Am Sonntag stand Lionel Messi mit den Händen in den Hüften auf dem Rasen des MetLife Stadiums und verfolgte regungslos, wie sich seine Teamkollegen blamierten. Spanien hatte das Finale mit 1:0 gewonnen. Nur wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff verwandelte sich das Spielfeld in ein Handgemenge.
Leandro Paredes trat Eric García, verpasste ihm eine Ohrfeige, stieß ihn zu Boden und packte ihn am Hals, bevor er sich Gavi zuwandte. Nahuel Molina schlug Rodri gegen den Arm, als der spanische Mittelfeldspieler von der Bank aufs Feld lief, um den Titelgewinn zu feiern. Auch Mitglieder des argentinischen Trainerstabs waren in die Auseinandersetzung verwickelt.
Messi hingegen rührte sich zunächst nicht. Als er sich schließlich in Bewegung setzte, ging er über den Platz und schüttelte nacheinander jedem spanischen Spieler die Hand.
„Absolut widerliches Verhalten“
Der frühere englische Nationaltorhüter Joe Hart, der das Spiel als Experte für die BBC analysierte, fand deutliche Worte:
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„Das Spiel ist vorbei. Sie haben heute absolut keinen Grund, sich über irgendetwas zu beschweren. Das ist ein widerliches Verhalten.“
Für Hart gab es allerdings eine Ausnahme:
„Es gab nur einen Mann auf dem Platz, der Größe gezeigt hat – und das war Lionel Messi. Er ist zu jedem einzelnen spanischen Spieler gegangen und hat ihm die Hand geschüttelt.“
Rodri, der selbst von Molina getroffen worden war, erklärte später gegenüber Reportern, dass er mit der Prügelei nichts zu tun haben wollte:
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„Ich habe mich zurückgezogen, weil ich keinen Ärger wollte“, sagte er.
„Als ich mich umdrehte, herrschte völliges Chaos.“
Er ergänzte:
„Man kann ein Finale verlieren, aber nicht die Beherrschung.“
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FIFA leitet Untersuchung ein
Die FIFA hat ein Disziplinarverfahren wegen des Verhaltens Argentiniens nach dem Schlusspfiff eingeleitet. Enzo Fernández war bereits in der Nachspielzeit nach seiner zweiten Gelben Karte vom Platz gestellt worden, und durch den Platzverweis gegen Paredes kassierte der Titelverteidiger an diesem Abend insgesamt zwei Rote Karten.
Außerdem ließ die argentinische Mannschaft die Mixed Zone aus und verließ das Stadion über einen Hinterausgang. Nur Nationaltrainer Lionel Scaloni stellte sich den Medien:
„Sie waren die bessere Mannschaft, das ist die Wahrheit“, sagte er. „Trotzdem werde ich mich immer daran erinnern, was diese Mannschaft erreicht hat und welchen Wert es hat, überhaupt so weit gekommen zu sein.“
Messis Botschaft in den sozialen Medien
Messi, der im Stadion nicht mit den Medien gesprochen hatte, meldete sich erst am folgenden Tag in den sozialen Medien zu Wort.
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„Der Schmerz ist unbeschreiblich groß, und es wird Zeit brauchen, bis diese Wunde verheilt“, schrieb der 39-Jährige.
Über Spanien sagte er:
„Sie waren ehrlich gesagt die bessere Mannschaft. Wir haben das Spiel verloren, und das akzeptieren wir.“
Messi beendete das Turnier mit acht Toren und vier Vorlagen. Ob er weiterhin für Argentinien spielen wird, ließ er in seinem Beitrag offen.
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Das letzte Bild der wohl größten WM-Karriere im Männerfußball könnte genau das sein, das Joe Hart beschrieben hat: der Kapitän, der allein über den Platz geht und jedem Gegner die Hand schüttelt, während hinter ihm seine Teamkollegen die Fäuste fliegen lassen.



