Die These passt in einen einzigen Satz: Man ist überrascht, wenn Manchester United gewinnt, nicht wenn sie verlieren. So hat Sky-Sports-Chefkorrespondent Kaveh Solhekol am Donnerstag den Zustand des erfolgreichsten Klubs des englischen Fußballs beschrieben, 24 Stunden nach einer Niederlage in der Lombardei, die Michael Carricks Mannschaft ohne Sieg aus sieben Pflichtspielen in Folge ließ.
Die Schuld, so Solhekols Lesart, liegt nicht allein bei Carrick. Sie verteilt sich auf vier Namen und reicht 21 Jahre zurück.
Die 2 Milliarden Pfund, die aus dem Klub abgeflossen sind
Die Glazer-Familie kaufte United 2005 mit einem fremdfinanzierten Buyout, der den Kaufpreis dem Klub selbst aufbürdete. Die Rechnung seitdem ist brutal: Der Besitz durch die Glazers hat Manchester United in den vergangenen 21 Jahren mehr als 2 Milliarden Pfund an Zinsen, Schuldenrückzahlungen, Dividenden und Management-Gebühren gekostet. Der Klub war am Tag vor der Übernahme praktisch schuldenfrei.
Sir Jim Ratcliffes INEOS erwarb im Februar 2024 eine Minderheitsbeteiligung und übernahm die Kontrolle über den Fußballbereich; seitdem wurden 40 Prozent der United-Mitarbeiter entlassen. Die gewünschten Ergebnisse sind ausgeblieben. Ratcliffe selbst ist in Monaco steueransässig und darf unter den Bedingungen dieses Status nur 90 Tage im Jahr im Vereinigten Königreich verbringen, eine Obergrenze, die die aktive Rolle eines Minderheitseigners bei einem Klub dieser Größe einschränkt.
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Ferguson, 2005 und das Pferd, das niemand aufhielt
Der vierte Name auf Solhekols Liste ist derjenige, mit dem Uniteds Anhängerschaft am schwersten umgeht. Sir Alex Ferguson hätte im Frühjahr 2005 das Standing gehabt, den öffentlichen Widerstand gegen Malcolm Glazers Übernahmeangebot anzuführen. Er tat es nicht. Solhekols Darstellung führt den entscheidenden Bruch zwischen dem Trainer und dem früheren Anteilseigner John Magnier auf einen Streit um die Zuchtrechte am Rennpferd Rock of Gibraltar zurück, eine Fehde, die Magniers Anteil aus dem Weg räumte und den Glazers die Tür öffnete, durch die sie dann traten.
21 Jahre später gibt es kein britisches Pendant zu einem katarischen Staatsfonds, der United herauskaufen würde. Die Eigentümerfrage ist faktisch eingefroren.
Carrick fehlt in Carrington
Carrick selbst wirkte nach der Niederlage gegen Como ausgelaugt. Beim 1:4 traf Nico Paz je einmal vor und nach einem Treffer von Tasos Douvikas, ehe Jacobo Ramon den vierten Treffer nachlegte und Joshua Zirkzee tief in der Nachspielzeit noch verkürzte.
„Ich bin wirklich wütend, aber man muss weitermachen und sich dem Nächsten stellen“, sagte der United-Trainer Reportern im Stadio Giuseppe Sinigaglia.
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„Ich würde es gern glauben. Was ich heute Abend gesehen habe, hat mir aber nicht gefallen.“
Manche Anhänger warten nicht mehr auf Besserung. Die Stimmung, die Solhekol aus dem Inneren der Fan-Basis wiedergab, dass es gut wäre, wenn United absteigen würde, damit der Klub neu beginnen könnte, ist für Anhänger eines 20-maligen englischen Meisters außergewöhnlich, und sie kursiert nun offen.
Am Donnerstagmorgen fuhr Carricks Auto nicht wie üblich um 7.30 Uhr auf dem Trainingsgelände Carrington vor; der Mannschaft war nach der Reise in der Königsklasse ein planmäßiger freier Tag gegeben worden.
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