Das Metropolitano fällt sein Urteil
Julián Álvarez wusste, dass sein erster Heimauftritt der Saison unangenehm werden würde. Die Reaktion fiel trotzdem außergewöhnlich heftig aus. Laut Cadena SER wurde der argentinische Nationalspieler bereits bei der Verlesung seines Namens vor dem 2:2 gegen Villarreal laut ausgepfiffen. Als er in der 66. Minute eingewechselt wurde, folgte die nächste massive Reaktion. Cadena SER: Das Metropolitano verzeiht Julián Álvarez nicht
Es war sein erster Auftritt im Metropolitano nach einem Sommer, in dem sein Wunsch nach einem Abschied das beherrschende Thema gewesen war. Den Ligaauftakt gegen Málaga hatte Álvarez nach seiner Rückkehr von der Weltmeisterschaft wegen fehlender Wettkampffitness verpasst. Gegen Villarreal bekamen die Fans deshalb erstmals die Gelegenheit, direkt auf die Ereignisse der vergangenen Monate zu reagieren.
Auch das Spiel selbst verlief chaotisch. Marc Pubill brachte Atlético in Führung, ehe Gerard Moreno per Elfmeter ausglich. Nach einem weiteren Strafstoß und der Roten Karte für Robin Le Normand ging Villarreal in Führung, bevor Giuliano Simeone in der 85. Minute zum 2:2 traf. Álvarez konnte nach seiner Einwechslung kaum Einfluss nehmen.
Atlético schickt ihn allein in die Kabine
Das auffälligste Bild entstand nach dem Abpfiff. Während fast alle Atlético-Spieler zu den Tribünen gingen, um sich bei den Fans zu bedanken, blieb Álvarez zunächst zurück und lief anschließend allein in Richtung Spielertunnel. Auf dem Weg wurde sogar ein Trikot aus dem Zuschauerbereich in seine Richtung geworfen.
Lesen Sie auch: Watkins' Schweigen stürzt Villa ins Transferchaos
Zunächst entstand der Eindruck, Álvarez habe selbst entschieden, nicht mit seinen Teamkollegen zu den Anhängern zu gehen. Später wurde diese Interpretation korrigiert. Laut Cadena SER war es Atlético, das den Angreifer anwies, separat in die Kabine zu gehen, weil der Klub eine weitere Konfrontation mit den Fans verhindern wollte. Cadena SER: Atlético schickte Álvarez vorzeitig in die Kabine
Auch MARCA berichtete, dass die Maßnahme dazu dienen sollte, den Stürmer vor einer weiteren Welle von Pfiffen zu schützen. Dass Atlético überhaupt zu einem solchen Schritt griff, zeigt, wie angespannt die Lage um einen Spieler geworden ist, der eigentlich zu den größten Stars des Projekts gehören sollte. MARCA: Álvarez verlässt den Platz allein, um weitere Pfiffe zu vermeiden
Der Konflikt begann bei der Weltmeisterschaft
Der Ärger der Fans entstand nicht erst am Sonntag. Bereits während der Weltmeisterschaft im Juni bat Álvarez Atlético öffentlich um einen Transfer. Nach Argentiniens Spiel gegen Österreich erklärte er: „Ich glaube, das Beste für alle ist ein Transfer. Ich möchte meinen Traum erfüllen.“ Cadena SER: Álvarez bittet Atlético öffentlich um einen Transfer
Barcelona erwähnte er dabei ausdrücklich nicht, was für eine korrekte Darstellung wichtig ist. Mehrere spanische Medien berichteten anschließend jedoch, dass der FC Barcelona sein Wunschziel war. Cadena SER berichtete später von einem Angebot über insgesamt rund €100 Millionen, €90 Millionen garantiert und weitere €10 Millionen als Boni, das Atlético ablehnte.
Lesen Sie auch: Martinellis Arsenal-Abschied wird plötzlich real
Atléticos Position war von Beginn an hart. Álvarez besitzt einen Vertrag bis 2030 und laut EFE eine Ausstiegsklausel über €500 Millionen. Der Klub beschwerte sich zudem bei RFEF und FIFA über angebliche Kontakte zwischen Barcelona und dem noch innerhalb seiner vertraglichen Schutzfrist stehenden Spieler. Cadena SER/EFE: RFEF eröffnet Verfahren im Fall Barcelona und Álvarez
Der spanische Verband eröffnete daraufhin ein außerordentliches Disziplinarverfahren gegen Barcelona. Dabei soll geklärt werden, ob die mutmaßlichen Kontakte gegen sportrechtliche Regeln verstoßen haben.
Simeone steht vor einem riesigen Problem
Barcelonas Transfer scheiterte letztlich. Atlético behielt damit einen Weltklassestürmer, der den Klub öffentlich verlassen wollte, während ein erheblicher Teil der Fans diesen Wunsch offensichtlich nicht vergessen hat.
Die Reaktionen nach Villarreal waren teilweise hart. In der Nachbetrachtung von Cadena SER beschrieb Journalist Pablo Pinto den Álvarez auf dem Platz als „einen Schatten dessen, was Julián eigentlich ist“. Gleichzeitig gab es Berichte über Unbehagen innerhalb der Kabine angesichts seiner Körpersprache während des Sommers.
Lesen Sie auch: Gavi-Verletzung sorgt erneut für Angst in Barcelona
Die offiziellen Botschaften aus der Mannschaft fielen dagegen versöhnlich aus. Kapitän Jan Oblak sagte, die Situation sei „für niemanden angenehm“, betonte aber, dass die Mannschaft zusammenhalten und Álvarez unterstützen müsse, solange er Teil des Teams sei. Cadena SER: Oblak fordert Zusammenhalt um Álvarez
Diego Simeone schlug einen ähnlichen Ton an. Laut seinen von Cadena SER veröffentlichten Aussagen brauche Atlético wichtige Stürmer und müsse Álvarez deshalb „schützen“ und sich um ihn kümmern. Cadena SER: Simeone reagiert auf die Álvarez-Kontroverse
Genau das könnte nun zu einer der schwierigsten Aufgaben seiner Trainerzeit werden. Álvarez ist weiterhin ein internationaler Topstürmer mit vier Jahren Vertragslaufzeit. Doch der Sonntag zeigte deutlich, dass vertragliche Kontrolle und sportliche Harmonie nicht dasselbe sind.
Atlético hat seinen Wechsel nach Barcelona verhindert. Nun muss der Klub dafür sorgen, dass sich Álvarez im Metropolitano irgendwann wieder wie ein eigener Spieler anfühlt.
Lesen Sie auch: Esteban Ocon unter Druck: Drei Namen tauchen im Kampf um sein Haas-Cockpit auf
Lesen Sie auch: Argentinien will Paredes' Sperre über 10 Spiele anfechten: AFA bezeichnet FIFA-Sanktion als „übertrieben"



