Lewis Hamilton

Hamilton geht nach Ferrari-Fehler auf sein Team los

Lewis Hamilton glaubt, dass Ferraris Zögern beim Großen Preis der Niederlande eine realistische Podiumschance gekostet hat. Besonders ärgerlich für den siebenmaligen Weltmeister: Sein ehemaliges Team Mercedes löste kurz darauf praktisch…

·

Read in:

Hamilton war schneller, Ferrari reagierte nicht

Hamiltons Frust begann während einer seiner stärksten Phasen des Rennens. Nachdem er Oscar Piastri in Runde 35 überholt hatte, schloss er schnell zu Charles Leclerc auf. Hamilton fuhr auf frischeren Reifen und war überzeugt, deutlich mehr Tempo zu besitzen.

Laut Sky Sports‘ Bericht über den Ferrari-Funkverkehr meldete Hamilton: „Ich bin schneller als Charles. Diese Reifen sind besser.“ Ferrari tauschte die Positionen jedoch nicht sofort. Wenig später wurde Hamilton deutlicher: „Wir verlieren einfach Zeit!“

Leclerc kam schließlich in Runde 43 an die Box und machte damit die Strecke für Hamilton frei. Doch zu diesem Zeitpunkt glaubte der Brite bereits, entscheidende Sekunden verloren zu haben. Seine sarkastische Reaktion folgte sofort: „Großartige Art, Zeit zu verschwenden, Jungs. Gute Arbeit.“

Dass diese Sekunden relevant waren, zeigt das Ergebnis. Hamilton wurde Vierter, direkt hinter George Russell. Das offizielle Formel-1-Ergebnis zeigt, dass zwischen Russell und Hamilton im Ziel weniger als eine Sekunde lag. Leclerc wurde Fünfter.

Lesen Sie auch: Raiders entgehen nach Jeanty-Schock offenbar dem Albtraum

Hamilton fehlte also keineswegs ein riesiger Zeitgewinn für das Podium.

Leclerc verweigerte keine Teamorder

Nach dem Rennen wurde ein entscheidender Punkt klarer. Während des Rennens konnte der Eindruck entstehen, Leclerc habe sich geweigert, Hamilton vorbeizulassen. Ferrari widerspricht dieser Darstellung.

Leclerc erklärte, dass er nie angewiesen worden sei, seine Position an Hamilton abzugeben. Seine Diskussion mit der Boxenmauer habe sich vielmehr darum gedreht, wann der richtige Zeitpunkt für seinen zweiten Boxenstopp sei.

Teamchef Frédéric Vasseur bestätigte diese Version. Er bestritt ausdrücklich, dass Leclerc eine Teamorder ignoriert habe. Gleichzeitig räumte er ein, Ferrari habe „den richtigen Moment verpasst“. Vasseur widersprach allerdings Hamiltons Einschätzung, dass genau diese Verzögerung sicher das Podium gekostet habe, und verwies auch auf spätere Rennereignisse.

Lesen Sie auch: England-Star in Handschellen: ECB leitet Untersuchung ein

Der Fehler lag damit offenbar weniger bei Leclerc als bei Ferraris Entscheidungsprozess.

Hamilton kann argumentieren, dass er hinter einem langsameren Auto Zeit verlor. Ferrari wiederum kann darauf hinweisen, dass ein dritter Platz selbst bei einer früheren Freigabe keineswegs garantiert gewesen wäre.

Mercedes zeigte Ferrari den Unterschied

Besonders unangenehm wurde der Vergleich in der Schlussphase.

Kimi Antonelli hatte deutlich frischere Reifen als Teamkollege Russell. Sieben Runden vor dem Ende entschied Mercedes, Antonelli vorbeizulassen, damit der Italiener Lando Norris angreifen konnte.

Lesen Sie auch: De Zerbi bricht sein Schweigen nach Tottenham-Demütigung: „Wir haben nicht auf die richtige Art und Weise gekämpft"

Die Entscheidung wurde praktisch sofort umgesetzt.

Hamilton registrierte das genau.

Nach dem Rennen erklärte er gegenüber Formula One: „Ich will gewinnen. Ich will gewinnen. Ich bin hier, um zu gewinnen.“ Anschließend verwies er direkt auf Mercedes, wo die Information angekommen, die Entscheidung getroffen und die Position ohne langes Zögern getauscht worden sei. Formula One dokumentiert Hamiltons Aussagen nach dem Rennen.

Antonelli konnte Norris zwar nicht mehr besiegen, wurde aber Zweiter. Russell sicherte Platz drei. Hamilton landete unmittelbar dahinter.

Lesen Sie auch: Flick stellt Baldés Barça-Zukunft infrage

Genau deshalb war der Vergleich für Ferrari so unangenehm.

Ferrari hatte ausreichend Geschwindigkeit

Am reinen Tempo lag Ferraris Ergebnis kaum. Leclerc fuhr sogar die schnellste Rennrunde, Hamilton die viertschnellste. Beide Ferrari kamen innerhalb der ersten fünf ins Ziel. Die offiziellen Rundenzeiten der Formel 1 zeigen, dass der SF-26 in Zandvoort grundsätzlich konkurrenzfähig war.

Hamilton hatte zudem Piastri auf der Strecke überholt und danach schnell zu Leclerc aufgeschlossen. Sein Argument ist deshalb leicht nachvollziehbar: Der Reifenvorteil sollte genutzt werden, bevor er verschwindet.

Vasseur wiederum muss Entscheidungen nicht nur aus Sicht eines Fahrers treffen. Ferrari musste auch Leclercs Strategie, Boxenfenster und mögliche Neutralisierungen berücksichtigen.

Lesen Sie auch: United trifft der nächste Schlag: Amad fällt wochenlang aus

Doch genau darin liegt die Kritik: Wenn eine solche Entscheidung mehrere Runden dauert, kann der Vorteil bereits verschwunden sein.

Vor Monza braucht Ferrari einen klareren Ablauf

Im WM-Kampf zählt diese Frage inzwischen unmittelbar.

Hamilton besitzt nach Zandvoort 183 Punkte. Russell steht ebenfalls bei 183, liegt aber aufgrund der besseren Einzelergebnisse vor ihm. WM-Spitzenreiter Antonelli kommt auf 242 Punkte und besitzt damit 59 Zähler Vorsprung. Die aktuelle Fahrer-WM von Formula One zeigt, wie teuer verlorene Möglichkeiten inzwischen sind.

Hamilton hat in dieser Saison bereits für Ferrari gewonnen, beim Grand Prix in Barcelona. Das Auto besitzt also grundsätzlich genügend Leistung, um Rennen und Podestplätze zu holen.

Das nächste Rennen erhöht den Druck zusätzlich: Vom 4. bis 6. September findet in Monza Ferraris Heim-Grand-Prix statt. Der offizielle F1-Kalender bestätigt Italien als nächste Station.

Ferraris Aufgabe bis dahin ist konkret. Wenn Hamilton und Leclerc auf unterschiedlichen Strategien unterwegs sind und einer klar schneller ist, muss festgelegt sein, wie schnell die Boxenmauer eine Positionsänderung anordnet.

Mercedes brauchte in Zandvoort dafür kaum Zeit.

Ferrari verlor mehrere Runden, und Hamilton fehlte am Ende weniger als eine Sekunde zum Podium.

Related Stories