Deutschland und Argentinien sind durch einige der bedeutendsten Endspiele der WM-Geschichte miteinander verbunden. 1986 besiegte die Mannschaft um Diego Maradona die deutsche Auswahl, vier Jahre später revanchierte sich Westdeutschland im Finale von Rom.
2014 trafen beide Nationen erneut im Endspiel aufeinander. Mario Götze erzielte in der Verlängerung den entscheidenden Treffer und bescherte Deutschland den vierten Weltmeistertitel.
Seit dem Finale von 2026 teilen beide Länder nun auch einen weniger erfreulichen Rekord. Argentinien hat nach der Niederlage gegen Spanien vier WM-Endspiele verloren und damit Deutschland beziehungsweise Westdeutschland eingeholt.
Vier verlorene Endspiele für beide Nationen
Argentiniens Finalniederlagen stammen aus den Jahren 1930, 1990, 2014 und 2026. Deutschland und Westdeutschland verloren die Endspiele von 1966, 1982, 1986 und 2002.
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Der historische Vergleich hätte nach dem Turnier eine der großen statistischen Geschichten sein können. Stattdessen rückte das Verhalten der argentinischen Mannschaft nach dem Schlusspfiff in den Mittelpunkt.
Spanien gewann durch ein Tor von Ferran Torres in der Verlängerung mit 1:0. Danach kam es zu mehreren Konfrontationen zwischen Spielern und Mitgliedern der beiden Betreuerstäbe.
Während die FIFA diese Vorfälle untersuchte, schrieb Präsident Gianni Infantino einen Brief an den argentinischen Verband. Darin lobte er ausgerechnet die „Professionalität“ des Finalisten.
Infantinos Brief sorgte für Irritationen
Das Schreiben wurde von der Asociación del Fútbol Argentino veröffentlicht. Es handelte sich daher nicht um ein klassisch durchgestochenes Dokument, auch wenn es international häufig als „geleakter Brief“ bezeichnet wurde.
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Wie La Nación bei der Veröffentlichung des vollständigen Schreibens berichtete, gratulierte Infantino Spielern, Trainer Lionel Scaloni, dem medizinischen Stab und den Fans. Argentiniens Leistung habe entscheidend zum Erfolg der Weltmeisterschaft beigetragen.
„Der großartige Auftritt der Albiceleste trug ebenfalls entscheidend dazu bei, diese Ausgabe zu einem außergewöhnlichen Ereignis zu machen, das Millionen Fußballbegeisterte auf der ganzen Welt faszinierte“, schrieb Infantino.
Später ergänzte er: „Diese Siege sind immer das Ergebnis beständiger Arbeit, Professionalität und Liebe zum Detail, aber auch von Leidenschaft, Engagement und Liebe zu diesem wunderbaren Sport.“
Die FIFA prüfte gleichzeitig die Ausschreitungen
Leandro Paredes geriet nach dem Abpfiff mit Gavi und Eric García aneinander. Nahuel Molina war an einer weiteren Szene beteiligt, in der Spaniens Kapitän Rodri im Bauchbereich getroffen wurde.
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Auch Argentiniens Assistenztrainer Roberto Ayala sorgte für Aufsehen. Der ehemalige Valencia-Verteidiger traf Dani Olmo während einer Auseinandersetzung im Halsbereich.
Laut einem Bericht von Associated Press über das Disziplinarverfahren setzte die FIFA einen Ermittler ein, um die Bilder und Spielberichte auszuwerten. Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente bezeichnete das Verhalten als „unerträglich und inakzeptabel“.
„Unsere Spieler haben stets die Ruhe bewahrt und sich wie echte Profis verhalten“, sagte De la Fuente. Seine Formulierung wirkte wie eine direkte Antwort auf Infantinos Lob für die argentinische Professionalität.
Ayala entschuldigte sich
Ayala wies später zurück, Olmo bewusst geschlagen zu haben. Er sprach von einem Schubser und erklärte, er habe ursprünglich versucht, die Spieler zu trennen.
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Wie beIN Sports in seinem Bericht über die Entschuldigung zitierte, sagte Ayala: „Es war eher ein Schubser als alles andere, es war kein Schlag, wie einige behaupten wollen.“
Gleichzeitig übernahm er Verantwortung. „Das ist keine Entschuldigung. Angesichts meiner Position muss mein Verhalten anders sein, unabhängig davon, was mir entgegengebracht wird“, erklärte er.
Die Entschuldigung bestätigte zumindest, dass sein Verhalten nicht dem Standard entsprach, den Infantino in seinem Brief beschrieben hatte.
Auch der DFB hält Abstand zu Infantino
Der Vorgang ist für Deutschland nicht nur wegen des Finalrekords interessant. Auch das Verhältnis zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und Infantino bleibt angespannt.
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Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur in einem Bericht von Welt war kein DFB-Vertreter beim Endspiel in New Jersey anwesend. Der Verband hatte zudem zunächst kein Unterstützungsschreiben für Infantinos geplante Wiederwahl unterzeichnet.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf sitzt zwar im FIFA-Council, hält aber erkennbar Distanz zum mächtigsten Mann des Weltfußballs. Der Brief an Argentinien dürfte diese Skepsis nicht verringern.
Infantino wollte vermutlich einen erfolgreichen Finalisten würdigen. Doch solange die eigene Disziplinarabteilung noch ermittelt, wirkt ein Lob für Professionalität nicht diplomatisch, sondern voreilig.


