Toto Wolff hat nach einem chaotischen Großen Preis von Ungarn einen ungewöhnlich heftigen Angriff auf mehrere rivalisierende Formel-1-Teams gestartet.
Der Mercedes-Teamchef warf nicht näher genannten Ingenieuren vor, ihre Fahrer nach einem technischen Ausfall nicht ausreichend über schnellere Autos informiert zu haben.
Dabei bezeichnete Wolff die Verantwortlichen an den Kommandoständen als „Teletubbies“.
Normalerweise erhalten Fahrer eine elektronische Warnung im Cockpit, wenn ein deutlich schnelleres Auto sie überrunden möchte. Dieses System funktionierte auf dem Hungaroring jedoch zeitweise nicht ordnungsgemäß.
Lesen Sie auch: Tadej Pogacar: Jüngster und schnellster Fahrer mit fünf Tour de France-Titeln
Die Fahrer waren deshalb stärker auf physische Flaggen, Leuchttafeln und Funksprüche ihrer Teams angewiesen.
Laut Sky Sports in seinem Bericht über Wolffs Wutausbruch beeinflusste die Panne mehrere Positionskämpfe und spielte auch bei der Kollision zwischen Oscar Piastri und Carlos Sainz eine Rolle.
Wolff greift rivalisierende Kommandostände an
Wolff wurde besonders deutlich, als langsamere Fahrzeuge in die Kämpfe von Mercedes-Pilot Kimi Antonelli, Ferrari-Star Lewis Hamilton und Red-Bull-Fahrer Max Verstappen gerieten.
„Das Streckenpostensystem hat nicht funktioniert, und Autos am Ende des Feldes haben sich im Kampf zwischen Lewis und Kimi verteidigt“, sagte Wolff.
Lesen Sie auch: Neymar zurück im Kader, doch bei Santos eskaliert die Führungskrise
„Es ist eine Schande, dass einige dieser Teletubbies-Ingenieure an den Kommandoständen ihren Fahrern nicht sagen, was hinter ihnen passiert.“
Die Kritik richtete sich vor allem gegen die Ingenieure und weniger gegen die Fahrer.
Die Teams können auf ihren Monitoren genau verfolgen, wann ein Spitzenfahrer schnell auf ein zu überrundendes Auto aufschließt. Nach Ansicht von Wolff hätten die Kommandostände deshalb stärker eingreifen müssen.
Piastri kollidiert mit Sainz
Der gefährlichste Zwischenfall ereignete sich zwischen Piastri und Sainz.
Lesen Sie auch: Supercomputer sagt Premier-League-Sieger 2026/27 voraus
Piastri war dem Williams-Fahrer bereits durch einen großen Teil des Sektors gefolgt. Sainz kämpfte gleichzeitig mit Fernando Alonso und bewegte sich über die Strecke, als der McLaren-Pilot zum Überholen ansetzte.
Beide Fahrzeuge berührten sich.
„Ich war einen ganzen Sektor direkt hinter ihm. Ich konnte nicht glauben, was passiert ist“, sagte Piastri.
„Von einem überrundeten Auto getroffen zu werden, gehört nicht zu den Dingen, mit denen man in einem Rennen rechnet.“
Lesen Sie auch: Mbappé startet ungewöhnlichen Image-Neustart vor Rückkehr zu Real Madrid
Sainz erhielt eine Fünf-Sekunden-Strafe. Er erklärte jedoch, dass er nicht ausreichend darüber informiert worden sei, dass Piastri näher kam.
Er räumte ein, dass ein deutlicherer Funkspruch von Williams die Situation möglicherweise verhindert hätte.
Antonelli rettet Mercedes-Podium
Auch Antonelli musste sich durch Verkehr kämpfen, während er den dritten Platz gegen Hamilton verteidigte.
Der Italiener brachte das Podium dennoch ins Ziel und baute damit seine Führung in der Fahrerwertung aus.
Lesen Sie auch: Chelsea nimmt Henderson ins Visier, während Alonsos früheres Lob wieder auftaucht
Nach dem offiziellen Formel-1-Rückblick auf das Rennen arbeitete sich Antonelli vom siebten Startplatz auf Rang drei vor. George Russell wurde Siebter, nachdem er beim Start weit zurückgefallen war.
Wolff glaubt, dass Antonelli ohne die Verkehrssituationen sogar um den zweiten Platz hätte kämpfen können.
Mercedes ging trotzdem mit einem deutlichen Vorsprung in die Sommerpause.
Wolff kritisiert auch das eigene Team
Der Österreicher machte nicht nur die Konkurrenz verantwortlich.
Mercedes leistete sich selbst mehrere Fehler.
Russell hatte beim Start ein technisches Problem, das seine Motordrehzahl schwanken ließ. Dadurch fiel er in der ersten Runde bis auf den 19. Platz zurück.
Antonelli verlor im ersten Training wichtige Zeit, weil Ersatzfahrer Frederik Vesti sein Auto übernommen hatte. Später erhielt der Italiener eine Startplatzstrafe, weil er unter gelber Flagge nicht ausreichend verlangsamt hatte.
Russell musste außerdem wegen eines Wasserlecks mit veränderten Komponenten fahren.
Wie Formula 1 in seinem Bericht über Wolffs Rennanalyse schrieb, war der Mercedes-Chef mit dem gesamten Wochenende unzufrieden.
„Das vorherrschende Gefühl ist, dass wir es besser hätten machen müssen“, sagte Wolff.
„Mit einem fehlerfreien Wochenende hätten wir um den Sieg gekämpft oder mindestens zwei Autos auf dem Podium gehabt.“
Fahrer entkommen seiner Kritik
Antonelli und Russell nahm Wolff ausdrücklich in Schutz.
Er lobte Antonellis Verteidigung gegen Hamilton, obwohl der Mercedes auf harten Reifen unterwegs war und der Ferrari weichere Reifen nutzte.
Auch Russell habe nach seinem verpatzten Start ein starkes Comeback gezeigt.
„Den Fahrern kann man heute keinen Vorwurf machen“, sagte Wolff.
„Kimis Verteidigung auf harten Reifen gegen Lewis auf weichen Reifen war großartig. Dasselbe gilt für George.“
Ein lustiger Spruch mit ernstem Hintergrund
Der Begriff „Teletubbies“ wird vermutlich länger in Erinnerung bleiben als die technischen Details.
Hinter der Beleidigung steckt jedoch eine ernsthafte Sicherheitsfrage.
Wenn ein automatisches Warnsystem ausfällt, sind die Fahrer vollständig auf die Kommunikation ihres Teams angewiesen. Fehlende Informationen können Zweikämpfe beeinflussen und gefährliche Situationen verursachen.
Auch die FIA bestätigte in ihren Unterlagen nach dem Rennen mindestens einen Verstoß im Zusammenhang mit blauen Flaggen.
Wolffs Angriff war überzogen formuliert.
Seine grundsätzliche Botschaft ist jedoch klar: Wenn die Technik versagt, dürfen die Kommandostände nicht ebenfalls versagen.



