Zinedine Zidane

Der Mann des Berliner Dramas übernimmt Frankreich: Wer Zinédine Zidane wirklich ist

Er zerstörte Bayer Leverkusens größten europäischen Traum, beendete seine Spielerkarriere mit einem Platzverweis im Berliner Olympiastadion und gewann später dreimal in Folge die Champions League. Nun soll der 54 Jahre…

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Zinédine Zidane ist neuer französischer Nationaltrainer.

Für Frankreich ist seine Ernennung die Rückkehr eines Nationalhelden. Für deutsche Fußballfans weckt sein Name dagegen mehrere sehr unterschiedliche Erinnerungen.

Da ist sein unvergessliches Volleytor gegen Bayer Leverkusen im Champions-League-Finale 2002. Da ist die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, bei der Zidane Frankreich bis ins Finale führte. Und da ist der Kopfstoß gegen Marco Materazzi im Berliner Olympiastadion, mit dem eine der größten Spielerkarrieren der Fußballgeschichte auf dramatische Weise endete.

Der französische Fußballverband bestätigte, dass Zidane einen Vertrag bis zum Ende der WM 2030 unterschrieben hat. Er tritt sein Amt offiziell am 1. August 2026 an und folgt auf Didier Deschamps.

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Sein erstes Spiel findet am 25. September auswärts gegen die Türkei statt. Anschließend warten Belgien und Italien.

„Es gibt nichts Größeres als die französische Nationalmannschaft“, erklärte Zidane bei seiner Vorstellung.

Wer ist Zinédine Zidane?

Zinédine Yazid Zidane wurde am 23. Juni 1972 in Marseille geboren. Bei seiner Ernennung zum französischen Nationaltrainer war er 54 Jahre alt.

Er wuchs im Stadtteil La Castellane im Norden Marseilles auf. Seine Familie stammt ursprünglich aus Algerien. Zidane entwickelte sich damit nicht in einer privilegierten Fußballwelt, sondern in einem von Arbeit, Familie und Disziplin geprägten Umfeld.

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Diese Herkunft wurde später ein wichtiger Teil seiner öffentlichen Bedeutung.

Als Frankreich 1998 Weltmeister wurde, stand Zidane nicht nur für sportlichen Erfolg. Er wurde auch zum Symbol einer vielfältigen französischen Gesellschaft. Nach dem Finale wurde sein Gesicht auf den Pariser Triumphbogen projiziert.

Abseits des Platzes galt Zidane häufig als ruhig und zurückhaltend. Auf dem Spielfeld übernahm er dagegen Verantwortung, forderte den Ball und bestimmte das Tempo.

Der Weg über Cannes und Bordeaux

Zidane begann bei Vereinen in Marseille, ehe er in die Nachwuchsabteilung von AS Cannes wechselte.

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Mit 17 Jahren debütierte er in der höchsten französischen Spielklasse. Sein außergewöhnliches Ballgefühl war bereits zu erkennen, doch Zidane musste zunächst lernen, sich körperlich und taktisch im Profifußball durchzusetzen.

1992 wechselte er zu Girondins Bordeaux. Dort entwickelte er sich zu einem der interessantesten offensiven Mittelfeldspieler Europas.

Gemeinsam mit Spielern wie Christophe Dugarry und Bixente Lizarazu erreichte Zidane 1996 das UEFA-Pokal-Finale. Bordeaux verlor gegen Bayern München, doch der Wettbewerb machte Zidane endgültig international bekannt.

Seine Vereinskarriere führte ihn später zu Juventus und Real Madrid. Für Frankreich absolvierte er laut offizieller Statistik des französischen Verbandes 108 Länderspiele und erzielte 31 Tore.

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Bei Juventus wurde er zum Weltstar

1996 wechselte Zidane zu Juventus Turin.

Die Serie A galt damals als taktisch anspruchsvollste Liga der Welt. In Italien lernte Zidane, seine technischen Fähigkeiten mit größerer taktischer Disziplin und defensiver Verantwortung zu verbinden.

Er gewann 1997 und 1998 die italienische Meisterschaft sowie den europäischen Supercup und den Weltpokal. Außerdem erreichte er mit Juventus zweimal das Champions-League-Finale.

1998 gewann Zidane nach Frankreichs WM-Triumph den Ballon d’Or.

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Zu diesem Zeitpunkt war er längst mehr als ein eleganter Spielmacher. Er war der Spieler, an dem sich die größten Mannschaften Europas orientierten.

Zwei Kopfbälle veränderten Frankreich

Zidane debütierte 1994 gegen Tschechien für die französische A-Nationalmannschaft. Frankreich lag 0:2 zurück, ehe der eingewechselte Zidane mit zwei Toren noch ein 2:2 rettete.

