Nordische Länder zur Ausrichtung von World Aquatics nach Russlands Rückkehr: Kommt nicht infrage, das ist beschämend
Warum die nordischen Verbände nicht mehr ausrichten wollen
Laut Ukrainska Pravda in einem Bericht von Oleh Didukh unter Berufung auf Delfi haben sich die nordischen Verbände intern abgestimmt und eine gemeinsame Linie festgelegt. Sie wollen Wettbewerbe mit russischen und belarussischen Athleten nicht boykottieren, aber auf ihrem eigenen Staatsgebiet vorerst keine Veranstaltungen von World Aquatics mehr austragen.
Der estnische Schwimmverbandspräsident Erkki Susi erklärte dem Bericht zufolge, dass diese Haltung bereits mehrfach mit den anderen Verbänden besprochen worden sei. Die Position sei eindeutig, die Entscheidung von World Aquatics werde nicht unterstützt. Zugleich sei der Widerspruch auch auf europäischer Verbandsebene deutlich geworden.
Zur nordischen Schwimmgemeinschaft zählen Dänemark, Estland, die Färöer, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Für World Aquatics bedeutet das, dass ein ganzer Block möglicher Ausrichter im Norden Europas bis auf Weiteres wegfällt.
Was World Aquatics geändert hat
Laut der Mitteilung von World Aquatics vom 13. April dürfen russische und belarussische Spitzensportler wieder unter ihren Nationalflaggen, in nationalen Uniformen und mit ihren Hymnen an Wettbewerben teilnehmen. Der Verband stellte außerdem die vollen Mitgliedsrechte für Russland und Belarus wieder her.
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Damit wurde die frühere Regelung beendet, unter der Athleten aus beiden Ländern in vielen Fällen nur unter neutralem Status starten konnten. Formal verweist World Aquatics weiter auf Kontrollmechanismen wie Anti-Doping-Prüfungen und Hintergrundüberprüfungen. Politisch hat die Entscheidung die Auseinandersetzung jedoch deutlich verschärft, weil nun nicht mehr nur über Startrechte gesprochen wird, sondern auch über die Bereitschaft einzelner Länder, solche Veranstaltungen überhaupt auszurichten.
Wie die Ukraine reagiert hat
Laut einem weiteren Bericht von Ukrainska Pravda über die Reaktion des ukrainischen Sportministeriums hat das Ministerium die Entscheidung scharf verurteilt. Aus Sicht Kiews ignoriert die Rückkehr russischer und belarussischer Nationalsymbole die Realität, in der ukrainische Athleten weiterhin unter den Bedingungen des russischen Krieges trainieren und antreten.
Der Bericht stellt die Entscheidung auch in einen unmittelbaren sportpolitischen Zusammenhang. Die Ukraine hatte sich zuvor geweigert, ein Wasserballspiel gegen Neutral Athletes B, ein Team mit russischen Spielern, auszutragen und dafür eine technische Niederlage erhalten. Dass World Aquatics kurz darauf die Regeln weiter lockerte, machte die Lage aus ukrainischer Sicht noch brisanter.
Wie der Streit um die Austragung nun weitergeht
Die nordischen Länder verhindern mit ihrer Haltung nicht, dass World Aquatics Turniere in anderen Staaten austrägt. Es handelt sich auch nicht um einen generellen Boykott des Wettbewerbsbetriebs. Die Entscheidung trifft den Verband dennoch an einem empfindlichen Punkt, weil mehrere verlässliche Gastgeberländer gleichzeitig wegfallen.
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Solange World Aquatics an seiner neuen Linie festhält, dürfte die Frage der Austragungsorte in Europa politisch belastet bleiben. Der Konflikt verlagert sich damit von der Teilnahme russischer und belarussischer Athleten zunehmend auf die Frage, welche Verbände bereit sind, dafür die Bühne zu bieten.
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