Gianni Infantino, Rui Pinto

Rui Pinto greift Infantino nach Manchester-City-Urteil an

Football-Leaks-Whistleblower Rui Pinto hat neue schwere Vorwürfe gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino erhoben. Er behauptet, der heutige FIFA-Chef habe bereits 2014 von Unregelmäßigkeiten bei Manchester City gewusst.

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Pinto nimmt Infantino direkt ins Visier

Die Folgen des wegweisenden Finanzverfahrens gegen Manchester City ziehen immer weitere Kreise. Nun richtet der Mann hinter Football Leaks den Blick auf eine der mächtigsten Personen des Weltfußballs.

In einer neuen Stellungnahme auf X warf Rui Pinto FIFA-Präsident Gianni Infantino vor, bei der Behandlung des Falls Manchester City durch die UEFA vor mehr als einem Jahrzehnt eine zentrale Rolle gespielt zu haben.

„Schon 2014 gab es einen Mann, der über die Unregelmäßigkeiten bei Manchester City informiert war“, schrieb Pinto und nannte anschließend Infantino, der damals Generalsekretär der UEFA war. (liverpoolway.co.uk)

Pinto ging noch weiter. Er behauptete, Infantino habe seine Position missbraucht, vertrauliche Informationen weitergegeben und die Untersuchungskammer der UEFA praktisch umgangen, um Manchester City und Paris Saint-Germain vor einer härteren Prüfung zu bewahren, die möglicherweise sogar zu einem Ausschluss aus der Champions League hätte führen können.

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Dabei handelt es sich weiterhin um Vorwürfe Pintos. Infantinos Beteiligung an den Verhandlungen im Jahr 2014 ist allerdings nicht neu.

Geheime Gespräche wurden bereits vor Jahren bekannt

Dokumente aus Football Leaks, die Reuters 2018 untersuchte, zeigten, dass Infantino persönlich in die Gespräche zwischen der UEFA und sowohl Manchester City als auch PSG eingebunden war, als beiden Vereinen Sanktionen wegen Verstößen gegen Financial Fair Play drohten.

Nach Angaben der Reuters-Recherche schrieb City-Geschäftsführer Ferran Soriano intern, er und Infantino hätten vereinbart, dass die Anwälte von City und UEFA einen Vergleich aushandeln sollten. In einer weiteren E-Mail wurde ein Treffen zwischen Soriano und Infantino am 8. Mai 2014 in London als „geheimes“ Treffen bezeichnet, das zu einer endgültigen Einigung beitragen sollte. (uk.investing.com)

Die Ermittler der UEFA waren zu dem Schluss gekommen, dass City die zulässigen Verluste deutlich überschritten hatte. Der Fall hätte an die rechtsprechende Kammer der UEFA weitergeleitet werden können, wo ein Ausschluss aus europäischen Wettbewerben zu den möglichen Sanktionen gehörte.

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Stattdessen wurde eine Einigung erzielt.

City akzeptierte eine finanzielle Sanktion in Höhe von 60 Millionen Euro, wobei ein erheblicher Teil davon an Bedingungen geknüpft war und später zurückgezahlt wurde, nachdem der Klub weitere Vorgaben erfüllt hatte. Außerdem wurde der Champions-League-Kader eingeschränkt. Der Verein durfte jedoch im Wettbewerb bleiben. (theguardian.com)

Berichte auf Grundlage von Football Leaks legten später nahe, dass Infantino City und PSG dabei geholfen habe, die härteste mögliche Strafe zu vermeiden. (bbc.co.uk)

Infantino hat Fehlverhalten stets zurückgewiesen

Die Vorwürfe gegen Infantino reichen daher mehrere Jahre zurück. Er hat jedoch immer entschieden bestritten, dass sein Eingreifen unangemessen gewesen sei.

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Als die Football-Leaks-Dokumente 2018 veröffentlicht wurden, erklärte Infantino, es habe keinerlei Fehlverhalten gegeben und sein Handeln sei transparent gewesen. Er argumentierte, Gespräche mit Manchester City und PSG hätten zu seinen Aufgaben bei der UEFA gehört, weil der Verband Vergleichsvereinbarungen mit Klubs aushandeln wollte, denen Verstöße gegen die Finanzregeln vorgeworfen wurden. (repubblica.it)

Auch die FIFA reagierte damals und erklärte, die Berichterstattung solle ihre Führung untergraben. Zudem betonte der Verband, dass keines der veröffentlichten Dokumente einen Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften oder FIFA-Statuten belege. (theguardian.com)

Diese Unterscheidung bleibt wichtig. Pintos jüngste Aussagen sind erneute Anschuldigungen und keine neue gerichtliche Feststellung gegen Infantino.

Dramatisch verändert hat sich allerdings die Situation von Manchester City.

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City-Urteil verleiht alten Dokumenten neue Bedeutung

Am 29. September bestätigte die Premier League, dass eine unabhängige Kommission Manchester City in sämtlichen Punkten schuldig gesprochen habe, die schwere Verstöße gegen die Finanzregeln zwischen 2009/10 und 2017/18 betrafen. Zudem wurde der Klub bei drei von vier Vorwürfen wegen mangelnder Kooperation mit den Ermittlungen für schuldig befunden.

Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass City sogenannte „Scheinverträge“ mit kommerziellen Partnern arrangiert, Einnahmen künstlich erhöht, Finanzberichte falsch dargestellt und die tatsächliche Finanzlage gegenüber Wirtschaftsprüfern und Fußballbehörden verschleiert habe. (premierleague.com)

Manchester City weist die Feststellungen zurück und hat angekündigt, Berufung einzulegen. Der Klub argumentiert, die Entscheidung enthalte wesentliche Fehler in Rechtsfragen, Grundsätzen und Tatsachen. Das Disziplinarverfahren ist damit noch nicht abgeschlossen. (aljazeera.com)

Für Pinto ist die Bedeutung offensichtlich. Das über Football Leaks veröffentlichte Material trug dazu bei, die Untersuchungen auszulösen, aus denen schließlich das Verfahren der Premier League hervorging.

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Nun fordert er, noch weiter zurückzublicken.

Der Fokus könnte sich auf die Fußballinstitutionen verlagern

Pintos Intervention verändert die Fragestellung im Fall Manchester City.

Die unmittelbare Debatte dreht sich darum, welche Strafe der Klub am Ende erhalten könnte. Pinto versucht jedoch, diese Diskussion auf jene Institutionen auszuweiten, die Manchester City ursprünglich kontrollieren sollten.

Die UEFA untersuchte die Finanzen des Klubs bereits 2014. Infantino war an den Gesprächen beteiligt. City blieb in der Champions League. Vier Jahre später veröffentlichte Football Leaks interne Dokumente zu diesen Verhandlungen und den finanziellen Strukturen des Klubs.

Mehr als ein Jahrzehnt nach der ursprünglichen Einigung kam eine unabhängige Premier-League-Kommission nun zu dem Schluss, dass City in einem Zeitraum, der sich erheblich mit der früheren UEFA-Prüfung überschneidet, schwere finanzielle Verstöße begangen habe.

Das beweist Pintos Anschuldigungen gegen Infantino nicht.

Es sorgt jedoch dafür, dass eines der umstrittensten Kapitel aus Football Leaks plötzlich wieder hochaktuell ist. Und diesmal richtet sich der Blick nicht nur auf Manchester City, sondern auch darauf, wie die führenden Fußballinstitutionen reagierten, als die ersten Warnsignale sichtbar wurden.

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