Vier Jahre später wurde er unsterblich.

Im WM-Finale 1998 traf Frankreich im Stade de France auf Titelverteidiger Brasilien. Zidane erzielte vor der Pause zwei Kopfballtore, Frankreich gewann 3:0 und wurde erstmals Weltmeister.

Es war der Moment, in dem aus einem außergewöhnlichen Fußballer eine nationale Ikone wurde.

Zidane war nicht der Kapitän dieser Mannschaft. Diese Rolle gehörte Deschamps. Er war jedoch das Gesicht des Triumphs und der Spieler, mit dem der französische Fußball fortan weltweit verbunden wurde.

Sein sportlicher Höhepunkt bei der EM 2000

Zwei Jahre später führte Zidane Frankreich auch zum Europameistertitel.

Bei der EM 2000 kontrollierte er Spiele mit einer Mischung aus Technik, Kraft und taktischer Intelligenz. Im Viertelfinale erzielte er ein Freistoßtor gegen Spanien. Im Halbfinale verwandelte er gegen Portugal den entscheidenden Golden-Goal-Elfmeter.

Im Finale besiegte Frankreich Italien.

UEFA bezeichnete Zidanes Auftritte später als eine der dominantesten Leistungen eines Einzelspielers bei einem großen Turnier seit Diego Maradona 1986.

Das Tor, das Leverkusen bis heute verfolgt

Für deutsche Fans gehört der 15. Mai 2002 zu den wichtigsten Daten in Zidanes Karriere.

Bayer Leverkusen stand im Champions-League-Finale in Glasgow und hoffte auf den größten Titel der Vereinsgeschichte. Nach Toren von Raúl und Lúcio stand es 1:1.

Kurz vor der Pause flankte Roberto Carlos den Ball hoch an die Strafraumgrenze. Zidane wartete, bis der Ball fiel, und traf ihn mit dem linken Fuß perfekt.

Der Ball flog in den Winkel.

Real Madrid gewann 2:1. Für Leverkusen endete eine außergewöhnliche Saison ohne Titel, während Zidanes Volley zu einem der berühmtesten Tore der Champions-League-Geschichte wurde.

Das Tor war nicht nur technisch spektakulär. Es brachte Zidane auch den letzten großen Vereinstitel, der ihm bis dahin gefehlt hatte.

2006 wurde Deutschland zur Bühne seines letzten Tanzes

Zidane hatte seine Nationalmannschaftskarriere nach der EM 2004 zunächst beendet. Ein Jahr später kehrte er zurück, um Frankreich bei der Qualifikation für die WM 2006 zu helfen.

Das Turnier in Deutschland wurde sein letzter großer Auftritt.

Frankreich startete durchwachsen, steigerte sich aber in der K.-o.-Phase. Zidane spielte herausragend gegen Spanien und lieferte im Viertelfinale gegen Brasilien eine der besten Leistungen seiner Karriere.

Im Halbfinale erzielte er das entscheidende Tor gegen Portugal. Damit zog Frankreich ins Finale gegen Italien im Berliner Olympiastadion ein.

Zidane verwandelte dort bereits in der siebten Minute einen Panenka-Elfmeter. Doch in der Verlängerung ließ er sich nach einem Wortwechsel mit Marco Materazzi zu einem Kopfstoß hinreißen und wurde vom Platz gestellt.

Frankreich verlor anschließend im Elfmeterschießen.

Trotz des Platzverweises wurde Zidane zum besten Spieler der WM gewählt.

Für deutsche Zuschauer bleibt Zidane deshalb untrennbar mit Berlin 2006 verbunden: mit Genialität, Tragik und einem der bekanntesten Platzverweise der Sportgeschichte.

Spieler und Trainer von Real Madrid

Real Madrid hatte Zidane 2001 für eine damalige Weltrekordablöse von Juventus verpflichtet.

Er bestritt 227 Pflichtspiele für die Königlichen, erzielte 49 Tore und gewann unter anderem die Champions League, die spanische Meisterschaft und den Weltpokal.

Nach seinem Karriereende blieb er dem Verein verbunden. Er arbeitete zunächst als Berater und Sportdirektor, später als Assistent von Carlo Ancelotti und Trainer der zweiten Mannschaft.

Im Januar 2016 übernahm er die Profimannschaft.

Wenige Monate später gewann Real Madrid die Champions League. 2017 und 2018 verteidigte Madrid den Titel.

Zidane wurde damit zum ersten Trainer, der die Champions League in ihrer modernen Form dreimal hintereinander gewann.

Auf dem Weg zum Titel 2018 setzte sich Real Madrid auch gegen Bayern München durch. Im Finale wurde Liverpool mit 3:1 besiegt.

Elf Titel und eine außergewöhnliche Kabine

Zidane gewann als Cheftrainer von Real Madrid insgesamt elf Titel.

