Javier Tebas wählte die Bühne mit Bedacht. Beim Forum World in Progress Barcelona 2026 richtete der La-Liga-Präsident am Montag sein Mikrofon auf jenen Klub, der am härtesten dafür gekämpft hat, den Negreira-Fall am Leben zu halten, und warf ihm vor, dies aus sportlichen und nicht aus juristischen Gründen zu tun.
„Der Kaugummi wird gedehnt, um zu sehen, wie lange er hält. Und das halte ich für inakzeptabel“, sagte Tebas laut Goal beim Forum.
Seine Argumentation war ebenso prozessual wie rhetorisch. La Liga, so betonte er, sei wegen der Negreira-Zahlungen vor Real Madrid an die Staatsanwaltschaft herangetreten und dem Verfahren nur deshalb als Partei beigetreten, weil die Fakten den Verband beunruhigten. Was sich seitdem geändert habe, seien in seiner Darstellung nicht die Beweise, sondern die politische Lage rund um die beiden Klubs.
Die Super League als Wendepunkt
Tebas zog eine direkte Linie zwischen Real Madrids Vorgehen vor Gericht und Barcelonas Ausstieg aus dem Super-League-Projekt.
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„Bis zu diesem Zeitpunkt schien es, als müsse man den gerichtlichen Verfahren einfach ihren Lauf lassen. Doch seit sich Barcelona aus der Super League zurückgezogen hat, ist es, als säße Negreira in den Kabinen aller Schiedsrichter, die Real Madrids Spiele leiten“, sagte er beim Forum.
Barcelona zog sich am 7. Februar 2026 formell aus dem Abspaltungsprojekt zurück und ließ damit Real Madrid als letzten Gründungsklub zurück, der noch dabei war, bevor Florentino Pérez‘ Verein wenige Tage später seinerseits eine Einigung mit der UEFA erzielte. Tebas‘ Behauptung lautet, dass sich Madrids Engagement in der Negreira-Akte im Gleichschritt mit diesem Bruch verschärft habe, nicht aufgrund neuer Erkenntnisse der Justiz.
Worum es im Fall tatsächlich geht
Die Ermittlungen am Barceloneser Untersuchungsgericht Nr. 1 drehen sich um rund 7,3 Millionen Euro, die der Klub zwischen 2001 und 2018 an Firmen zahlte, die mit José María Enríquez Negreira in Verbindung stehen, dem früheren Vizepräsidenten der spanischen Schiedsrichterkommission. Barcelona hat die Zahlungen stets als Honorare für Analysen über Schiedsrichter beschrieben. Die Staatsanwaltschaft verfolgt Anklagepunkte wegen Sportkorruption und damit verbundener Vergehen.
Ein zentraler Vorwurf ist bereits weggefallen. Im Mai 2024 wies das Gericht die Anklage wegen Bestechung mit der Begründung ab, dass Negreira nach spanischem Recht nicht als Amtsträger einzustufen sei. Der Strang der Sportkorruption wird weiterverfolgt, ein Urteil wird nicht vor Ende 2027 erwartet.
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Real Madrid tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Am 1. September 2026 lehnte der Ermittlungsrichter den Antrag des Klubs ab, die Ermittlungen um weitere sechs Monate zu verlängern, ließ aber zu, dass die beiden noch ausstehenden Zeugenaussagen im November innerhalb der bestehenden Frist stattfinden.
Keine neuen Beweise, beharrt Tebas
Der La-Liga-Chef betonte, dass in der Akte nichts aufgetaucht sei, was den Ton der Angriffe auf Barcelona rechtfertigen würde. An dieser Stelle kam er auf den Super-League-Strang zurück und wiederholte die Andeutung, Pérez habe Barcelona öffentlich wie einen Verbündeten behandelt, solange die beiden Klubs beim Abspaltungsprojekt noch auf einer Linie lagen, und erst nachdem die Katalanen ausgestiegen seien, habe er seine Linie verschärft.
Real Madrid äußerte sich öffentlich nicht zu den Aussagen vom Montag. Der nächste konkrete Schritt im Verfahren sind die beiden Zeugenanhörungen im November, nach denen die Vorphase abgeschlossen werden soll und die Akte auf einen für Herbst 2027 anvisierten Prozesstermin zusteuert.
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