch als teilweise Privatisierung der Weltmeisterschaft und anderer FIFA-Wettbewerbe. Der Weltverband betonte, die Investoren hätten weder Kontrolle über die Organisation noch über die sportlichen Entscheidungen erhalten. Gegner befürchteten jedoch, dass dauerhafte private Beteiligungen langfristig Einfluss auf Turnierformate, Kalender und kommerzielle Prioritäten ausüben könnten.
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Infantino zieht den Plan nach weltweitem Widerstand zurück
Das Projekt überlebte nur wenige Tage, nachdem seine Details öffentlich geworden waren. In der offiziellen Rückzugserklärung der FIFA räumte Infantino ein, das Vorhaben habe Spaltungen erzeugt, die nicht länger mit seinem ursprünglichen Zweck vereinbar seien. Anschließend erklärte er: „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“
Dem Rückzug war Widerstand von UEFA, Concacaf und dem Asiatischen Fußballverband vorausgegangen. Auch innerhalb der FIFA wuchs die Kritik. Betriebsdirektor Kevin Lamour erklärte, Mitarbeiter hätten sich durch die Art und Weise, wie das Projekt entwickelt worden sei, getäuscht gefühlt.
Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos und ehemaliger Präsident des US-Fußballverbands, trat aus Protest zurück. Damit ging der Konflikt weit über eine gewöhnliche Meinungsverschiedenheit über eine kommerzielle Strategie hinaus. Er entwickelte sich zu einer offenen Debatte über Infantinos Führung, Kommunikation und Entscheidungsprozesse.
Besonders schwer wog die Reaktion aus Europa. Laut der gemeinsamen Erklärung der UEFA und ihrer 55 Mitgliedsverbände wollten die europäischen Nationalmannschaften nicht an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange der Vorschlag aufrechterhalten würde. „Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf“, hieß es in der Erklärung.
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Die Boykottdrohung war an das Projekt gebunden und verlor ihre unmittelbare Bedeutung, als die FIFA den Plan zurückzog. Die politischen Folgen verschwanden damit jedoch nicht. Der Konflikt machte aus einem Streit über Finanzierungsmodelle eine breitere Herausforderung für Infantinos Autorität.
Der Aufstand reicht inzwischen über das gescheiterte Projekt hinaus
Mehrere europäische Fußballverbände haben ihre frühere Unterstützung für eine weitere Amtszeit Infantinos inzwischen zurückgezogen. Laut dem Bericht des Guardian über die wachsende Rebellion haben England, Wales, Serbien und Finnland ihre Zustimmung widerrufen. Schweden hatte ihn zuvor nicht unterstützt und bestätigte zusätzlich, sich gegen seine Kandidatur zu stellen.
Der walisische Fußballverband erklärte, Fehler bei Führung, Kommunikation, Urteilsvermögen und Verbandsführung hätten zum Verlust des Vertrauens geführt. Andere europäische Verbände forderten bislang nicht ausdrücklich seinen sofortigen Rücktritt. Europa ist daher noch nicht vollständig darin geeint, wann und auf welche Weise ein Führungswechsel erzwungen werden sollte.
Die UEFA arbeitet dennoch daran, einen möglichen Gegenkandidaten für die nächste FIFA-Präsidentenwahl zu finden. Das würde Infantino erstmals seit längerer Zeit mit einer ernsthaften organisierten Herausforderung konfrontieren. Der gescheiterte Unternehmensplan hat seinen Gegnern einen gemeinsamen politischen Ausgangspunkt gegeben.
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Der Streit könnte außerdem rechtliche Folgen haben. Anwälte des europäischen Fußballs haben die FIFA aufgefordert, Dokumente und elektronische Kommunikation zum Projekt zu sichern. Geprüft werden mögliche Gerichtsverfahren, Schiedsverfahren oder Beschwerden bei Aufsichtsbehörden über die Entwicklung des Vorhabens.
Trump bleibt Verbündeter, aber bislang kein Retter
Die Berichte erhalten zusätzliche Bedeutung, weil Trump und Infantino seit Jahren eine ungewöhnlich enge öffentliche Beziehung pflegen. Während der Weltmeisterschaft 2026 traten sie mehrfach gemeinsam auf und waren auch bei der Siegerehrung nach Spaniens Finalsieg gegen Argentinien präsent. Infantino lobte Trumps Rolle bei der Ausrichtung des Turniers und baute enge Kontakte zu dessen Regierung auf.
Laut dem FIFA-Bericht über den Empfang vor dem WM-Finale bezeichnete Trump die Weltmeisterschaft als „ein Turnier wie kein anderes“. Er erklärte außerdem, sie könne das erfolgreichste Sportereignis der Geschichte sein.
Die Formulierung „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ wurde Trump in der offiziellen FIFA-Darstellung dagegen nicht zugeschrieben. Infantino selbst bezeichnete das Turnier als die „größte FIFA-Weltmeisterschaft aller Zeiten“. Diese Unterscheidung ist wichtig, da die ursprüngliche Geschichte Trump ein nicht belegtes direktes Zitat zuschrieb.
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Die öffentliche Nähe erklärt, weshalb Infantino Trump als wertvollen Verbündeten betrachten könnte. Sie beweist jedoch nicht, dass der US-Präsident zugesagt hat, in die interne FIFA-Politik einzugreifen oder nationale Verbände zur weiteren Unterstützung Infantinos zu bewegen.
Der dokumentierte Stand vom 4. August besteht aus Infantinos angeblichen Kontaktversuchen, seinem gescheiterten Versuch, Trump zu erreichen, und dem offiziellen Dementi eines geplanten Rubio-Gesprächs. Eine aktive Rettungsmission der US-Regierung ist bislang nicht belegt.
Infantino erlebt den gefährlichsten Moment seiner Präsidentschaft
Rücktrittsforderungen entfernen Infantino nicht automatisch aus dem Amt. Die Führung der FIFA wird von ihren 211 Mitgliedsverbänden bestimmt, und die politischen Mehrheitsverhältnisse reichen weit über Europa hinaus. Infantino verfügt weiterhin über wichtige Unterstützung in Afrika und Teilen Südamerikas.
Europäischer Widerstand allein reicht deshalb möglicherweise nicht aus, um seinen sofortigen Abgang zu erzwingen. Dennoch hat sich seine Lage innerhalb weniger Tage grundlegend verändert. Vor dem Streit erklärte die FIFA, mehr als 200 Verbände hätten seine nächste Kandidatur unterstützt, doch mehrere dieser Zusagen werden nun zurückgenommen.
Das gescheiterte Projekt hat seinen Gegnern einen gemeinsamen Anlass gegeben und die Möglichkeit eines ernsthaften Herausforderers bei der Wahl 2027 eröffnet. Auch Verbände, die keinen sofortigen Rücktritt fordern, stellen inzwischen offen seine Entscheidungsfindung und Kommunikation infrage.
Die belegbare Geschichte lautet daher nicht, dass Trump alles dafür tut, Infantino zu retten. Vielmehr soll der FIFA-Präsident versucht haben, eine mächtige politische Freundschaft als Rettungsanker zu nutzen, während die Verbände um ihn herum zu rebellieren begannen.
Ob Trump sich letztlich für Infantino einsetzen wird, ist weiterhin offen. Bislang gibt es jedoch keine belastbaren Belege dafür, dass eine solche Rettungsaktion bereits begonnen hat.