Dazu gehörten drei Champions-League-Trophäen, zwei spanische Meisterschaften, zwei Klub-Weltmeisterschaften, zwei europäische Supercups und zwei spanische Supercups.

Seine größte Stärke lag dabei nicht nur in taktischen Entscheidungen.

Zidane musste Stars wie Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos, Karim Benzema, Luka Modrić, Toni Kroos, Marcelo und Gareth Bale führen. Viele von ihnen hatten bereits alles gewonnen und verfügten über gewaltigen Einfluss.

Zidane gab ihnen Freiheiten, verlangte aber Verantwortung. Seine eigene Karriere verschaffte ihm eine Autorität, die sich andere Trainer erst erarbeiten mussten.

Er wusste, wie sich ein Champions-League-Finale anfühlt. Er kannte den Druck bei Real Madrid und hatte selbst erlebt, wie eine einzige Aktion eine Karriere definieren kann.

Welche Art von Trainer ist Zidane?

Zidane gilt nicht als dogmatischer Systemtrainer.

Bei Real Madrid verwendete er unter anderem ein 4-3-3, ein 4-4-2 und eine Mittelfeldraute. Seine Ausrichtung richtete sich nach dem vorhandenen Personal und dem jeweiligen Gegner.

Bei seiner Vorstellung erklärte er, dass Frankreich Ähnlichkeiten zu seinen Real-Madrid-Mannschaften zeigen werde.

Er wolle Tore erzielen und attraktiven Fußball spielen, betonte aber gleichzeitig die Bedeutung der Balance.

Sein Fußball dürfte deshalb weniger von einer starren Theorie geprägt sein als von Flexibilität, individueller Qualität und Kontrolle in entscheidenden Momenten.

Wird er von Frankreichs Spielern respektiert?

Zidane betritt die französische Kabine mit einer außergewöhnlichen natürlichen Autorität.

Das deutlichste Beispiel ist Kylian Mbappé. Der französische Kapitän bezeichnete Zidane 2025 öffentlich als sein Idol.

„Zizou ist ein Idol für mich. Er bedeutet mir sehr viel“, sagte Mbappé nach einem Spiel von Real Madrid.

Diese Bewunderung ist für Zidane ein Vorteil. Sie garantiert jedoch keine problemlose Amtszeit.

Er muss über die Kapitänsfrage entscheiden, Spielzeiten verteilen und große Namen aus dem Kader streichen können. Einige Spieler werden ihn als Kind bewundert haben, könnten aber dennoch unzufrieden werden, sobald er sportliche Entscheidungen gegen sie trifft.

Respekt verschafft ihm einen starken Start. Dauerhafte Unterstützung muss er sich durch Leistung, Kommunikation und Fairness erhalten.

Fünf Jahre ohne Trainerjob

Zidane hatte seit seinem Abschied von Real Madrid im Mai 2021 keine Mannschaft mehr trainiert.

Diese lange Pause ist die größte offene Frage vor seiner Amtszeit.

Der Fußball hat sich taktisch und technologisch weiterentwickelt. Datenanalyse, Belastungssteuerung und komplexe Pressingstrukturen spielen eine noch größere Rolle als während seiner ersten Real-Madrid-Zeit.

Zidane erklärte jedoch, dass seine Pause bewusst gewesen sei.

„Ich habe die vergangenen vier oder fünf Jahre auf diesen Tag gewartet“, sagte er bei seiner Vorstellung. Andere Vereinsangebote habe er nicht angenommen, weil er Frankreich trainieren wollte.

Das Amt des Nationaltrainers könnte zu seinen Stärken passen. Wenige Trainingstage bedeuten, dass klare Kommunikation, Flexibilität und Menschenführung besonders wichtig sind.

Eine Mannschaft, die sofort gewinnen soll

Zidane übernimmt kein Team im Neuaufbau.

Frankreich verfügt weiterhin über einen der stärksten Kader der Welt. Mbappé, Ousmane Dembélé, Michael Olise, Désiré Doué und zahlreiche weitere Spitzenspieler geben ihm enorme Möglichkeiten.

Damit steigen aber auch die Erwartungen.

Ein Viertelfinal-Aus wäre eine Enttäuschung. Selbst ein Halbfinale könnte als zu wenig betrachtet werden. Zidane wurde nicht verpflichtet, um einen langsamen Umbruch zu begleiten.

Er wurde verpflichtet, um Titel zu gewinnen.

Als Spieler führte ihn sein letzter Weg mit Frankreich nach Berlin.

Als Trainer soll sein Weg nun bis zur WM 2030 führen und im Idealfall mit dem Titel enden, der ihn endgültig in einen der exklusivsten Kreise des Weltfußballs bringen würde.

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