Als Sidny Lopes Cabral im Januar 2022 nach Erfurt kam, deutete wenig darauf hin, dass er einmal auf der größten Fußballbühne der Welt stehen würde. Der damals 19-Jährige spielte in der fünften Liga, verdiente rund 850 Pfund im Monat und zog in eine fast leere Wohnung. Weil ihm Vorhänge fehlten, klebte er schwarze Müllsäcke vor die Fenster.
Vier Jahre später ließ er Alexis Mac Allister stehen und schlenzte den Ball an Emiliano Martínez vorbei in den Winkel. Das Tor zum zwischenzeitlichen 2:2 gegen Argentinien fiel in der 103. Minute des WM-Sechzehntelfinals in Miami. Kap Verde verlor am Ende 2:3 nach Verlängerung, doch Lopes Cabrals Treffer wurde zu einem der bleibenden Bilder des Turniers.
Ein deutscher Fünftligist wurde zum Sprungbrett
Lopes Cabral war in den Nachwuchsabteilungen von Feyenoord und Twente ausgebildet worden und hatte anschließend für Helsingborgs U21 gespielt. Der Durchbruch im Profifußball blieb jedoch aus, weshalb er sich Rot-Weiß Erfurt anschloss. Der Wechsel in die Oberliga war sportlich ein Rückschritt, wurde aber zum entscheidenden Schritt seiner Karriere.
Wie er in einem Interview mit The Guardian beschrieb, litt er in den ersten Monaten unter der Kälte, der Einsamkeit und den einfachen Lebensbedingungen. Mehrfach rief er seinen Bruder an und erklärte, dass er zurück in die Niederlande wolle. Trotzdem blieb er und arbeitete weiter an seiner Karriere.
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Bei Erfurt entwickelte sich der offensiv ausgerichtete Außenverteidiger schnell weiter. Laut der offiziellen Mitteilung von Rot-Weiß Erfurt war er in 52 Spielen an 13 Toren beteiligt. Außerdem half er dem Verein beim Aufstieg aus der Oberliga und empfahl sich für höhere Aufgaben.
Köln öffnete die Tür zum internationalen Fußball
Im Januar 2024 wechselte Lopes Cabral zu Viktoria Köln in die 3. Liga. Dort bestritt er 50 Spiele, erzielte drei Tore und bereitete acht weitere Treffer vor. Seine Leistungen in Deutschland brachten ihm auch die erste Berufung in die Nationalmannschaft Kap Verdes ein.
Im Sommer 2025 folgte der Wechsel zu Estrela da Amadora in die portugiesische Liga. Fünf Tore und drei Vorlagen in 16 Spielen reichten, um Benfica auf ihn aufmerksam zu machen. Der portugiesische Rekordmeister verpflichtete ihn im Dezember 2025 und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2030 aus.
Der Aufstieg führte ihn innerhalb weniger Jahre von deutschen Regionalliga-Plätzen in die Champions League. Anschließend wechselte er dauerhaft zu Trabzonspor, wie der türkische Klub in seiner offiziellen Transfermeldung am 4. Juni 2026 bestätigte. Er ging deshalb bereits als Spieler des türkischen Klubs in die Weltmeisterschaft.
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Sein Moment gegen den Weltmeister
Argentinien war durch Lionel Messi in Führung gegangen, ehe Deroy Duarte für Kap Verde ausglich. Lisandro Martínez erzielte kurz nach Beginn der Verlängerung das 2:1, doch Lopes Cabral antwortete mit einem außergewöhnlichen Abschluss. Nach seinem Dribbling gegen Mac Allister zielte er aus spitzem Winkel in die lange obere Ecke.
„Was zum Teufel habe ich da gerade gemacht?“, dachte er nach eigener Aussage, als er den Ball im Winkel einschlagen sah. Seine Mannschaftskollegen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, während Lopes Cabral in Richtung Tribüne lief. Dort stellte er fest, dass seine Mutter Teresa nach dem Treffer kurz das Bewusstsein verloren hatte.
Argentinien setzte sich später durch ein Eigentor von Diney Borges mit 3:2 durch. Für Kap Verde endete damit die erste WM-Teilnahme der Verbandsgeschichte, nachdem die Mannschaft zuvor ungeschlagen durch ihre Gruppe gekommen war. Der Treffer ihres Außenverteidigers blieb jedoch im Turnier.
Der ehemalige Erfurter schlägt die Weltstars
Wie die FIFA bei der Bekanntgabe des Preises mitteilte, setzte sich Lopes Cabral in der Fanabstimmung um das beste WM-Tor durch. Er landete vor Eldor Shomurodov aus Usbekistan und Haitis Wilson Isidor. Damit steht er nun in einer Reihe mit früheren Gewinnern wie Diego Forlán, James Rodríguez, Benjamin Pavard und Richarlison.
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Zu den Unterstützern gehörte auch der frühere Real-Madrid-Star Marcelo, den Lopes Cabral seit seiner Kindheit bewundert. Der Brasilianer stimmte für das Tor und schrieb dem Kapverdier nach dem Spiel eine persönliche Nachricht. Für den ehemaligen Oberliga-Spieler schloss sich damit ein Kreis, der einige Jahre zuvor in einer kalten Wohnung in Erfurt begonnen hatte.
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