Zwei Gerichte, ein brisantes Ziel
Die nächste entscheidende Entwicklung im Konflikt zwischen UEFA und FIFA könnte nicht in Zürich oder Nyon, sondern vor zwei amerikanischen Bundesgerichten stattfinden.
Am 27. August beantragte die UEFA in New York und Florida die Herausgabe von Dokumenten und Aussagen zum gescheiterten Projekt FIFA Forward Enterprise. Der Plan sah vor, Investoren für 4,2 Milliarden Dollar einen Anteil von 20 Prozent an einer Gesellschaft zu übertragen, die wichtige kommerzielle FIFA-Rechte kontrollieren sollte.
Nach Angaben der Associated Press richtet sich der Antrag in New York gegen Thrive Capital Management, das von Josh Kushner gegründet wurde. In Florida verlangt die UEFA Material von FIFA (AMERICAS), Inc. und FWC2026 US, Inc., zwei in Coral Gables ansässigen FIFA-Gesellschaften.
Die Beweise könnten für eine geplante Schweizer Strafanzeige wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung durch Infantino und möglicherweise weitere FIFA-Funktionäre verwendet werden.
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Noch kein öffentliches grünes Licht
Bis zum 31. August ist keine öffentlich zugängliche Entscheidung bekannt, mit der eines der Gerichte den Antrag genehmigt hätte. Beide Verfahren scheinen daher weiterhin anhängig zu sein.
Das ist ein entscheidender Unterschied. Die UEFA hat gerichtliche Hilfe beantragt, aber die verlangten Beweismittel noch nicht öffentlich zugesprochen bekommen. Auch hat kein US-Gericht die Vorwürfe inhaltlich bestätigt.
Grundlage ist Paragraf 1782 des US-Bundesrechts. Er erlaubt Bundesgerichten, Personen und Unternehmen in ihrem Zuständigkeitsbereich zur Herausgabe von Beweisen für ausländische Verfahren zu verpflichten.
Eine erste Entscheidung kann ohne Anhörung der betroffenen Parteien erfolgen. Selbst nach einer Genehmigung könnten FIFA oder Thrive die Vorladungen, deren Umfang oder den Umgang mit vertraulichen Informationen anfechten.
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Infantinos Gefahr liegt in den Dokumenten
Eine Genehmigung wäre kein Beweis für eine Straftat. Sie könnte der UEFA jedoch den Zugang zu internen Nachrichten, Bewertungen und Genehmigungsunterlagen eröffnen.
Wie Reuters berichtet, will die UEFA klären, wie FIFA Forward Enterprise entwickelt, strukturiert, bewertet und genehmigt wurde. Sie behauptet, das Projekt sei länger als ein Jahr ohne angemessene Beteiligung des FIFA-Rates, der Konföderationen und der 211 Mitgliedsverbände vorbereitet worden.
Politische Vorwürfe lassen sich als Teil des ewigen Machtkampfs im Fußball zurückweisen. Interne Dokumente mit Namen, Daten und finanziellen Bewertungen sind deutlich schwieriger zu ignorieren.
Die amerikanischen Richter sollen nicht über Infantinos Schuld entscheiden. Sie entscheiden zunächst nur darüber, ob die UEFA jene Schubladen öffnen darf, in denen sich die Antwort verbergen könnte.
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